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MC 178 mit Siegfried Zimmer: Maria aus Magdala am leeren Grab

In den kommenden Monaten erscheinen auf Movecast einige exklusive Vorträge von Siggi Zimmer, die bisher noch nicht veröffentlicht sind. Den Anfang macht eine Predigt über Johannes 20, in der Maria aus Magdala Jesus vor dem leeren Grab begegnet. Auch wenn Millionen von Menschen mit Jesus nichts anfangen können, so kann diese Frau ohne Jesus nichts anfangen. Eine bewegende Geschichte, die Siegfried Zimmer historisch und seelsorgerlich wunderschön aufarbeitet.

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Transskript zur Folge:

Ich habe vor, über einen Bibeltext jetzt eine Predigt zu halten.
Johannes 20, 11 – 18.
Maria aber blieb draußen vor dem Grab stehen.
Sie weinte.
Und während sie weinte, beugte sie sich vor, um ins Grab hineinzuschauen.
Da sah sie an der Stelle, wo der Leib Jesu gelegen hatte, zwei Engel in weißen Gewändern sitzen.
Den einen am Kopfende und den anderen am Fußende.
»Warum weinst du, liebe Frau?«, fragen die Engel.
Maria antwortete: »Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingebracht haben.«
Auf einmal stand Jesus hinter ihr.
Sie drehte sich nach ihm um und sah ihn, und erkannte ihn jedoch nicht.
»Warum weinst du, liebe Frau?«, fragte er sie.
»Wen suchst du?« Maria dachte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm, »Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir bitte, wo du ihn hingelegt hast, dann hole ich ihn wieder.«

»Maria«, sagte Jesus.
Da wandte sie sich um und rief »Rabbuni«, das bedeutet Meister.
Maria gebrauchte den hebräischen Ausdruck.
Jesus sagte zu ihr, »Halte mich nicht fest, ich bin noch nicht zum Vater in den Himmel zurückgekehrt.
Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen, dass ich zu ihm zurückkehre, zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.«
Da ging Maria aus Magdala zu den Jüngern zurück.
»Ich habe den Herrn gesehen«, verkündete sie und erzählte ihnen
, was er zu ihr gesagt hatte.

Ihr kennt wahrscheinlich das Sprichwort „der kann mir gestohlen bleiben“. Vielleicht habt ihr das selber schon mal benutzt oder mal gedacht. Solche Sprichwörter entstehen nicht zufällig. Dahinter steckt eine bestimmte Erfahrung. Man kann sogar sagen, Sprichwörter sind ein Ausdruck von Weisheit.
Es ist einfach die Weisheit oder die Erfahrung: Es gibt Leute, die können einem dermaßen auf den Wecker gehen, das sind solche Stinkbolzen, dass man beim besten Willen keine Lust hat, den Kontakt weiter zu pflegen.
„Der kann mir gestohlen bleiben, es würde mir nichts fehlen.“
Also dieses Sprichwort entsteht nicht zufällig.
Es gibt immer wieder solche Situationen, dass man einen Kontakt zu jemand nicht weiter fortsetzen will, sondern ihn abbrechen will. Und insofern könnte man mal ganz allgemein sagen, dieses Sprichwort bringt zum Ausdruck, dass es zwischen unter uns Menschen keinen umfassenden Frieden gibt. Sonst wäre so ein Sprichwort niemals entstanden.
Aber das Sprichwort ist sehr eigenartig, sehr speziell.
Es muss bei diesem Sprichwort um etwas Genaueres gehen, als um die allgemeine Weisheit.
Es gibt keinen umfassenden Frieden zwischen uns Menschen, und es gibt immer wieder Menschen, die einen dermaßen belasten und ärgern, dass man beim besten Willen keine Lust hat, mit denen weiter in Kontakt zu bleiben. Es muss bei diesem merkwürdigen Sprichwort um etwas Spezielleres gehen.
Und es geht auch wirklich um etwas Spezielleres.
Denn dieses Sprichwort, wie man heute weiß, entwickelt sich aus dem Neuen Testament, nämlich aus Matthäus 27.
Da könnt ihr mal nachlesen, da geht es um Folgendes, dass die führenden Leute vom Hohen Rat –  also der Hohe Rat ist das oberste Gremium in der jüdischen Selbstverwaltung, 71 Mitglieder, aber nicht alle 71 Mitglieder haben die gleiche Macht, das ist wie im Bundestag, ihr habt ja auch einen Bundestag, den kenne ich nicht so genau, aber im Bundestag in Berlin, da sind ja Hunderte von Abgeordneten, aber da sind auch viele Hinterbänkler, die spielen eigentlich gar keine große Rolle, sind nur Kärtchenheber beim Abstimmen. Aber die eigentlichen mächtigen Drahtzieher, das sind viel weniger. Und so war es im Hohen Rat auch. Die wirklichen Mächtigen im Hohen Rat, das waren fünf, sechs, sieben, acht Leute, sozusagen der geschäftsführende Ausschuss. Und dieser geschäftsführende Ausschuss vom Hohen Rat, also sagen wir mal fünf, sechs Leute, so wird erzählt in Matthäus 27 – die gehen zum Pontius Pilatus, zum römischen Statthalter, mächtiger Mann, der Befehl (hat) über Legionen von Soldaten, der war noch viel mächtiger als diese mächtigen Vertreter vom Hohen Rat, und haben ihm Folgendes gesagt: „Also Pilatus, wir haben da einen schlimmen Verdacht, wir wollen mal ganz aufpassen, dass nicht diese Anhänger von diesem Jesus, den wir da gekreuzigt haben gestern, die werden vielleicht den Leichnam stehlen und dann werden sie sagen, er ist auferstanden.
Also wir haben diesen schlimmen Verdacht, die werden vielleicht damit nicht fertig und dann klauen sie den Leichnam und dann behaupten sie, er sei auferstanden. Also wir müssen Sorge tragen, dass das gar nicht entstehen kann, dieses Gerücht. Das wäre ein verdammt blödes Gerücht, würde uns viele Schwierigkeiten bereiten. Also lass mal das Grab sehr sorgfältig bewachen.“
Und unter diesen geschäftsführenden, mächtigen Vertretern des Hohen Rats muss so die Denkweise gewesen sein: Und wenn die auch den Leichnam stehlen, der kann uns gestohlen bleiben. Da fehlt nichts, wenn der gestohlen wird. Wir müssen nur aufpassen, dass da keine blöden Gerüchte entstehen.
Aber die Leiche kann uns gestohlen bleiben. … Und aus dieser Szenerie entwickelt sich dieses Sprichwort.

Ja, es ist wirklich so, dass eigentlich Millionen Menschen – das nehme ich denen auch gar nicht übel, das meine ich gar nicht moralistisch, aber es ist halt so, es gibt immer wieder Millionen von Menschen – die denken unbewusst oder halbbewusst, „Der kann mir gestohlen bleiben.“
Also die interessieren sich nicht für Jesus, er ist ihnen nicht wichtig, warum soll der wichtig sein, der kann mir gestohlen bleiben, es fehlt mir nichts, wenn der gestohlen bleibt.

Jetzt in dieser Geschichte, da steht aber eine Frau vor diesem Grab und weint.
Gerade eben in den Versen vorher wird geschildert, dass Johannes und Petrus mit Maria zum Grab gehen, und die beiden Männer gehen rein.
Maria geht gar nicht rein, und die Männer kommen wieder raus.
(Das) Grab ist leer, die wundern sich und gehen wieder heim.
Maria geht aber nicht heim, sie bleibt, und sie bleibt aus irgendeinem Grund, du weißt ihn ja auch nicht, sie bleibt einfach stehen und weint.

Millionen Menschen können mit Jesus nichts anfangen.
Diese Frau kann ohne Jesus nichts anfangen.
Diese Frau steht gegen Millionen.
Diese Frau wurde zur Zeugin dafür berufen, dass sehr viel fehlt, wenn er fehlt.
Sie hat eigentlich keinen Grund zum Warten, aber sie hat eigentlich auch keinen Grund mehr, irgendwo hinzugehen.
Sie hat keinen Ort mehr, kein Ziel.
Wo soll man jetzt hingehen, wenn er fehlt?

Jetzt wenden wir uns mal dieser Frau zu.
Sie ist eine sehr besondere Frau.
Und sie hat eine sehr besondere Geschichte.
Ich habe gestern Abend in der Gesprächsrunde auch Geschichten von euch gehört.
Und einige von euch haben eine unglaubliche Geschichte.
Ein Mann, verheirateter Mann, zwei Kinder, hat mir seine Geschichte erzählt.
Die hat mich umgehauen.
Die ist krass.
Ihre Geschichte ist auch krass.
Man nennt sie Maria aus Magdala.
In der Kirchengeschichte hat man sie da irgendwie umgedreht, komischerweise, und man hat zu ihr gesagt Maria Magdalena. – Das ist völliger Blödsinn, weil man fasst es dann so auf: So wie ich Siegfried Zimmer heiße, (so) heißt die Maria Magdalena.
Als ob das Vorname und Zuname wäre.
Nein, das ist völliger Unsinn.
Es gibt keine Nachnamen in der Antike, sondern das ist eine Stadt, Magdala, die ist nicht weit weg von Kapernaum, vielleicht zehn Kilometer weg von Kapernaum, eine Großstadt, 10.000 Einwohner, riesige Fischpökeleien, also Fischverarbeitungsindustrie, Fische vom See Genezareth wurden eingesalzen und bis nach Rom transportiert.
Also sie wird nach einer Stadt genannt.
Das heißt, sie war nicht verheiratet, sonst wird sie ja nach ihrem Mann genannt oder nach ihrem Vater oder nach ihrer Sippe.
Nein, sie wird nach einer Stadt genannt.
Das heißt auch, sie wohnt nicht mehr in dieser Stadt.
Sie ist aus dieser Heimatstadt weggezogen.
Jesus heißt ja auch Jesus aus Nazareth.
Aber er heißt nicht Jesus aus Nazareth, solange er in Nazareth wohnt.
Also in Nazareth heißt der Mann nicht Jesus aus Nazareth.
Die kommen ja alle aus Nazareth.
Also man nennt jemand nach einer Stadt erst dann, wenn er aus dieser Stadt weggezogen ist.
Also wir können entnehmen, die Frau ist weggezogen.
Das macht man auch nicht so oft.
Sie wird alleine gewesen sein, denn sie wird nicht nach einem Mann genannt.
Es heißt in den Evangelien, sie hatte sieben Dämonen.
Und Jesus hat sie von diesen Dämonen befreit.
Sie war eine Besessene.

Was sind besessene Menschen?
Gibt es heute auch viele.
Ich weiß nicht, ob ihr dazu gehört.
Wahrscheinlich eher nicht.
Besessene Menschen empfinden ihr Leben als eine Qual.
Das Leben ist eine schwere Last.
Sie sind froh, wenn sie wieder mal eine Woche hinter sich haben.
Da haben sie wieder eine Woche überlebt.
Das Leben ist ein Überlebenskampf.
Sie können ihr Leben nicht selber durch einen starken Willen steuern, sondern sie sind fremdgesteuert durch Zwänge, von Waschzwang bis (zu) schweren Depressionen.
Also sie sind Sklaven, Knechte von psychischen, destruktiven Energien, gegen die sie nicht ankommen.
Das sind besessene Menschen.
Sie sind besessen von massiven Sorgen, Albträumen, Depressionen, Ängsten, psychiatrischen Vorstellungen, die sie in der Kralle haben.
Was meint ihr, was für so eine besessene Frau das Wort Gott bedeutet hat?
Ich sage euch, nicht viel.
Was heißt (überhaupt) Gott?
Die Frau merkt ja jeden Tag, dass das Böse viel mächtiger ist als das Gute.
Dass die destruktiven Kräfte, die zerstörerischen Kräfte, die einem die Lebensfreude rauben, die Lebensenergie, dass das Leben eine Qual wird, eine Sklaverei wird.
Das war ihre alltägliche Erfahrung, bis Jesus kam.

Eines Tages kam Jesus in ihr Leben und dann merkte sie, dass es auch anders sein kann.
Da hat diese Frau zum ersten Mal im Alltag praktisch erlebt, dass das Gute stärker ist als das Böse.
Das hat sie durch diesen Mann erlebt.
Die war völlig verblüfft.
Völlig neue Horizonte,
Dass die konstruktiven Kräfte stärker sind als die destruktiven!
Und für diese Frau öffnete sich endlich eine neue gute Welt.
Eines Tages kam Jesus.

Ich möchte euch jetzt ein Lied singen.
Da ist mir vorhin die Idee gekommen, als ich den Micha da an seiner Gitarre saß.
Ich habe mal ein Lied gedichtet für Teenager.
Ich bin ja Religionslehrer.
Ich bilde Religionslehrer aus.
Und ich habe mal so für Siebtklässler, Achtklässler, Neuntklässler, habe ich mal so ein Jesuslied gedichtet.
Ich darf euch sagen, die Teenager lieben dieses Lied.
Die Erfahrung habe ich.
Und ich will euch jetzt mal einfach dieses Lied vorsingen.
Micha weiß es erst seit einer Minute.
Ich habe ihm irgendwelche Akkorde (gegeben), aber so ganz sicher bin ich auch nicht.
Ich habe das Lied jetzt schon eine Weile nicht mehr gesungen.
Also Micha, gib mal C-Dur.
Ja, super.
Und du fühlst dich da rein.
Also, Hört mal gut zu!

Eines Tages kam einer, der war ganz anders als die anderen Leute.
Diese staunten, wollten sehen, fragten sich, was das bedeute.

Eines Tages kam einer, der sprach von Gott auf neue Art und Weise,

ohne Angst und ziemlich zärtlich, das verblüffte und zog Kreise.

Eines Tages kam einer, der suchte Freunde und dazu Freundinnen.
Selbst von denen es niemand dachte, konnte er manche gewinnen.

Eines Tages kam einer, der ließ von denen da oben sich nicht verwöhnen,

wollte vielmehr alle Menschen mit seinem Gott ganz neu versöhnen.

 

Eines Tages kam einer, der ging nicht nur bevorzugt zu Gesunden,

hatte Zeit für die im Schatten, heilte ihre Angst und Wunden.

 

Eines Tages kam einer, für den speziell die Kinder am meisten taugen,

was dem Kolumbus der neue Erdteil, waren sie in seinen Augen.

 

Eines Tages kam einer, der hatte einen Zauber in seinen Worten,

eine Freiheit in seinem Handeln, pflanzte Hoffnung an vielen Orten.

 

Eines Tages kam einer, der machte dich und mich zu seinen Erben,

dafür lebte er und kämpfte, war bereit dafür zu sterben.


Jubilate, Halleluja!
Solche Inspirationen überfallen mich manchmal.
Also eines Tages kam Jesus, und für die Frau brach ein neues Leben an.
Das Gute endlich, endlich ist stärker als das Schlechte.
Aber dann, nach kurzer Zeit, war es aus.
Die haben ihn aus dem Verkehr gezogen, die Mächtigen dieser Welt! Und warum musste er auf so eine fürchterliche Weise sterben? – Für die Frau brach wieder alles zusammen. Und vielleicht habt ihr das schon mal erlebt: Es ist eine knallharte Erfahrung, mal etwas Schönes erlebt zu haben – endlich! – und dann wieder zu verlieren, das ist noch härter, als das Schöne gar nicht erlebt zu haben.

Ja, sie haben ihn aus dem Verkehr gezogen.
Ich will komme noch mal auf diese Mächtigen (zurück) aus dem Hohen Rat, die zu Pilatus sind und haben da so ein Deal mit ihm gemacht.
Und Paulus sagt in 1.Korinther 2, Vers 11, wenn die Mächtigen dieser Welt Jesus in seiner Weisheit erkannt hätten, dann hätten sie ihn nicht gekreuzigt.
Also, wer hat ihn gekreuzigt?
Die Mächtigen dieser Welt.
Wir können auch sagen, die Machthaber dieser Welt.
Oder wir können auch sagen, die Herren dieser Welt.

Wir sind natürlich alle Sünder.
Auch eine schüchterne Oma aus dem Schwarzwald, die ist auch eine Sünderin.
Aber ich sage euch, an den Sünden von der schüchternen Oma geht die Welt nicht kaputt.
Wir sind alle Sünder, aber so naiv und so harmlos dürfen wir nicht von der Sünde reden.
Die(se) Naivität können wir uns heute nicht mehr leisten.
Wir müssen schon noch einen Unterschied machen zwischen Täter und Opfer.
Täter sind Sünder und Opfer sind Sünder.
Aber es gibt die Verantwortungsträger dieser Welt, die Drahtzieher, die Skrupellosen und es gibt die Skrupulösen, die Schüchternen.
Nein, an was ist Jesus gescheitert?
An der Logik der Macht.
Die Interessen der Mächtigen vertragen sich nicht mit diesem Mann.
Also haben sie ihn aus dem Verkehr gezogen.

Und jetzt steht die Frau da und weint.
Gott hat sie zur Zeugin berufen gegenüber Millionen, die mit Jesus nichts anfangen können.
Aber diese Frau kann ohne ihn nichts anfangen.
Und jetzt erhebt sich die Frage, wer hat recht?
Diese Frau oder die Millionen?
Ja, sie schaut in das Grab rein, da drinnen war sie ja nie.
Und jetzt sieht sie da zwei Engel auf der Steinbank sitzen.
Also ich muss euch kurz erklären: Die reichen Leute von Jerusalem, die haben in den Vorstadtgärten, es gibt so Gartenanlagen für die Reichen, Gärten können sich nur ganz Reiche leisten, muss man ja bewässern und so weiter.
Und in diesen Gärten haben die auch ihre Privatgräber, das sind so in Felsen gehauene Rollgräber.
Es sind runde Steine, die sind so groß wie ich, ein bisschen größer.
Das ist natürlich eine Affenarbeit, da brauchst du viele Leute, die die Steine klopfen.
Also (da ist) ein großes, massives Steinrad, und es rollt in einer Steinrille, und das kann man vor den Eingang rollen und dann ist das Grab zu.
Und eines der Ratsmitglieder, aber nicht einer vom geschäftsführenden Ausschuss, der hieß Josef von Arimathäa,  und der hat sein eigenes vornehmes Privatgrab Jesus zur Verfügung gestellt.
In diesem Grab lag er.
Und in diesen Gräbern sind Steinbänke und da legt man die Leichen drauf.
Also die Frau guckt da rein, sieht die Steinbank, und da sitzen am Kopfende und am Fußende zwei, sagen wir mal, zwei Posten.
Die römischen Posten, wo sind sie?
Die waren irgendwie weg.
Jetzt hat eine andere Macht da zwei Posten aufgestellt.
Und es ist erzähltechnisch meisterhaft erzählt, weil – wie du auf Engel reagierst … – sag mir wie du auf Engel reagierst und ich sag dir wer du bist –
Also die sieht zwei Engel – ja, wenn Menschen Engel sehen, die fürchten sich sofort.
Da fällt der Gottesschrecken auf sie.
Und der Engel muss dann immer sagen: „Fürchte dich nicht!“
Ja, aber ich sage dir, die Frau fürchtet sich null.
Das ist ihr sowieso scheißegal.
Die interessiert sich da nicht groß für Engel.
Die ist so voller Innerer (Verzweiflung), die Frau ist so verstört.
Am Ende eine kurze Zeit Schönes erlebt und jetzt – batsch! – wieder weg!
Also die interessiert sich da nicht für Engel.
Die hat auch gar keinen inneren Raum, da irgendwie zu erschrecken.
Und dann merkst du, durch diese Reaktion merkst du: Die Frau war völlig kaputt.
Es wäre ja auch eine Gelegenheit gewesen, die Engel was zu fragen.
Das macht die auch nicht.
Auf jeden Fall, die Engel fragen: „Frau“, also hier heißt es liebe Frau, das lieb steht nicht da, „Frau, warum weinst du?“
Antwortet sie gar nicht drauf.
Also du merkst, die Frau ist völlig dicht, psychisch.
Die reagiert überhaupt nicht.
Das gibt es in der Art in der ganzen Bibel nicht.
Weil die sagt dir, wenn du mal einem Engel begegnest, das vergisst du ein Leben lang nicht mehr.
Aber die Engel erreichen die Frau gar nicht.
Und auf einmal steht jemand hinter ihr.
Hat sie da was gehört?
Weiß man nicht.
Wer das ist, Aussehen, Kleidung, kein Wort.
Auf einmal, hier kann man nicht sagen „eines Tages“, aber zu einer bestimmten Minute taucht der auf.
Damit hat Maria so nicht gerechnet.
Die Regie führt jemand anders.
Da zieht jemand anders die Fäden.
Zeit und Stunde und Ort gehören ihm.
Dann ist er da und er tritt dir in den Weg.
Und sie meinte, es sei der Gärtner.
Das ist ja auch schon früh am Morgen.
Es wird gerade so ein bisschen hell.
Vorstadtgärten.
Wer kann das sein?
Das wird der Gärtner sein.
Und dann sagt sie, ja der Gärtner das Verblüffende, stellt genau die gleiche Frage wie die Engel:
„Frau, warum weinst du?“
Das müsste ihr eigentlich irgendwie auffallen.
Der Typ stellt genau die gleiche Frage wie die Engel im Grab.
Der Frau fällt aber nichts auf, die ist ja eh dicht.
Und dann der Unbekannte, der stellt noch eine zweite Frage:
„Wen suchst du?“
Da hätte ihr eigentlich jetzt auffallen können: Verdammt, verdammt, woher will denn der wissen, dass ich jemand such?
Es fällt der Frau auch nicht auf, die Frau ist völlig zu.
Und dann – sie meint es ist der Gärtner – fragt sie ihn: „Hast du ihn irgendwo hingelegt? Haben sie ihn irgendwo hingelegt? Dann sag es mir, dann will ich hingehen und ihn holen.“
Dann kann man sich auch fragen: Wie, liebe Frau, wie willst du denn das machen? Willst du eine Leiche durch den Garten transportieren? Wie stellst du dir denn das vor?
Also das ist schon ein bisschen meschugge.
Und dann will ich euch sagen, das war eine ganz raffinierte Erzähltechnik.
Wenn ihr da mal drauf kommt, das haut euch um.
Ihr müsst wissen, also sie benutzt das Mehrzahlwort „sie“.
Wohin haben sie ihn hingelegt?
Jetzt müsst ihr wissen, im Hebräischen, im jüdischen Hebräischen ist das Mehrzahlwort sie ein Auswechselwort auch.
Also kann man (es) so benutzen.
Meistens ist es natürlich ganz normal alltäglich sie, aber man kann es auch benutzen als Auswechselwort für Gott.
Ich sage euch mal zwei Beispiele aus den Evangelien:
Am Ende vom Gleichnis vom reichen Kornbauer sagt Jesus: „Du Narr, noch heute Nacht werden sie deine Seele von dir fordern.“
Ja, wer ist sie?
Ja, natürlich Gott.
Ist einfach ein jüdisches Auswechselwort für Gott.
Oder beim Gleichnis vom ungerechten Haushalter heißt es „Mache dir Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn du stirbst, sie dich aufnehmen in die ewigen Hütten“
Wer ist sie? –  Gott.
Und die Frau fragt diesen Gärtner, wohin haben sie ihn gelegt?
Auf jeden Fall, jetzt sagt der Gärtner ein einziges Wort: „Maria!“

Überleg mal, was ist jetzt in der Frau vorgegangen?
Der Unbekannte sagt nur ein Wort, ihren Namen.
Und er muss ihn halt auf eine vertraute Weise, so wie er immer mit ihr geredet hat, (gesagt haben), vielleicht hat er da so einen besonderen Drall gehabt, in Sekundenschnelle fallen ihr die Schuppen von den Augen.
Und sie sagt auch nur ein Wort, „Rabbuni“, das heißt „mein Lehrer“.
„Rabbi“ heißt „Lehrer“, und  „Rabbuni“ heißt „mein Lehrer“.
Wenn es zum Treffen kommt, wirst du wortkarg, wenn es ganz entscheidend wird.
Da laberst du nicht rum.
Da kriegst du grad noch ein Wort raus.
Aber hier wird ausgedrückt, die Entscheidung fällt ganz im Existenziellen, im Persönlichen.
Der Auferstandene kommt persönlich.
Er ist auf der Reise in himmlische Gefilde.
Er könnte sagen, ich habe jetzt viel Wichtigeres zu tun, ich habe ganz neue Horizonte.
Das Frühere interessiert mich gar nicht mehr.
Aber der Auferstandene hat nichts Wichtigeres zu tun, als sich bei dieser Frau zu melden.
Das ist ihm nach wie vor entscheidend wichtig.
Die erste Zeugin ist eine Frau.
Daraus müsste mal die Kirche und auch die katholische Kirche und die konservativen Kirchen müssten mal endlich Folgen ziehen.
Dass der Auferstandene (sich zuerst bei einer Frau meldet), ich sage euch, das war Absicht, das war kein Zufall, das ist Absicht.
Ich kenne ja nicht die Psyche des Auferstandenen, die ist ja irgendwie ganz anders.
Aber auf jeden Fall, der meldet sich bei dieser Frau.

Also, im Glauben, im christlichen Glauben, da erfasst der Glaube ja die ganze Person.
Der Glaube erfasst Gefühl, Wille und Verstand.
Wenn ich die Studierenden frage, was ist für den Glauben am wichtigsten – Gefühl, Wille oder Verstand?
Oder ist alles gleich wichtig?

Da sagt die Mehrzahl der Studierenden an der PH Ludwigsburg: der Wille.
Aber ich sage dir, wenn die Frau hört „Maria“, was meint ihr, welche Gefühle diese Frau durchzuckt haben?
Nein, entscheidend sind die Gefühle, die fassungslose Überraschung, die fassungslose Freude, der Siegesjubel.
RABBUNI.
Sie sagt auch nicht Messias, Erlöser, Retter.
Sie sagt einen vorösterlichen Namen, RABBUNI.
So wichtig ist der irdische Jesus.
Jesus erschien nur Menschen, die ihn bereits kannten.
Er ist nie in Rom auf dem Forum Romanum erschienen und hat gesagt: „Leute, guckt mal, bin auferstanden!“
Er hätte ja auch in Jerusalem auf dem Tempelplatz oder bei der nächsten Plansitzung vom Hohen Rat erscheinen können, sagt: „Liebe Ratsmitglieder.
Ich bin auferstanden.“
Nein, das ist merkwürdig.
Wenn dir Jesus nichts bedeutet, kannst du auch nicht an seine Auferstehung glauben.
Jetzt sagt begegnet er dieser Frau, und jetzt kriegt sie einen Auftrag.
In dieser Begegnung schlummert der Auftrag.
Dieser Ruf wird zur Berufung.
Jetzt sagt der Auferstandene, hier hat es geheißen: „Halt mich nicht fest“ oder so.
Oder es heißt, „Berühre mich nicht, fass mich nicht an“ – ist alles Unsinn.
(Durch) genaue wissenschaftliche Erforschung dieser Redewendung weiß man aber erst seit 15 Jahren, das heißt „Halte mich nicht auf.“
Und das ist ein Reiseterminus, (ein Begriff) für Reisende.
Die wollen damit ausdrücken „Habe hier nur einen kurzen Zwischenstopp eingelegt“.
Das ist gemeint.
Also: „Maria, es wird nicht mehr so wie früher, es wird neu, es wird anders.
Und es war nur ein kurzer Zwischenstopp.
Weißt du, ich bin auf einer Reise.“
Und dann sagt er:  „Sage den Brüdern…“
Ich sage euch – ich bin gleich am Ende–  aber das muss ich jetzt kurz noch sagen: Jesus hat niemals seine Jünger Brüder genannt.
Nie!
Niemals!
Aber der Auferstandene sagt jetzt zum ersten Mal  „Sag es meinen Brüdern…“
Jetzt wo (er) ein Auferstandener ist, jetzt nennt er sie Brüder.
Diese Penner!
Nämlich beim Abendmahl sagt Jesus: „Einer von euch wird mich verraten.“
Lest mal bei Markus.
Und einer nach dem anderen kam zu Jesus und fragte: „Doch nicht etwa ich?“
Die waren alle am Kippen.
Die hatten alle schon einen Plan B, wenn der dann gekreuzigt wird, was mach dann eigentlich ich?
Die waren alle kurz davor.
Und dann in Gethsemane, Jesus kämpft im Gebet, und er sagt: „Wacht mit mir und betet.“
Die Schnarcher da!
Da sagt Jesus: „Könnt ihr nicht mal eine Stunde mit mir beten?“, jetzt wo es drauf ankommt?
Die Jünger haben natürlich gemerkt, dass es jetzt drauf ankommt.
Hast du schon mal erlebt?
Und dann wirst du bleiern müde!
Ja, diese Penner!
Und dann bei der Verhaftung hauen sie alle ab, und Petrus verleugnet noch dreimal.
Also der Auferstandene aber sagt nicht, geh zu diesen Pennern, zu diesen Feiglingen.
Nein, der Auferstandene liebt seine Jünger und Jüngerinnen.
Und „Ich gehe zu meinem Vater und eurem Vater“.
Das ist auch interessant.
Wisst ihr, Gott ist erstmal der Vater Jesu.
Und den nennen wir seitdem den Vater Jesu Christi.
Das ist seine Hoheit.
Er hat ihn uns erschlossen.
Aber wir haben Anteil dran.
„Ich gehe jetzt, ich bin auf der Reise zu meinem Vater und zu eurem Vater.“
Gut, ihr Lieben, diese Geschichte gewinnt mich für diesen Mann.
Er kommt als erstes zu dieser Frau, besessen von sieben Dämonen.
Er hat sie zum Blühen gebracht, dann ist er wieder abgestürzt.
Und der Auferstandene hat gesagt, ich muss zu ihr hin.
Und zu ihr sagt er: „Sag es meinen Brüdern“ –  diese Frau ist die Apostelin der Apostel!
Sie ist die Zeugin gegen die Millionen.
Millionen kann er gestohlen bleiben.
Millionen können mit ihm nichts anfangen.
Aber diese Frau ist eine Zeugin (dafür), dass man ohne ihn (nichts anfangen kann), dass das Entscheidende fehlt.

Machets gut!

Und das war movecast für heute; ich hoffe, es hat euch viel Vergnügen bereitet, Siggi zuzuhören. Wenn ihr movecast schätzt, wenn ihr diese Episode oder andere Episoden gut findet, dann würde ich mich freuen, wenn ihr mir ein Feedback zukommen lasst oder einen Hinweis auf den sozialen Medien macht, dass movecast euch gefällt, Daumen hoch, oder das auf Facebook oder Instagram usw. verbreitet. Ansonsten eine kleine Vorankündigung: Am 3. Juni erscheint mein neues Buch „Wenn der Glaube keine Kraft hat – ein Aufbauhelfer“. Das Buch ist bereits im Druck bzw. in den letzten Vorbereitungen für den Druck und wird Anfang Juni erscheinen in der 1. Auflage, und ab Mai kann man das Buch bereits vorbestellen – ich halte euch diesbezüglich auf dem Laufenden. In dem Buch geht es um die Mischung aus progressivem Glauben und geisterfülltem Leben, und einige ganz zentrale Themen werden in diesem Buch aufgegriffen mit der Idee, dass unser Glaube wieder Kraft, wieder Dynamik, wieder Energie bekommt und er sich wieder aufbaut nach einer vielleicht längeren Phase der Dekonstruktion oder auch der Frustration mit dem Glauben. Also, mehr davon dann im Mai zu diesem Buch.

 

Macht’s gut, be blessed, bye-bye.

 

 

 


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