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MC 177: Homosexualität – Im Zweifel für den Angeklagten

In dieser Episode beschäftige ich mich ein weiteres Mal mit dem Thema Homosexualität. Die große Frage ist, ob die einschlägigen Stellen in der Bibel, die sich gegen Homosexualität aussprechen, wirklich das im Sinn haben, was wir heute unter liebevoller, treuer und verantwortungsvoller Homosexualität verstehen. Wenn daran Zweifel besteht, wäre es dann nicht gerade im Sinne von uns Christen, im Zweifel für den „Angeklagten“ zu entscheiden?

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Transkript:

Ich möchte mit diesem Podcast einfach ein paar neue Argumente zum Thema Homosexualität beziehungsweise gleichgeschlechtlicher Sexualität in die Runde werfen. Und vielleicht sind für euch diese Argumente überhaupt nicht neu. Für mich sind sie neu, für mich sind es Überlegungen und Gedanken, die mir helfen, einen weiteren Aspekt in die ganze Diskussion einzubringen, Aspekte, die ich so bisher nicht bedacht habe oder eine Pointe, die ich so noch nicht gedacht hatte.
Und ich rede in diesem Podcast jetzt einfach mal so, als würde ich mich ganz neu an dieses Thema heranmachen. Es gibt von mir ja bereits mehrere Podcasts zum Thema Neuordnung und Movecast 42 beschäftigt sich dann ganz ausführlich mit dem Thema Homosexualität und jetzt mache ich mich noch mal ran und versuche noch mal anders über dieses Thema nachzudenken. Also mach doch für einen Moment diese Gedankenreise einfach mal mit. In er Bibel gibt es einige Texte, die sich ganz negativ und Verurteilend über gleichgeschlechtliche Sexualität äußern? Je nachdem, wie man zählt, sind das ungefähr 6 Texte, und das sind antike Texte, das sind Texte in einem Buch, das 3000 oder 2000 Jahre alt ist. Die Texte im AT sind gut 3000 Jahre alt und die Texte im Neuen Testament sind 2000 Jahre alt. Wenn man sich diese Texte anschaut, dann haben die einen Kontext innerhalb der Bibel. Aber sie haben natürlich auch einen historischen, einen antiken Kontext.

Gleichgeschlechtliche Sexualität hatte in der Antike ganz viel mit Macht zu tun, wir kennen die Stelle aus Sodom und Gomorrha, in erstem Mose, dort wird deutlich: gleichgeschlechtliche Sexualität wurde ausgeübt von heterosexuellen Männern aus dieser Stadt Sodom, die waren ja heterosexuell, es waren ja nicht alle Bewohner dieser Stadt homosexuell.
Und die haben sich an Männer heran gemacht. Durch diesen Akt der gleichgeschlechtlichen Sexualität wurden diese Männer, die da in der Stadt waren als Gäste gedemütigt, es wurde Macht über sie ausgeübt, man hat sich über sie hergemacht, sie wurden benutzt und gedemütigt. Was hier beschrieben wird ist sexuelle Machtausübung von heterosexuellen Männern an anderen Männern.
Und tatsächlich finden wir so ein Verhalten auch heute noch vor. Ich denke, es gibt tatsächlich Strukturen, vor allem in Männergefängnissen, wo heterosexuelle Männer, die genügend Bilder von nackten Frauen in ihren Zellen hängen haben, sich über andere Männer hermachen, zum einen, um die Hackordnung deutlich zu machen, wer hier der Chef ist. Und da werden Männer durch sexuale Handlungen an ihnen gedemütigt, in die richtige Position gebracht, in die richtige Hackordnung gebracht, es wird ihnen deutlich gemacht, wer sie hier sind und was sie hier zu erdulden haben, wenn sie nicht spuren. Und gleichzeitig hat man den Vorteil als Mann, dass man immerhin einen Orgasmus erleben kann. Und diese Art von dominierender, gewalttätiger Sexualität, die finden wir zum Beispiel auch in Sodom vor.

 

Ansonsten hatte gleichgeschlechtliche Sexualität ganz viel mit Tempelprostitution zu tun.
Mit rituellen Akten, eben mit Prostitution. Im Neuen Testament wird von Lustknaben geredet, also auch da gibt es ein Gefälle, da werden andere Männer benutzt, rein für meine Lust oder für ein religiöses Ritual. Ich denke, da gibt es genug Beschreibungen von Historikern, die sich mit dem eingängig beschäftigt haben, welche Formen von gleichgeschlechtlicher Sexualität es in der Antike gab.
Ich glaube, man kann sich ein relativ klares Bild davon machen, wie gleichgeschlechtliche Sexualität in der Antike ausgesehen hat, in welchen Kontexten sie praktiziert wurden, was ihre Intention war. Und ich möchte mal behaupten, der ganz normale Bibellaser, der hat nicht direkt Zugang zu diesen Quellen, der liest die Bibelstellen einfach. Aber wer von uns hat schon die Forschung betrieben aus anderen römischen, griechischen, antiken Texten herauszufinden und herauszufiltern, wie gleichgeschlechtliche Sexualität praktiziert wurde?
Dann muss ich mich ein Stück weit auch verlassen auf die historische Forschung.

Die große Frage ist nun, ob vieles an dem, was wir heute als Homosexualität bezeichnen, wirklich das ist, von was die biblischen Texte reden. Haben diese biblischen Texte tatsächlich eine Beziehung zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen vor Augen, die diese Beziehung weit über die Sexualität hinaus leben in einer Form von Treue, von gegenseitiger Hingabe, von gegenseitigem Füreinander, mit einem ganz tiefen Gefühl von Liebe und Zuneigung und Zugehörigkeit. Also reden die biblischen Texte wirklich von einer Homosexualität, die heutzutage in ihrer Erscheinungsform in ganz vielen Fällen angelegt ist wie eine heterosexuelle Beziehung, wie eine normale Partnerschaft mit dem einzigen Unterschied, dass die beiden Partner gleichgeschlechtlich sind, aber die nicht dominiert sind von Machtausübung, von Gewalt, von Hierarchie, von Demütigung, sondern wo 2 gleichgeschlechtliche Menschen sich auf Augenhöhe begegnen, sich ihr Leben lang treu sein wollen, füreinander da sein wollen, sich zutiefst in ihrem Wesen lieben. Und dann kommt auch noch die Sexualität dazu. Reden die biblischen Texte wirklich von dieser Art von gleichgeschlechtlicher Liebe?

Wie man aus meinen anderen Podcasts oder aus meinem Buch weiß, glaube ich das natürlich nicht. Aber ich würde sagen, lasst uns doch wenigstens sagen, daran gibt es berechtigten Zweifel, dass diese Texte wirklich von dieser modernen Art von Homosexualität reden. Ich glaube, da gibt es echt Zweifel, dass das so ist.

Und natürlich finden wir auch heute diese dominierende, rein lustgesteuert gleichgeschlechtliche Sexualität vor, wie wir sie in der Bibel beschrieben haben.
Natürlich habe ich da auch Bilder vor Augen von einer Christopher Street Parade oder wie es vielleicht auch in manchen Filmen in den Medien überzeichnet wird, von einer eben total pervertierten Sexualität, die nur lustorientiert ist, wo es um Dominanz geht und wo in gewisser Weise Rituale vollzogen werden. Und natürlich gibt es auch heute homosexuelle Prostitution, wo Dominanz ausgeübt wird, wo ich mir die Sexualität, den Orgasmus erkaufe und wo es nichts mit Liebe und Treue und innerer Verbundenheit zu tun hat. Warum sollte es heute das nicht auch noch geben, was in der Bibel beschrieben wird, die Menschen sind doch die gleichen. Die Sündhaftigkeit oder die Perversion, zu der ein Mensch fähig ist, zu der war er vor 5000 Jahren fähig, und zu der ist ja heute noch fähig. Also das merken wir überall, die Menschen sind dieselben geblieben, wir sind heute zur gleichen Grausamkeit fähig wie vor 5000 Jahren, wir können heute noch so barbarisch sein wie vor 5000 Jahren, wir können heute noch so Unmenschen sein wie in der Antike. Das, was damals war, das gibt es bis heute.
Natürlich gibt es auch diese Form von Sexualität heute, die die Bibel beschreibt, und die sie natürlich sehr kritisch beschreibt.
Aber könnte es nicht sein, dass da etwas hinzugekommen ist, dass die Bibel eben noch nicht beschreibt, dass sie eben noch nicht diese treue, liebevolle Homosexualität im Blick hat, die wir heute eben ganz stark vorfinden. Könnte es nicht sein, dass sich hier etwas verändert hat und weiterentwickelt hat und dass wir heute eine andere Form von gleichgeschlechtlicher Sexualität vorfinden, nämlich gleichgeschlechtliche Liebe, die wir so eben im AT nicht vorfinden?
Denn das Gleiche gilt ja auch für die Heterosexualität. Ich glaube, wir finden bei der Heterosexualität heute auch etwas vor, dass wir so in der Bibel nicht kennen und nicht finden oder eher die Ausnahme ist. Denn Heterosexualität hat in der Bibel eben auch ganz viel mit Hierarchie zu tun, mit bestimmten Rollen, auch mit Macht zu tun und wenig mit romantischer Liebe zu tun.
In der Bibel war Sexualität ganz eng an die Geschlechtsreife geknüpft, da wurde ein Mädchen eben verheiratet, sobald sie geschlechtsreif war, das ist doch heute nicht mehr so, heute wird doch ein Mädchen nicht mehr mit 13 Jahren verheiratet. Da hat sich doch was weiterentwickelt in unseren Umgang mit Sexualität und wir sind alle froh darum, dass unsere 13-jährigen Töchter nicht verheiratet werden, sondern dass sie sich heute mit 18 oder 20 oder 30 selbst ihren Mann aussuchen können. Aber diese Realität hat doch die Bibel noch gar nicht im Blick. Damals wurde ein Mädchen verheiratet von ihrem Vater oder von den Eltern oder von der Sippe. Da standen ökonomische Interessen im Vordergrund, da wurde geheiratet, damit der Hof erhalten bleibt, damit die Familie fortbesteht, damit es Nachkommen gibt, damit der Name erhalten bleibt. Familiäre Interessen, wirtschaftliche Interessen oder Standesinteressen waren viel, viel mehr im Vordergrund als die Frage der Liebe, des Verliebtseins, der romantischen Liebe und der eigenen Wahl.
Aber solch eine Heterosexualität, die finden wir heute doch gar nicht mehr an. Und da, wo sie uns begegnet, irgendwo in rückständigen Staaten, wo Mädchen immer noch verheiratet werden oder geraubt werden oder so irgendwas, da schreien wir ja auf, das darf ja gar nicht sein. Ich vermute mal, dass alle meine Zuhörer, die verheiratet sind, sich ihren Ehepartner aus romantischen Gründen ausgesucht haben, weil sie sich in jemanden verliebt haben, tiefe Liebe empfunden haben, tiefe Zuneigung, eine innere Verbundenheit. Und das war der Grund, dass man den Menschen geheiratet hat und nicht, weil es der Vater angeordnet hat oder weil es der Sippe und der Familie gedient hat oder den wirtschaftlichen Verhältnissen eurer Familie. Da regt sich doch heute keiner darüber auf und sagt: ist ja auch alles ziemlich unbiblisch warum ihr da verheiratet seid. Da ist etwas Neues hinzugekommen: der Aspekt der romantischen Liebe, den wir so in der Bibel nur wenig vorfinden und der nur wenig praktiziert wurde.

Und auch wenn wir ein Buch Hohelied haben, das ich sehr schätze, das von dieser romantischen Liebe spricht, hat das Buch Hohelied nicht die Heiratspraxis des Alten Testaments bestimmt. Und so wie sich Heterosexualität weiterentwickelt hat und heute aus ganz anderen Motiven geheiratet wird wie früher und wir Ehe ganz anders verstehen, wie in der Antike und damit sehr gut leben können und sehr happy sind, dass wir es nicht so machen müssen wie in der Antike, gibt es nicht die Chance, dass sich auch Homosexualität weiterentwickelt hat und wir heute eine Art von Homosexualität vorfinden, die eben der Bibel noch unbekannt war oder zumindest die Ausnahme war und kaum auf dem Horizont und im Blick des Alten Testaments war.
Und ich würde sagen, ja, es gibt berechtigte Zweifel daran, dass das, was wir heute unter Homosexualität verstehen, wo zwei gleichgeschlechtliche Menschen tief verbunden sind, sich lieben und sexuell nur ein Teil ihrer Liebesbeziehung ist, dass diese Liebe nicht im Blick ist in den alttestamentlichen sechs Bibelstellen, die wir da haben in der Welt des Alten Testaments oder auch in der Welt des Neuen Testaments.

 

Ich wäre so froh, wenn meine evangelikalen Geschwister wenigstens einen Moment sagen würden: Ja, da gibt es Zweifel, ich war nicht dabei, als diese Texte geschrieben wurden, ich saß nicht im Kopf des Autors der Mose Bücher oder ich war nicht im Kopf von Paulus, als er diese Texte geschrieben hat. Ich kann nicht 100% sicher sein, ob sie mit ihren Texten und ihren Beschreibungen wirklich die Homosexualität meinen, die wir heute vorfinden und die ich gerade beschrieben habe. Da gibt es Zweifel, und wenn es nur ein Restzweifel ist.

Ich finde es ehrlich gesagt ziemlich arrogant, wenn Christen daherkommen und meinen sie wissen haargenau was diese Texte im Alten Testament bedeuten, was diese wenigen Sätze, die ja zum Teil wirklich nur aus Halbsätzen bestehen, genau bedeuten. Ein Mann liege nicht bei einem Mann wie bei einer Frau, dieser Satz reicht aus, und die ganze Welt der Homosexualität in einen Topf zu schmeißen. Die Geschichte von Sodom und Gomorrha reicht aus, um alles in einen Topf zu schmeißen, wo ich denke, Leute, das ist doch eine gewisse Arroganz und auch Ignoranz, wenn man so undifferenziert vorgeht- Es muss doch einem dämmern, dass man vielleicht etwas differenzierter, historischer, kulturgeschichtlicher an diese Texte herangeht, als es viele Bibelleser einfach so machen, die ein Stichwort hören und sofort triggert das in ihren Köpfen eine ganze Welt an Urteilen und Verurteilungen.

Nochmals, wir halten fest, es gibt berechtigten Zweifel an der Bedeutung dieser Textstellen.

Und jetzt bin ich am eigentlichen Punkt: es gibt ein Prinzip in der weltlichen Gerichtsbarkeit, das ich ungeheuer kostbar finde, und das heißt im Zweifel für den Angeklagten. Man hat also wahrgenommen, dass die Freiheit eines Menschen, die Unversehrtheit eines Menschen, die Würde eines Menschen von so hohem Wert ist, dass man das nicht leichtfertig beschädigen oder einschränken oder wegnehmen darf. Und deswegen sagt man sich, weil die Freiheit eines Menschen und die Würde eines Menschen so kostbar sind, gilt die Regel: im Zweifel für den Angeklagten. Wir können nicht, wenn Zweifel bestehen, einfach sagen: ach, egal, da gibt es zwar Zweifel, aber den verurteilen wir und sperren ihn ein. Da ist die Freiheit dieses Menschen viel zu kostbar.

Ich würde jetzt sagen, wenn da gewisse Zweifel bestehen, ob die Texte in der Bibel wirklich das meinen, was wir heute unter Homosexualität verstehen, wenn es da Zweifel daran gibt, dann würde ich sagen, sollten wir als Christen noch viel mehr diesen Leitsatz beherzigen und sagen: im Zweifel für den Angeklagten.
Das gebietet doch geradezu die Aufforderung, dass wir als Christen barmherzig, gütig, mitleidig, gnädig und liebevoll sein sollen. Also mit dieser Voraussetzung sollten wir die Allerersten sein, die sagen, im Zweifel für den Angeklagten, im Zweifel für den Menschen. Und das erst recht, wenn Jesus uns immer wieder auffordert, dass wir nicht richten und verurteilen sollen.
Warum überlassen wir den Job des Richtens und Verurteilens nicht Gott, so wie es immer wieder angeordnet wird? Warum nehmen wir das in die eigenen Hände, warum haben wir so stark das Bedürfnis, für Recht und Ordnung und Klarheit zu sorgen?
Gott sagt, das ist mein Job, ich sorge für Gerechtigkeit, ich bin der Richter und euer Job ist die Vergebung und die Barmherzigkeit und die Güte und die Gnade und nicht das verurteilen. Mit dem Maß, mit dem wir richten, werden wir gerichtet werden. Darum sollten wir ein vorsichtiges, zurückhaltendes, gnädiges Gericht ausüben. Da gibt es unzählige Stellen im Neuen Testament, in den Reden und Gleichnissen Jesu, die genau diese Haltung vermitteln. Darum entspricht der Satz „im Zweifel für den Angeklagten“ so sehr dieser Mentalität Jesu, die er von uns verlangt. Und jetzt wird vielleicht manch Evangelikaler sagen (falls der überhaupt meinen Podcast hört): aber es ist doch Sünde, das muss ich doch verurteilen! Ja, eben, genau jetzt sind wir am Punkt:

erstens, selbst wenn es Sünde ist, wer sagt denn, dass du es verurteilen musst, dass du das Richteramt in die Hand nehmen musst? Lass es doch bei Gott, du musst doch gar nicht verurteilen, lass doch Gott den Richter sein, denn es könnte doch sein, dass du dich täuscht und ein Maß anlegst, das dann auf dich zurückfällt.

Zum zweiten: Vielleicht gibt es berechtigte Zweifel daran, ob es überhaupt Sünde ist, was wir heute an Homosexualität vorfinden, und wenn es Zweifel gibt, warum dann nicht sagen: Im Zweifel für den Angeklagten und ich lass die Leute einfach dann mal in Ruhe und lass ihnen ihren Weg und ihre Freiheit.

Mach dir doch mal Gedanken über deinen eigenen Glauben und über den Zustand deines Herzens, dass du zu so wenig Toleranz und Großzügigkeit fähig bist und dass der Reflex immer das Richten, das Verdammen, das Verurteilen, das Abgrenzen ist. Warum finden wir in den evangelikalen Kreisen diesen Reflex so stark vor und was sagt es aus über den Zustand der Herzen in diesem Milieu?
Daß der Reflex sofort zum Verurteilen, zum Verdammen, zum Negativen geht, das sagt doch was aus über das Wesen dieser Religion und ein Stück weit auch über das Wesen der Menschen. Ich möchte, dass man von mir sagen kann, mein Reflex ist die Barmherzigkeit, die Toleranz, die Großzügigkeit, die Milde, das Verständnis. Also ich fühl mich dem Evangelium, der guten Botschaft und dem Wesen Jesu viel näher und viel verbundener, wenn das eher mein Reflex ist.
Also wenn es Christen nicht gelingt, mit dem Thema Homosexualität Freundschaft zu schließen oder das zu befürworten, es willkommen zu heißen oder Menschen vorbehaltslos zu akzeptieren, die homosexuell empfinden, dann sollte dieser Podcast wenigstens dazu dienen, dass man sich sagt: okay, ich bin zwar kein Freund davon und ich finde es vielleicht nach wie vor eklig, mir das überhaupt vorzustellen, aber ich kann mir nicht ganz sicher sein, wie diese Texte in der Bibel schlussendlich gedeutet werden müssen und was sie meinen. Und darum entscheide ich mich im Zweifel für den Angeklagten. Ich entscheide mich gegen die Verurteilung, gegen das Gericht, sondern im Zweifel für den Angeklagten. Das wäre jetzt für mich eine angemessene, würdige, barmherzige Haltung, die uns als Christen gut anstehen würde.