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MC 164: Wie zentral ist das Kreuz? Erkenntnisse aus der Verkündigung der ersten Christen

In diesem Podcast untersuche ich die Bedeutung des Kreuzes in der Verkündigung der Apostelgeschichte. Welche Rolle spielt das Kreuz und seine theologische Deutung in der missionarischen und bezeugenden Tätigkeit der Apostel?

Dieser Podcast ist als Ergänzung gedacht zu meiner achtteiligen Serie über das Verständnis des Kreuzes. Die entsprechenden Textuntersuchungen und Bibelstellen finden sich in meinem Blog: https://movecast.de/wie-zentral-ist-das-kreuz-erkenntnisse-aus-der-verkuendigung-der-ersten-christen/

Transcript

Willkommen zu MOVECAST, dem Podcast, der etwas bewegen möchte. Mein Name ist Martin Benz und jetzt geht’s los.

 

Ich knüpfe mir diesen Podcast nochmals an meiner Podcast-Reihe zum Thema Kreuz an. Ich habe 8 Podcast-Folgen gemacht zum Thema Das Kreuz verstehen. Und zwar von MOVECAST 153 bis MOVECAST 160.

 

Und ich möchte euch die wirklich von Herzen empfehlen, das nochmal nachzuhören. Ich beschreibe dort unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten des Kreuzes und zwar zum einen aus der Bibel selbst heraus. Da finden wir nämlich unterschiedliche Deutungen dessen, was am Kreuz geschehen ist und was das Kreuz bewirkt hat.

Und ich schildere auch verschiedene Deutungsmuster aus der Kirchengeschichte. Und am Ende versuche ich, eine eigene Deutung des Kreuzes zu beschreiben, von der ich nun von vielen Rückmeldungen gehört habe, dass sie für sehr viele Leute verständlich ist und auch etwas Befreiendes an sich hat.

 

Und in meiner Podcastreihe über das Kreuz habe ich deutlich gemacht, dass für mich das Kreuz eine enorm hohe und zentrale Bedeutung hat. An keinem anderen Ort zeigt sich die bedingungslose und radikale Liebe Gottes mehr als am Kreuz. Während die Menschen durch das Mittel der Kreuzigung das Schlimmste aller Verbrechen vollziehen, nämlich den Gottesmord, vergibt Jesus seinen Henkern noch am Kreuz. Und auch nach der Kreuzigung rächt Gott sich eben nicht, zahlt es den Menschen nicht heim, sondern lässt die Botschaft der Versöhnung verkündigen. Das heißt, Gott ist noch immer bereit, sich zu versöhnen, selbst nach diesem Gottesmord. Dadurch wird deutlich, dass es nichts gibt, keine Schuld der Menschen, die Gott von seiner Liebe, seiner Vergebung und seiner Versöhnungsbereitschaft abhalten könnte.

 

Diese Sicht des Kreuzes ist eine alternative Deutung des Kreuzes und damit etwas anderes, als es in vielen evangelikalen Kreisen üblich ist und gepredigt wird. Dort wird das Kreuz als stellvertretende Strafübernahme Jesu verstanden. Ohne Strafe keine Vergebung. Daher muss Gott Jesus an unserer Stelle für die Schuld der Menschen bestrafen. Erst dadurch wird der Weg frei zur Vergebung und zur Versöhnung. Und ich habe schon in meinem abschließenden Podcast gesagt, was ist denn daran die Logik? Wenn jemand bestraft wird, was ist denn daran dann noch Vergebung? Also wenn Vergebung nur über Strafe funktioniert, dann ist es ja eigentlich gar keine Vergebung, dann hat ja jemand bezahlt.

Also schon da, finde ich, hat diese Sichtweise ihre großen Schwierigkeiten. Das wäre doch genauso, wie wenn jemand sagen würde, ich vergebe dir, aber vorher verprügle ich dich noch.

Und in meiner Podcastreihe versuche ich unterschiedliche Deutungen des Kreuzes nebeneinander zu stellen und damit aufzuzeigen, dass die Auswirkungen des Kreuzes so umfassend sind, dass eine einzelne Deutung dafür gar nicht ausreicht. Aber genau in dieser (meiner Meinung nach) Aufwertung und Deutungserweiterung des Kreuzes sind konservative Kreise vollkommen überfordert und sehen darin gerade die Aufweichung des Kreuzes.

Wenn die Ihnen vertraute und als einzig richtig betrachtete Deutung des Kreuzes nicht gefördert und nicht verkündigt wird, sehen sie darin eine unbiblische Umdeutung und Gefährdung der Kreuzesbotschaft.

Ausgehend von diesem Vorwurf, den ich immer wieder höre, habe ich mir die Mühe gemacht, einmal die Verkündigung der ersten Christen unter die Lupe zu nehmen. Welche Rolle spielt das Kreuz und die Botschaft vom Kreuz und die Deutung des Kreuzes in der Verkündigung der Jünger in der Apostelgeschichte? Ich habe mir also im letzten Monat die Zeit genommen, die gesamte Apostelgeschichte noch einmal durchzuarbeiten. Und ich habe dabei besonders alle Texte unter die Lupe genommen, wo in irgendeiner Weise verkündigt wird, gepredigt wird, vom Glauben erzählt wird oder Zeugnis abgelegt wird. Denn die Apostelgeschichte zeugt ja von der Verkündigung und der missionarischen Tätigkeit der ersten Jünger und der Apostel.

 

Und ich möchte die Ergebnisse schon einmal vorwegnehmen. Obwohl es mindestens 14 Texte in der Apostelgeschichte gibt, wo in irgendeiner Form gepredigt, verkündigt oder Zeugnis abgelegt wird, kommt das Wort Kreuz in keinem einzigen Vers der gesamten Apostelgeschichte vor. Das Kreuz ist komplette Fehlanzeige in der Apostelgeschichte. Und das muss man sich gleich zu Beginn mal bewusst machen. Das Buch, das wie kein anderes die missionarische und verkündigende Tätigkeit der Apostel beschreibt, kommt komplett aus ohne das Wort Kreuz. Und damit möchte ich übrigens überhaupt nicht sagen, dass das Kreuz nicht wichtig ist. Das möchte ich nochmals betonen. Ich halte es für sehr, sehr wichtig, um uns die Liebe Gottes deutlich zu machen.

Es ist trotzdem ein überraschender Befund, dass die Apostelgeschichte ganz auf dieses Wort verzichtet und auch in der Verkündigung das Thema Kreuz kaum eine Rolle spielt. Das griechische Wort im Neuen Testament für Kreuz lautet Stauros. Dieses Wort kommt insgesamt 28 mal im Neuen Testament vor. 5 mal bei Matthäus, 5 mal bei Markus, meistens die synoptischen Stellen, 3 mal bei Lukas, 4 mal bei Johannes, 2 mal im Korintherbrief, 3 mal im Galaterbrief, 1 mal bei Epheser, 2 mal Philipper, 2 mal im Kolosserbrief und 1 mal im Hebräerbrief.

Neben dem Begriff Kreuz gibt es auch das Verb Kreuzigen. Und da gibt es zwei griechische Worte. Stauroo, das von Stauros kommt, Kreuzigen, und Prospeknymi. Das erste kommt zweimal in der Postgeschichte vor, Stauroo zweimal, und Prospeknymi kommt einmal in der Apostelgeschichte vor. Und zweimal kommt das Wort Holz, Xylon, als Synonym für das Kreuz in der Apostelschichte vor.

Aber das eigentliche Wort Kreuz, Stauros, kommt nullmal vor.

 

Folgende fünf Stellen sind es, in denen es irgendwie um das Kreuzesgeschehen geht. Dort taucht also das Wort Holz oder gekreuzigt auf. Und ihr müsst jetzt nichts mitschreiben. Alles, was ich hier sage, wird auch als Blogartikel auf meiner Webseite erscheinen. Dort hat man dann die gesamte Übersicht über alle Bibelstellen. Aber diese fünf Stellen, wo irgendwas mit Kreuz vorkommt, sind

Apostelgeschichte 2, 23: „Und diesen Mann habt ihr durch Menschen, die nichts vom Gesetz wissen, ans Kreuz nageln und töten lassen. Allerdings war es so von Gott beschlossen und vorherbestimmt.“ Da steht eben dieses Wort Prospeknumie, kommt nur ein einziges Mal im Neuen Testament vor und meint gekreuzigt im Sinne von anheften, also eben annageln.

Dann, Kapitel 2, 36: „ganz Israel soll nun mit Sicherheit wissen, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, den hat Gott zum Herrn und Messias gemacht.“

Stauroo hier.

Dann Kapitel 4, 10: „Nun, ihr sollt es wissen, und das ganze Volk Israel auch. Es geschah im Namen von Jesus, dem Messias aus Nazareth, im Namen dessen, den ihr gekreuzigt habt, den Gott aber wieder aus den Toten auferstehen ließ. In der Kraft seines Namens steht dieser Mann hier gesund vor euch.“

Stauroo hier.

Dann Kapitel 10, 39: „Wir sind Zeugen für alles, was er im jüdischen Land und in Jerusalem getan hat. Den haben sie ans Holz gehängt und getötet.

Xylon, Holz. Also hier das Kreuz gemeint.

Und Kapitel 13, 29: „Nachdem sie dann alles ausgeführt hatten, was über ihn geschrieben steht, nahmen sie ihn vom Holz herunter und legten ihn in ein Grab.“ Auch hier steht Xylon.

 

Der Podcast würde nun zu lang dauern, wenn ich jetzt alle 14 Stellen mit euch anschauen würde, wo Verkündigung stattfindet. Ich habe gleichzeitig mit diesem Podcast einen Blogartikel veröffentlicht, der das gleiche nochmal aussagt und in dem ich alle 14 Stellen behandle. Wenn ihr euch also wirklich diese 14 Stellen anschauen wollt und wie dort gepredigt wird, dann schaut auf meinem Blog unter movecast.de Was ich jetzt noch machen möchte ist, ein paar wenige exemplarische Stellen herausgreifen aus der Apostelgeschichte, wo das Fehlen des Kreuzes besonders offensichtlich oder auch verwunderlich ist und dann meine Quintessenz daran anschließen.

An den Stellen in der Apostelgeschichte, wo auf das Leiden und das Sterben oder das Gekreuzigtwerden Jesu hingewiesen wird, geschieht das nicht in Begleitung einer theologischen Deutung, was dort am Kreuz geschehen ist, was Gott sich gedacht hat und was durch das Kreuz an Erlösung ermöglicht wurde, sondern das Kreuz wird nur erwähnt oder die Kreuzigung als historisches Ereignis.

Also immer wieder wird von Petrus oder anderen betont: ihr Hoher Rat, ihr Juden habt Christus gekreuzigt oder ihr habt durch die Hand der Heiden oder durch die Hand der Römer Jesus hinrichten lassen. Ihr wolltet dem Leben, dem Wirken und dem Einfluss dieses Mannes Einhalt gebieten. Darum habt ihr ihn gekreuzigt.

Und dann kommt immer die entscheidende Wendung. Gott hat diesen Jesus, den ihr getötet habt, auferweckt. Und diese Auferweckung ist gleichsam die himmlische Bestätigung und Rechtfertigung dieses Jesus. Die Auferstehung zeigt, dass dieser Jesus wirklich der Messias, der Erlöser der Welt und der Sohn Gottes ist. Es läuft fast immer auf das heraus, wenn der Tod Jesu erwähnt wird, dann nur geschichtlich, aber entscheidend in den ganzen Texten ist die Auferstehung und dass durch die Auferstehung Gott sozusagen seinen Sohn rechtfertigt.

Aber an keiner Stelle finden wir eine theologische Deutung des Kreuzes, so wie wir das heute andauernd hören und machen.

 

Besonders offensichtlich wird das an folgenden Beispielen. Es geht um Apostelgeschichte 8, wo Philippus dem äthiopischen Finanzminister begegnet. Gott selber schickt Philippus zu diesem Mann, der gerade auf der Rückreise von Jerusalem nach Äthiopien ist, eine Schriftrolle in der Hand hält und in seiner Kutsche Jesaja 53 liest. Und der Finanzminister liest folgende Vers. Er wird in Apostel 8, Vers 32 geschildert: „Er hatte gerade folgenden Abschnitt gelesen. Er wurde wie ein Schaf zum Schlachten weggeführt und wie ein Lamm, das beim Scheren stumm ist, kam kein Klagelaut aus seinem Mund. In seiner Erniedrigung wurde das Strafgericht über ihm aufgehoben. Wer wird seine Nachkommen zählen können, denn sein Leben wurde von der Erde weg emporgehoben.“

Und nun trifft der Finanzminister auf Philippus und bittet ihm zu erklären, von wem und von was diese Verse sprechen. Und jetzt könnte man sagen, welch eine Steilvorlage für Philippus, um jetzt ausgehend von diesem Jesaja-Text über das Kreuz zu sprechen. Da wird ein Lamm geschlachtet, geopfert. Jetzt könnte doch Philippus ausholen und vom Kreuz sprechen. Aber Philippus macht es mit keinem Wort. In diesem Kapitel wird das Kreuz bzw. die Kreuzigung oder das Holz mit keinem Wort erwähnt. Es war Philippus also gerade nicht naheliegend von Jesaja 53 aus auf das Kreuz zu kommen. Stattdessen wird von Philippus die gute Botschaft, das Evangelium von Jesus gepredigt. Da begann Philippus zu reden. Er knüpfte an diesem Schriftwort an und erklärte dem Äthiopier das Evangelium von Jesus. Und was der Kämmerer, also dieser Finanzminister, dann verstanden hat und was er nun glaubt, ist, dass Jesus der Messias und der Sohn Gottes ist. Und aufgrund dieses Glaubens wird er dann von Philippus getauft.

 

Oder in Apostelgeschichte 18 spricht Paulus über seine Verkündigung in Ephesus. Und er betont dort ab Vers 20: „ihr wisst, dass ich euch nichts verschwiegen habe. Ich habe euch alles gepredigt und gelehrt, was eurer Rettung dient, öffentlich und so weiter. Juden wie Nichtjuden habe ich eindringlich aufgefordert, dass sie zu Gott umkehren und an Jesus, unseren Herrn, glauben sollen. …, ich weiß, dass keiner von euch, denen ich das Reich Gottes verkündigt habe, mich je wieder sehen wird. Denn ich habe euch nichts vorenthalten, sondern euch den Heilswillen Gottes vollständig verkündigt.“

Und obwohl Paulus hier explizit betont, alles verkündigt zu haben, was wichtig war und nichts verschwiegen zu haben, wird an keiner einzigen Stelle der Verkündigung des Paulus in der Geschichte das Kreuz erwähnt.

 

In Apostelgeschichte 24 muss sich Paulus vor dem Stadthalter Felix und seiner Frau Drusilla verantworten. Und auch hier spricht er mit keinem Wort vom Kreuz, sondern sein zentrales Thema über viele Vers hinweg ist die Auferstehung Jesu. Wiederum die Auferstehung. Felix und Drusilla sind recht angetan von der Verkündung des Paulus. Vers 24: „einige Tage später, erschien Felix mit seiner Frau Drusilla, einer Jüdin, in seinem Amtssitz und ließ Paulus zu sich kommen, weil er noch mehr über den Glauben an Jesus, den Messias, erfahren wollte. Doch als Paulus dann von Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit sprach und von dem künftigen Gericht, bekam Felix es mit der Angst zu tun.“

Auch hier wieder eine Steilvorlage, erkläre uns den Glauben. Und dann redet Paulus über Gerechtigkeit, über Enthaltsamkeit, über das Gericht, aber mit keinem Wort über das Kreuz. Und manche Kritiker würden sagen, wenn er über Gerechtigkeit redet, dann redet er doch über das Kreuz. Aber da müssen wir sagen, Augenblick mal, du trägst dein Denken in die Bibel hinein, da steht zunächst mal nur Gerechtigkeit und nicht Kreuz. Also es ist in unserem Kopf oft eine Verknüpfung, wenn man über Gerechtigkeit spricht, muss man über das Kreuz reden. Aber wenn das Kreuz eben so zentral wäre, warum kommt es denn null Mal in der Apostelgeschichte vor?

 

Und das waren jetzt nur ein paar ganz wenige Beispiele. Alle Texte findet ihr auf meinem Blog und könnt euch diese Verse selber nochmal durchlesen und wahrnehmen, von was die Apostel hier sprechen in ihrer Verkündigung.

 

Und ich fasse es nochmal ganz kurz zusammen. Es wird fünfmal die Kreuzigung oder das Holz erwähnt, nie das Wort Kreuz. Und an allen Stellen, wo das erwähnt wird, geht es immer darum, ihr Menschen habt aufgrund eurer Bosheit Christus getötet. Aber das war nicht das Ende der Geschichte, wie ihr es gedacht habt. Vielmehr hat Gott diesen Jesus auferweckt und in dieser Auferweckung hat Gott unter Beweis gestellt oder allen deutlich gemacht, dass dieser Jesus nicht einfach ein Mensch war, nicht einfach ein Rabbi war, sondern tatsächlich der Messias und der Erlöser und der Heiland der ganzen Welt. Er allein ist der Herr. Er allein ist der Richter dieser ganzen Welt.

Wir finden also in dieser gesamten Apostelgeschichte und in keiner einzigen Stelle, wo verkündigt wird, eine theologische Deutung des Kreuzes als etwas, wo zentral für unseren Glauben und unser Heil wäre und dass dort etwas heilsentscheidendes geschehen werde.

Ich will nicht sagen, dass das nicht der Fall wäre, aber es wird nirgends in der Apostelgeschichte erwähnt, sondern das heilsverändernde, das heilsentscheidende, das alles Verändernde ist die Auferstehung. Denn gekreuzigt wurden tausende damals, das war gar nichts Besonderes. Das Besondere ist, dass Gott diesen Jesus auferweckt hat. Kein anderer, der gekreuzigt wurde, wurde jemals wieder auferweckt.

 

Wenn das Wort Kreuz in der gesamten Apostelgeschichte nicht vorkommt und die Erwähnung des Todes Jesu und des gekreuzigten Werdens nur von historischer Bedeutung ist, warum haben wir denn dann in evangelikalen und konservativen Kreisen den ganz starken Eindruck, dass Kreuz sei die absolute Mitte der Verkündigung?

In meinem Theologiestudium habe ich im Homiletikunterricht, also im Predigtunterricht, noch beigebracht bekommen, dass es keine Predigt geben darf, in der nicht das Kreuz in der Mitte ist und in der das Kreuz erklärt wird. Wir mussten in jeder Predigt, egal um welches Thema es ging, das Kreuz erklären. Sonst war es keine akzeptable Predigt. Das steht ja jetzt im krassen Gegensatz zu all den Predigten in der Apostelgeschichte, wo das Kreuz gar nicht vorkommt oder wenn dann eben nur historisch vorkommt, aber nicht theologisch gedeutet wird.

 

Woher könnte es denn kommen, dass wir diesen Eindruck haben, es muss in der Mitte sein, im Zentrum sein? Ich glaube, dass dieser Gedanke weniger mit dem biblischen Vorbild zu tun hat, sondern mit einer gewissen Gewohnheit. Ich glaube, dass ganz viele evangelikale Christen geprägt sind von dem Bild oder der Botschaft der vier geistlichen Gesetze. Und da ist das zentrale theologische Element, dass da eine tiefe Schlucht, ein tiefer Graben ist zwischen Gott und den Menschen. Und die einzige Chance, wie diese Kluft zwischen Gott und Menschen überwunden werden kann, ist durch das Kreuz. Und dann ist dieses Kreuz in die Mitte gemalt und durch dieses Kreuz kommt wieder Verbindung zwischen Gott und den Menschen zustande. Und das ist für viele Christen die zentrale evangelistische Botschaft. Genau dieses Bild muss man formulieren, muss man zum Ausdruck bringen, muss man theologisch ausformulieren, damit Menschen das Zentrum des Evangeliums verstehen.

 

Und ich sage noch einmal, es ist nur komisch, dass das nirgends in der Apostelgeschichte so gemacht wurde. Die Apostel haben vielmehr davon gesprochen, dass dieser Jesus tatsächlich der Messias, der Retter der Welt ist. Und sie haben vom Reich Gottes gesprochen, sie haben davon gesprochen, was dieser Jesus mit unserer Welt machen möchte, wie es aussieht, wenn Gott herrscht, wenn seine gute Herrschaft beginnt.

Und wir haben dann vielmehr die Christus-Victor-Analogie in den Verkündigungen der Apostelgeschichte. Das werdet ihr merken, wenn ihr das nachliest, dass es immer wieder heißt, dass dieser Jesus vom Licht, von der Finsternis ins Licht führt, von der Gewalt des Teufels unter die Herrschaft Gottes.

Besonders eindrücklich wird es in Apostelschichte 26 geschildert. Dort rechtfertigt sich Paulus vor dem Stadthalter Festus, dem Nachfolger von Felix. Und erzählt dann vor Festus – und König Agrippa war auch dabei-, wie er berufen wurde und was Christus damals zu Paulus gesagt hat, als er die Erscheinung von Jesus hatte. Da heißt es in Vers 18: „Da sagte Jesus zu Paulus, öffne ihnen die Augen, damit sie umkehren und sich von der Finsternis zum Licht wenden und von der Macht Satans zu Gott. Dann werden ihnen ihre Sünden vergeben und sie werden zusammen mit allen anderen, die durch den Glauben an mich zu Gottes heiligem Volk gehören, ein ewiges Erbe erhalten.“

Und in Apostelgeschichte 10, als Petrus bei Cornelius ist, fasst Petrus das gesamte Wirken Jesu zusammen und sagt: „Jesus ist umhergegangen und hat alle von der Macht des Teufels befreit.“

Also im Denken der Apostel war vielmehr die Idee dieser konkurrierenden Reiche, das Reich Gottes und die Finsternis, die Macht des Teufels und die Macht Gottes. Und Jesus wurde erwiesen als der Sohn Gottes, dem alle Gewalt, alle Macht gegeben wurde im Himmel und auf Erden. Kehrt um und folgt diesem Mann nach, denn er ist von Gott bewiesen, erwiesen, bestätigt als der, der alle Macht hat. Werde Teil seines Reiches. Kehrt um und werde Teil seines Königreiches. Und ich möchte einfach nur darauf hinweisen, dass in der Apostelgeschichte, also unser Vorbild für alle Verkündigung, wo berichtet wird, wie das die ersten Christen – inspiriert durch den Heiligen Geist nach Pfingsten – gemacht haben, dass in dieser Verkündigung das Kreuz nicht einmal vorkommt. sondern dass die Betonung auf der Auferstehung liegt.

 

Und damit will ich überhaupt nicht sagen, wir lassen das Kreuz zur Seite. Es ist nicht mehr wichtig, ich habe gerade am Anfang gesagt in meiner Podcastreihe über das Kreuz, dass ich es für unglaublich wichtig halte, für den wichtigsten Erweis der Liebe Gottes, den wir haben. Aber es ist einfach falsch zu sagen, wenn man das Kreuz nicht in gleicher Weise betont, wie das in evangelikalen Kreisen geschieht, dann wäre das unbiblisch.

Biblisch ist, dass in der Apostelschichte das Kreuz nicht einmal vorkommt. Das ist biblisch. Wenn ihr schon biblisch sein wollt, dann guckt euch einfach die Bibel an, die Apostelschichte, den Ort der Verkündigung. Und dort kommt das Kreuz nicht vor. Es scheint nicht so bedeutsam gewesen zu sein, dass es aus jeder Predigt in der Apostelschichte herausscheint und herausstrahlt. Was herausscheint, ist die Auferstehung. Die ist der Dreh- und Angelpunkt der Verkündigung der ersten Christen.

Und ich höre jetzt schon wieder meine Kritiker sagen, Martin Benz relativiert das Kreuz. Für Martin Benz ist das Kreuz nicht zentral. Denen muss ich sagen, hört euch bitte nochmal diese acht Folgen meines Movecasts an. Und auch hier möchte ich betonen, für mich ist das Kreuz tatsächlich wichtig und zentral. Ich wollte nur zeigen. dass die Stellung des Kreuzes, die Deutung, die theologische Deutung des Kreuzes in der Apostelgeschichte einfach Fehlanzeige ist.

Und auch diese Tatsache müssen wir integrieren in unsere Dogmatik, in unseren Glauben und in unsere Verkündigung.

 

Und das war Movecast für heute. Danke, dass ihr dabei wart. Die ganzen Bibelstellen, die ganzen Texte, über die ich heute gesprochen habe, die findet ihr in meinem Blog auf movecast.de. Da gibt es einen Blogartikel mit dem Titel „Wie zentral ist das Kreuz?“ und dort könnt ihr das alles auch noch mal nachlesen und für euch nachforschen.

Da möchte ich euch ermutigen, forscht in der Schrift, ob es sich so verhält. Glaubt mir nicht einfach, sondern lest selber eure Bibel und steigt da ein und findet es für euch selbst heraus.

 

Ansonsten wünsche ich euch alles Gute. Ich freue mich, wenn ihr Movecast unterstützt, wenn ihr da einen Beitrag leistet, dass diese Arbeit weiter bestehen kann. Jetzt vor allem, nachdem ich mich ab August selbstständig mache, bin ich sehr dankbar für alle, die diese Arbeit auch finanziell unterstützen. Alle Angaben dazu findet ihr auf meiner Webseite. Okay, macht’s gut. Bye bye.