Der Struwwelpeter und die Pädagogik der Hölle

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich mit spannender Lektüre über den pädagogischen Zweck der neutestamentlichen Gerichtsworte und Höllentexte. Theologinnen und Wissenschaftler wie Meghan Henning, Martha Himmelfarb oder Nils Neumand haben intensiv dazu geforscht. Ihre Ergebnisse beschreibe ich in aller Kürze in diesem Blogartikel.

Um biblische Texte, vor allem Gerichtsworte oder Höllentexte richtig verstehen zu können, müssen wir eintauchen in antike Pädagogik. Sie ist der Schlüssel zum Verstehen vieler angsteinflößender Texte im Alten und vor allem im Neuen Testament. Inspiriert haben mich dabei Texte von Theologinnen und Wissenschaftler wie Meghan Henning, Martha Himmelfarb oder Nils Neumand, die intensiv dazu geforscht haben.

Wer das Neue Testament – und insbesondere das Matthäusevangelium – liest, stößt unweigerlich auf drastische Bilder des Gerichts. Matthäus wird in der Forschung oft als der „Höllenprediger“ des Neuen Testaments bezeichnet, bei dem Formulierungen wie „Heulen und Zähneklappern“, der Wurf in die „äußerste Finsternis“ oder das „unauslöschliche Feuer“ wiederholt auftauchen[1]. Solche Texte erzeugen heute oft theologische Bauchschmerzen. Doch um diese Gerichtsworte Jesu historisch richtig zu verstehen, müssen wir sie durch die Brille der antiken Rhetorik betrachten. Die neutestamentlichen Autoren nutzten spezielle literarische Techniken – primär Ekphrasis und Enargeia –, um ihre Botschaft zu vermitteln.[2]

Die Werkzeuge: Ekphrasis und Enargeia

In der antiken Welt wurden Menschen nicht nur durch logische Argumente überzeugt, sondern vor allem durch emotionale Überwältigung. In den antiken Rednerschulen lernten Autoren deshalb die Kunst der Ekphrasis und Enargeia. Es geht um die Fähigkeit, mit Worten ein so lebendiges Bild zu malen, dass der Hörer mitten in der Story landet und zum Augenzeugen wird.

  • Ekphrasis bezeichnet die literarische Technik der detaillierten und lebendigen Beschreibung. Sie zielt darauf ab, eine Vorstellung oder ein Bild mit Worten so plastisch auszumalen, dass der Zuhörer das Gefühl hat, das Beschriebene direkt vor Augen zu haben.[3]
  • Enargeia (Anschaulichkeit) ist die daraus resultierende Qualität des Textes und der Effekt auf das Publikum. Wenn Ekphrasis erfolgreich ist, erzeugt sie Enargeia: Die Zuhörer werden emotional in die Geschichte hineingezogen und beinahe zu Augenzeugen gemacht.

Manche verwechseln vielleicht das rhetorische Wort Enargeia mit dem philosophischen Wort Energeia. Energeia (mit „e“) kommt von ergon (das Werk/die Arbeit) – daraus wurde unser heutiges Wort Energie (Wirksamkeit/Aktion). Enargeia (mit „a“) kommt von argos (glänzend) und bedeutet Anschaulichkeit (Leuchtkraft/visuelle Kraft). Es geht also nicht um besonders hohe Energie beim Sprechen, sondern darum, den Worten möglichst viel Leuchtkraft zu verleihen.

Der berühmte römische Rhetoriker Quintilian erklärte diesen Effekt an einem drastischen Beispiel: „Für Quintilian und seine Schüler ließen sich die Bilder, Gerüche und Geräusche eines Mordes durch anschauliche Rhetorik so einfangen, dass sie dem Publikum direkt „vor Augen“ geführt wurden. Die Sinneseindrücke des Geschehens und der beteiligten Personen würden sich „in das Gedächtnis einprägen“.[4] Auch in den frühchristlichen Apokalypsen findet man diese Stilmittel:

  • Lex Talionis (Auge um Auge): Die Strafen werden nun hochspezifisch: Die Strafe entspricht genau der Sünde (z. B. werden Zungenlästerer an ihren Zungen aufgehängt).
  • Der Körper als Mahnmal: Durch die Ekphrasis wird der leidende Körper des Sünders zum pädagogischen Objekt. Die Leser werden durch die grausamen Details emotional bewegt, um sich im Diesseits für das „richtige“ Verhalten zu entscheiden.
  • Rezeption: Kirchenväter wie Johannes Chrysostomos nutzten diese Bilder intensiv, um Eifer in der moralischen Erziehung der Gläubigen zu wecken.

Auch in jüdischen Texten aus dem ersten Jahrhundert finden sich solche intensiven Beschreibungen der Hölle und ihrer Qualen. So kann man im zweiten Henoch-Buch lesen: „Und die Männer brachten mich von dort hinauf in den Norden. Und sie zeigten mir dort einen sehr schrecklichen Ort […] jede Art von Folter und Qual ist an diesem Ort, und Finsternis und Düsternis. Und es gibt dort kein Licht, sondern ein schwarzes Feuer lodert unaufhörlich, und ein Fluss aus Feuer fließt über den ganzen Ort […] und grausame Engel […], die ohne Mitleid quälen. Dieser Ort ist bereitet für jene, die […] den Tod der Hungrigen durch Verhungern herbeiführen […]“ (2. Henoch 10,1–3)

Die Hölle als multisensorisches Erlebnis (Matthäus 25)

Genau dieses rhetorische Prinzip wendet Matthäus in seinen Gerichtstexten an. Ein Paradebeispiel für „apokalyptische Ekphrasis“ ist die große Gerichtsrede in Matthäus 25. Jesus beschreibt hier, wie am Ende der Zeiten die Schafe von den Böcken getrennt werden und die Ungerechten in das ewige Feuer geschickt werden. Matthäus nutzt hier keine abstrakte theologische Sprache, sondern visuelle und auditive Reize. Er kombiniert vertraute Bilder (Schafe und Böcke) mit dem brennenden Gehenna-Feuer und dem Schmerz des „Zähneklapperns“, um die absolute Dramatik des eschatologischen Gerichts vor das innere Auge seiner Zuhörerschaft zu stellen.[5] Durch diese multisensorische Ekphrasis erschuf Matthäus eine Art „Virtual Reality“ der Antike: Die Zuhörer sollten die Hitze des Feuers spüren und das Klagen der Verurteilten hören, um von der Schwere der Situation emotional völlig ergriffen zu werden.

Armer Lazarus und reicher Mann

Auch in manchem Gleichnis finden wir dieses pädagogische Stilmittel. Lukas nutzt bei der Geschichte vom reichen Mann und armen Lazarus massive Enargeia. Er beschreibt die eiternden Wunden des Bettlers, die Hunde, die daran lecken, und später den brennenden Durst des Reichen in den Flammen. Das ist multisensorisch – wir sehen, riechen und fühlen dieses Elend. Das Ziel dieser Bilder ist es, uns emotional so zu erschüttern, dass wir den Armen vor unserer eigenen Haustür schlichtweg nicht mehr übersehen können. Aber es soll keineswegs eine wörtliche Beschreibung des Totenreichs oder der Hölle sein. Leider verstehen viele Christen die Geschichte vom reichen Mann und armen Lazarus als wörtliche und authentische Beschreibung des zukünftigen Totenreichs. Aber dann müsste man davon ausgehen, dass der verstorbene Mensch immer noch über einen Körper verfügt, der Wasser braucht und deswegen auch Durst empfinden kann. Aber wie kann ein menschlicher Körper und eine menschliche Zunge die Glut des Feuers überstehen, ohne zu verbrennen?[6] Man müsste zudem von einer geografischen Nähe der beiden Bereiche des Totenreichs ausgehen, damit Abraham hören kann, was jemand aus einem anderen Bereich sagt oder ruft. Es wäre völlig absurd, diese Beschreibung des Totenreichs und seiner Qual als tatsächlichen, realen Ort zu verstehen, der auf die Menschen wartet. Aber als rhetorisches und pädagogisches Stilmittel machen solche Beschreibungen zur damaligen Zeit absolut Sinn, und finden sich in dieser oder ähnlicher Weise auch in anderen jüdischen Texten. Gerade die Geschichte vom armen Lazarus und dem reichen Mann war den Juden zur Zeit Jesu in abgewandelter Form durchaus bekannt. Die engste Parallele im jüdischen Schrifttum findet sich im Jerusalemer Talmud.[7] Es handelt sich um eine bekannte Volkserzählung über die Schicksalsumkehr im Jenseits, die Erzählung von Bar Ma’jan: In der Stadt Schittim starben am selben Tag zwei Männer: Ein reicher, aber gottloser Zöllner namens Bar Ma’jan und ein sehr armer, aber frommer Tora-Schüler. Der reiche Zöllner erhielt im Diesseits ein prunkvolles Begräbnis; die ganze Stadt nahm daran teil. Der arme Tora-Schüler hingegen wurde unbeweint und ohne jede Ehrung verscharrt.  Ein überlebender Gefährte des Schriftgelehrten sieht in einer Vision das Schicksal beider Männer nach dem Tod: Der arme Tora-Schüler wandelt in prächtigen Paradiesgärten an frischen Wasserquellen. Der reiche Zöllner Bar Ma’jan hingegen steht am Ufer eines Flusses, verzehrt sich vor Durst und versucht vergeblich, das Wasser mit der Zunge zu erreichen.[8]

Bei Jesus sind es keine Paradiesgärten, sondern der Schoß Abrahams, was ein Synonym für das Paradies war und es ist kein Fluss, der für die Zunge des Reichen unerreichbar ist, sondern der Finger des Lazarus, der einen Tropfen Wasser weitergeben soll. Und in Jesu Geschichte hat bezeichnenderweise der reiche Mann gerade keinen Namen, dafür bekommt aber der Arme ganz bewusst einen Namen verliehen – Lazarus (Gott hilft).

Historiker und Neutestamentler nehmen an, dass sowohl die talmudische Geschichte als auch das Gleichnis Jesu auf eine noch ältere, populäre ägyptische Erzählung aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. zurückgehen. In dieser Erzählung sieht ein Vater gemeinsam mit seinem Sohn zwei Begräbnisse in Memphis: das eines reichen Mannes in Prunk und das eines armen Mannes, der nur in eine Matte gewickelt weggeworfen wird. Der Sohn führt den Vater in die Unterwelt. Dort sehen sie, dass der Arme nahe beim Totengott Osiris in Herrlichkeit lebt, während der Reiche in Qualen schmachtet.  Joachim Jeremias schreibt dazu: „Es ist das ägyptische Märchen von der Fahrt des Si-Osiris und seines Vaters Seton Chaemwese, ins Totenreich, das mit den Worten schließt: `Wer auf Erden gut ist, zu dem ist man auch im Totenreich gut, wer aber auf Erden böse ist, zu dem ist man auch [dort] böse.´ Alexandrinische Juden hatten diese Erzählung nach Palästina gebracht, und dort wurde sie als die Geschichte von dem armen Schriftgelehrten und dem reichen Zöllner Bar Ma’jan sehr beliebt.“[9] Hier wird deutlich, dass es nicht um eine Tatsachenerzählung geht, sondern um eine historische Erzählvorlage, die immer wieder benutzt wurde, um deutlich zu machen, dass unser irdisches Leben und Handeln Auswirkungen auf unser ewiges Schicksal haben wird.

Paideia: Warum Jesus mit der Hölle droht

Die entscheidende Frage ist also: Warum zeichnete Jesus (bzw. Matthäus und andere neutestamentliche Autoren) solche Horrorbilder? Antike Autoren schufen diese bildgewaltigen Jenseitsvisionen nicht, um faktische, geografische Berichte über das Leben nach dem Tod zu liefern. Solche Texte waren in ihrer unterschiedlichen Beschreibung stark widersprüchlich und eigneten sich nicht als wörtliche Lehraussagen. Vielmehr erfüllte diese Rhetorik einen pädagogischen Zweck, die sogenannte Paideia im Sinne von moralischer Bildung und Erziehung[10]. Ekphrasis und Enargeia wurden eingesetzt, um durch Furcht und emotionale Betroffenheit das Verhalten der Menschen im Hier und Jetzt zu verändern. Jesus oder die biblischen Autoren bedienen sich genau dieser Paideia, um auf wichtige Verhaltensweisen oder auf Sünde hinzuweisen. Bloß weil die Drohworte und Höllenbeschreibungen keinem tatsächlich real-geografischen Ort entsprechen, werden die Warnungen nicht belanglos. Sünde und lieblose Verhaltensweisen haben Konsequenzen, sie beschädigen uns selbst und andere, sie laufen Gottes Absicht mit seinem Königreich entgegen und Gott wird uns zur Verantwortung dafür ziehen. Natürlich gibt es ein Gericht, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Aber Gott kann für Gerechtigkeit sorgen, auch wenn er nicht Feuer, Schwefel, Glut, Finsternis, fressende Würmer und unstillbaren Durst dazu gebraucht.

Interessanterweise richten sich diese drastischen Drohungen bei Matthäus meistens an eine ganz bestimmte Gruppe: die pharisäischen Hardliner. Wenn Jesus die Pharisäer als „Schlangenbrut“ bezeichnet und sie fragt, wie sie dem Gericht der Hölle entkommen wollen (Mt. 23,33), dann kritisiert er Menschen, die zwar formal religiös sind und Gottes Gebote einfordern, aber in der Praxis unbarmherzig und hart mit ihren Mitmenschen umgehen. Matthäus nutzt die apokalyptische Ekphrasis, um den Lesern unmissverständlich klarzumachen: Wer theologische Korrektheit über Barmherzigkeit (Kranke pflegen, Hungrige speisen…) stellt, begibt sich in höchste Gefahr.

Der Struwwelpeter

Diese Pädagogik ist nicht nur antik, sie reicht bis weit in die Neuzeit hinein. Sie erinnert mich an ein Buch aus meiner eigenen Kindheit, dem Struwwelpeter. Vielleicht kennen wir noch die Geschichte vom bösen Friederich, von Paulinchen mit dem Feuerzeug, vom Daumenlutscher, vom Suppen-Kaspar, vom Zappel-Philipp oder vom fliegenden Robert. Der Struwwelpeter nutzt die antiken Mechanismen von Ekphrasis und Enargeia, um Kindern durch drastische Schreckensszenarien Gehorsam beizubringen. Alltägliche Fehltritte wie Zündeln, Trotz oder Daumenlutschen werden in unerbittlichen Kausalketten bis zur totalen körperlichen Zerstörung oder Verstümmelung gesteigert: Paulinchen verbrennt zu einem Häufchen Asche; dem Daumenlutscher wird vom Schneider der Fingers abgeschnitten; der Suppenkasper verhungert elendig; der fliegende Robert wird vom Wind weggetragen und nie mehr gefunden. Es gibt in diesen Geschichten keine Vergebung oder pädagogische Milde; die Strafe erfolgt sofort, brutal und spiegelbildlich zur Sünde. Die Figuren im Hintergrund (z.B. die Katzen Minz und Maunz) agieren als emotionale Spiegel des Entsetzens für den Leser. Bis weit ins 20. Jahrhundert diente dieses Buch als Paradebeispiel für eine Pädagogik der Angst und Abschreckung. Im Detail arbeiten die Geschichten vom Struwwelpeter

  • mit einer Pädagogik der Angst: Gezielte Nutzung von existentiellen Schreckensszenarien zur Verhaltenssteuerung und Disziplinierung.
  • mit drastischer Anschaulichkeit (Enargeia): Radikale, blutige und unbeschönigte Schilderung physischer Konsequenzen, die sich ins Gedächtnis einbrennt.
  • mit spiegelbildlicher Bestrafung (Lex Talionis): Die Strafe entspricht in ihrer Logik exakt der begangenen Verfehlung (Wer nicht isst, verhungert).
  • mit bedingungsloser Autorität: Eltern und ausführende Gewalten (z. B. der Schneider) agieren als unerbittliche, gnadenlose Vollstrecker der Ordnung.
  • mit symbiotischer Ekphrasis: Text und drastische Zeichnungen arbeiten untrennbar zusammen, um den Hörer zum traumatisierten Augenzeugen zu machen.

Als der Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann 1844 dieses Buch geschrieben und illustriert hat, empfanden die Menschen diese Art der Erziehung und Gehorsamsvermittlung nicht als problematisch, sondern das Buch fand eine überwältigend positive Resonanz und galt als revolutionärer Fortschritt in der Kinderliteratur. Nicht umsonst lautet der Titel des Buches im Original: „Der Struwwelpeter oder lustige Geschichten und drollige Bilder. Für Kinder von 3 bis 6 Jahren.“[11] Was an diesen Geschichten und Zeichnungen lustig und drollig sein soll, wenn Buben vom Nikolaus in schwarze Tinte getunkt werden, aus der Hand das Blut spritzt oder ein Hase den Jäger erschießt, erschließt sich uns heute nicht mehr. Wir haben uns von der Pädagogik des Struwwelpeters verabschiedet, weil die Menschheit inzwischen anders funktioniert. Erschreckte und verstörte Seelen tun das Gute und Richtige oftmals nur aus Angst und Drohung heraus, nicht aber aus tiefer innerer Überzeugung oder Herzenstransformation. Wenn Abschreckung das Mittel der Wahl ist, um Menschen zum richtigen Handeln zu bewegen, muss die Abschreckung bis zum letzten Moment aufrechterhalten werden.

Um die biblischen Drohtexte, die mit Ekphrasis und Enargeia arbeiten, richtig zu verstehen, müssen wir diese Pädagogik im Hinterkopf behalten. Wenn wir die Gerichtsworte Jesu und die Schilderungen der Hölle im Neuen Testament lesen, dürfen wir sie nicht als buchstäbliche Jenseits-Reportagen missverstehen. Es handelt sich vielmehr um rhetorische Warn-Erzählungen. Durch Ekphrasis und Enargeia nutzte das frühe Christentum eine „kalkulierte Schreckenserzählung“, um ein ethisches Umdenken zu erreichen. Die Hölle war in der neutestamentlichen Rhetorik kein Selbstzweck, sondern das ultimative pädagogische Mittel, um die Gläubigen zur aktiven, gelebten Nächstenliebe und Barmherzigkeit zu erziehen.

Heute dürfen wir diese Pädagogik auch mit gewisser Skepsis betrachten. Sie ist nicht Ausdruck der Besten aller möglichen Pädagogiken, sondern spiegelt antike Überzeugungen und Erziehungsmethoden wider. Und es ist legitim und wichtig, die Schreckensschilderungen von Hölle und Gericht nicht als faktische Tatsachenbeschreibungen zu lesen. Bis heute erlebe ich es in meinem eigenen Herzen, dass mich die Liebe zu jemandem viel stärker dazu motiviert, diesem Menschen Gutes zu tun, als irgendein Angstszenario. Und auch mein Gegenüber merkt relativ schnell, ob mich Liebe und Dankbarkeit oder Angst und Schrecken bewegen.

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[1] Zur Häufigkeit des Begriffs Gehenna und zu eschatologischen Strafgerichtsmotiven bei Matthäus vgl. ausführlich den Podcast Hasophonie, Folge „Wie viel Leerstand hat die Hölle? Teil 11: Religiöse Hardliner“.

[2] Zu den pädagogisch-rhetorischen Funktionen neutestamentlicher Höllentexte siehe grundlegend Meghan Henning, Educating Early Christians through the Rhetoric of Hell: „Weeping and Gnashing of Teeth“ as Paideia in Matthew and the Early Church (WUNT II. 382), Tübingen 2014.

[3] Siehe u. a. Aelius Theon, Progymnasmata 118, zitiert nach Meghan Henning / Nils Neumann (Hrsg.), Vivid Rhetoric and Visual Persuasion: Ekphrasis in Early Christian Literature, Grand Rapids: Eerdmans, 2024, Kap. 1.

[4] Quintilian, Institutio oratoria 6.2.32. Zitiert nach Henning / Neumann, Vivid Rhetoric and Visual Persuasion, Kap. 1, S.7

[5] Zur „apokalyptischen Ekphrasis“ in Matthäus 25 und den visuell-auditiven Rhetorikstrategien siehe Meghan Henning, „Apocalyptic Ekphrasis and the Afterlife in Matthew 25: Vividness, Verisimilitude, and Mixed Messages“, in: Henning / Neumann (Hrsg.), Vivid Rhetoric and Visual Persuasion, Kap. 3.

[6] Vgl. Lukas 16,27: ›Vater Abraham‹, rief er, ›hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus hierher! Lass ihn seine Fingerspitze ins Wasser tauchen und damit meine Zunge kühlen; ich leide furchtbar in dieser Flammenglut.‹ (NGÜ)

[7] Vgl. Yerushalmi Chagiga 2,77d / Yerushalmi Sanhedrin 6,23c

[8] Vgl. Joachim Jeremias, „Die Gleichnisse Jesu“, Göttingen 2011, S.182

[9] aaO., S.182

[10] Der Begriff Paideia bezeichnet das antike Bildungsideal, das im frühchristlichen Kontext auf die moralisch-ethische Formung der Gemeinde übertragen wurde. Zur Vertiefung siehe Henning, Educating Early Christians through the Rhetoric of Hell.

[11] Vgl. Heinrich Hoffmann, „Der Struwwelpeter“, Frankfurt 2011

Struwwelpeter Bilder aus https://www.gutenberg.org/files/24571/24571-h/24571-h.htm