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MC 183: Der unfreundliche Jesus – warum will er einer heidnischen Frau nicht helfen?

In der Geschichte der syrophönizischen Frau, die Heilung für ihre Tochter erbittet, reagiert Jesus zunächst abweisend. Ich versuche aufzuzeigen, was hinter seiner Reaktion steckt und warum diese Geschichte am Ende eine geniale und wegweisende Geschichte der Barmherzigkeit ist.

Bibelstellen:

Markus 7,24-30

Matthäus 15,21-28

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Transskript:

h möchte hier und da immer wieder mal einen Podcast machen zu einer ganz konkreten Bibelstelle, die eben so ein bisschen was Unverständliches an sich hat. Oder eben wo wir den Eindruck haben, da reagiert Jesus unfreundlich und nicht so, wie wir es vielleicht erwarten würden. Können wir irgendwie Licht auf diese Stellen werfen? Und da gibt es eine Geschichte, die wird zweimal im neuen Testament erzählt. Einmal im Matthäusevangelium und einmal im Markusevangelium. Und das ist die Heilung der Tochter von der syrophönizischen Frau. Und ich lese euch beide Texte mal vor, denn sie unterscheiden sich ein wenig. Und dann gucken wir uns an, wie wir darin Jesus verstehen müssen.

Zunächst einmal der Text aus dem Markusevangelium. Dort steht er in Kapitel 7,24-30:

Mar 7:24  Jesus brach von dort auf und ging in die Gegend von Tyrus . Weil er nicht wollte, dass jemand von seiner Anwesenheit erfuhr, zog er sich in ein Haus zurück. Doch es ließ sich nicht verbergen, dass er da war. Mar 7:25  Schon hatte eine Frau von ihm gehört, deren kleine Tochter von einem bösen Geist besessen war. Sie kam und warf sich Jesus zu Füßen. Mar 7:26  Die Frau war eine Griechin und stammte aus dieser Gegend, dem syrischen Phönizien . Sie bat ihn, den Dämon aus ihrer Tochter auszutreiben. Mar 7:27  Aber Jesus wehrte ab: „Zuerst müssen die Kinder satt werden. Es ist nicht recht, ihnen das Brot wegzunehmen und es den Haushunden hinzuwerfen.“ Mar 7:28  „Das ist wahr, Herr“, erwiderte sie, „aber die Hündchen unter dem Tisch fressen doch auch die Brotkrumen, die die Kinder fallen lassen.“ Mar 7:29  „Richtig“, sagte Jesus zu ihr. „Und wegen dieser Antwort kannst du getrost nach Hause gehen. Der Dämon hat deine Tochter verlassen.“ Mar 7:30  Als die Frau nach Hause kam, lag das Mädchen ruhig im Bett und der Dämon war fort. (NEÜ)

So weit die Geschichte aus Markus. In Matthäus steht es in Kapitel 15, Verse 21 bis 28. Auch das lese ich jetzt mal vor:
Mat 15:21  Jesus brach von dort auf und zog sich in die Gegend von Tyrus und Sidon zurück. Mat 15:22  Da kam eine kanaanäische Frau aus dem Gebiet und rief: „Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Meine Tochter wird von einem bösen Geist furchtbar gequält.“ Mat 15:23  Aber Jesus gab ihr keine Antwort. Schließlich drängten ihn seine Jünger: „Fertige sie doch ab, denn sie schreit dauernd hinter uns her!“ Mat 15:24  Er entgegnete: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ Mat 15:25  Da kam die Frau näher und warf sich vor Jesus nieder. „Herr“, sagte sie, „hilf mir!“ Mat 15:26  Er entgegnete: „Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Haushunden vorzuwerfen.“ Mat 15:27  „Das ist wahr, Herr“, erwiderte sie, „aber die Hündchen unter dem Tisch dürfen doch die Brotkrumen fressen, die ihre Herren fallen lassen.“ Mat 15:28  Da sagte Jesus zu ihr: „Frau, dein Vertrauen ist groß! Was du willst, soll geschehen!“ Von diesem Augenblick an war ihre Tochter gesund. (NEÜ)

Bevor ich darauf eingehe, warum Jesus so reagiert, wie er reagiert hat, erst noch ein paar historische Einordnungen von diesen Textstellen. Kurz was zum Norden Israels: nördlich von Galiläa lagen die beiden Küstenstädte Tyrus und Sidon. Das waren phönizische Städte.

Die Phönizier, das ist eine ganz, ganz alte Kultur. Schon David im Alten Testament hatte es mit den Phöniziern zu tun, also mit den Tyrern und den Sidonitern. Man sagt, sie haben das Alphabet erfunden. Also eine ganz bedeutende Kulturepoche kommt von den Phöniziern her.

Und diese Städte sind also Jahrtausende alt. Und jetzt, zur Zeit der Römer, waren sie natürlich erobert von den Römern, gehörten zum römischen Reich, waren aber zwei ganz bedeutende Handelsstädte. Aber eben, es waren heidnische Städte. Da gab es vielleicht auch eine kleine jüdische Gemeinde, das mag sein, aber wenn man von den Tyrern oder den Sidonitern, von Tyrus und Sidon sprach, dann meinte man explizit Heiden damit. Die waren sprichwörtlich. Jesus konnte mal sagen: „Weh dir, Chorazin, wehe dir Bethsaida, wenn in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die unter euch geschehen sind, sie hätten längst ihre Einstellung geändert, einen Trauersack angezogen und sich Asche auf den Kopf gestreut.“ (Mt.11,21f)

Also hier steht ganz klar Tyrus und Sidon als Gegensatz zu Chorazin und Bethsaida, zwei jüdischen Städten. Und als Jesus in Nazareth von seiner eigenen Bevölkerung abgelehnt wurde, kann er sagen, hier passiert etwas ähnliches wie zurzeit von Elia und Elisa. Elia wurde zu keiner einzigen Witwe geschickt in Israel, um sie zu versorgen. Es heißt in Lukas 4: „…trotzdem wurde Elia zu keiner von ihnen geschickt, sondern zu einer Witwe in Serapta, im Gebiet von Sidon.“ (Lk.4,25f) Also auch hier will Jesus ausdrücken: ihr Juden, ihr verpasst es immer wieder, was Gott tun möchte, und am Ende erlebt ihr nicht das, was Gott für euch hat, sondern es erleben Heiden.

Diese Frau ist solch eine Heidin, die jetzt Jesus aufsucht. Jesus befindet sich in der Gegend von Tyrus und Sidon. Man weiß nicht genau, hat er die Grenze von Galiläa überschritten, ist er im Grenzgebiet, ist er noch in Galiläa? Auf alle Fälle kommt diese Frau zu ihm und erbittet eine Heilung. Sie hat den Eindruck, ihre Tochter ist von einem Dämon besessen und Jesus ist der Einzige, der sie heilen kann. Offensichtlich hat die Frau zum einen mitbekommen, dass Jesus heilende Kräfte hat und dass man von ihm wirklich übernatürliche Dinge erwarten darf. Zum anderen hat sie mitbekommen, dass einige in ihm den Messias sehen.

Der klassische Messiastitel war Sohn Davids. Und sie kommt jetzt zu Jesus und greift das auf, was sie wohl mitbekommen hat, worauf sie selber vertrauen möchte: Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit meiner Tochter. Also sie spricht ihn messianisch an, mit der Hoffnung, wenn du der Messias bist, ich vertraue darauf, dann kannst du meine Tochter heilen. Und nun erlebt diese Frau aber, dass Jesus nicht auf sie eingeht. Ja, dass er sogar ablehnend, abweisend reagiert und ihre Tochter nicht heilen möchte. Die Frau gibt jedoch nicht auf. Sie bleibt dran. Sie schreit ganz verzweifelt Jesus hinterher.

Und die Jünger, denen wird das peinlich, dass da eine Frau hinter ihnen her schreit und denken, dass man das relativ schnell beenden sollte und sagen: „…dann fertige sie doch ab, denn sie schreit dauernd hinter uns her.“  Und dieses Wort »fertige sie ab«, das kann man zweifach übersetzen. Es kann wirklich heißen »abfertigen, Mensch jetzt ist aber Schluss, hör sofort auf.« Es kann aber auch heißen „befreie sie von ihrem Anliegen“. Also heile diese Tochter damit wir sie dann los sind. Also man merkt, die Jünger sind nicht motiviert von Barmherzigkeit im Sinne von „tu doch jetzt bitte der Frau was Gutes“, sondern eher „oh, das ist ja echt peinlich, das ist unangenehm, mach, dass es schnell vorbei ist“. Also das ist eher die Motivation, die man bei den Jüngern hier spürt. Und nun ist die Frage, warum reagiert Jesus ablehnend?

Nun, das hat für mich vor allem zwei Gründe. Wir müssen uns die Situation von Jesus vorstellen. Jesus kommt gerade aus ganz herausfordernden Auseinandersetzungen mit den Pharisäern und Schriftgelehrten. Er hat ganz starke Streitgespräche mit ihnen gehabt und sie machen ihm große Vorwürfe und einige hätten am liebsten, dass er umgebracht wird, dass er verhaftet wird oder dass ihm der Garaus gemacht wird.

Also eine ganz bedrohliche Situation, aus der Jesus jetzt herausgehen möchte. Der möchte nicht, dass es jetzt hier zum Eklat, zur großen Explosion kommt. Und deswegen heißt es im Markusevangelium: „er brach von dort (also aus dieser ganz schwierigen Situation im Raum Kapernaum) auf und ging in die Gegend von Tyrus. Weil er nicht wollte, dass jemand von seiner Anwesenheit erfuhr, zog er sich in ein Haus zurück.“

Also Jesus braucht ein Stück weit Ruhe. Der ist sehr herausgefordert. Die große Gefahr besteht, dass hier etwas eskaliert. Und er zieht sich in eine Gegend zurück, wo natürlich dünner besiedelt war von Juden, wo vielleicht schon gar keine Juden mehr waren, weil es eben im Ausland lag, in heidnischem Gebiet war. Und er dachte, da habe ich jetzt erstmal meine Ruhe vor diesen ganzen Auseinandersetzungen.

Ich glaube, Jesus war geschlaucht, er war ausgelaugt. Er war bis zum letzten herausgefordert. Und auch Jesus braucht mal Ruhe. Jesus braucht mal einen Rückzugsort. Wir kennen das auch aus Johannes vier, wo er mit seinen Jüngern in Samaria ist und dann seine Jüngern losschickt, was zu essen zu organisieren. Und er sagt: ich muss hier ausruhen. Ich brauche einfach einen Moment Ruhe.

Und hier haben wir eine ganz ähnliche Situation. Jesus scheint Ruhe zu brauchen. Er möchte sich zurückziehen, er möchte sich vielleicht sammeln. Er möchte der Gefahr gerade mal aus dem Weg gehen, nicht mehr in Erscheinung treten.

Deswegen heißt es auch, er wollte keine Aufmerksamkeit erregen, dass er einfach mal einen Moment aus dem aus dem Blickfeld ist, aus dem Schussfeld ist. Und die Auseinandersetzung, die er gerade mit den Pharisäern und Schriftgelehrten hatte, die drehte sich gerade ums Thema Heilung. Weil er eben einen Menschen am Sabbat geheilt hatte, der nicht in Lebensgefahr war. Und sie sagen: du hättest ihn doch am Sabbat heilen können. Jeden Tag kann man sich heilen lassen! Bitte nicht am Sabbat. Und Jesus heilt ihn eben trotzdem am Sabbat. Und so kommt es echt zum Eklat und er nimmt sich zurück und hat wahrscheinlich jetzt gerade kein Interesse an weiteren Heilungen, weil er sich sagt: „Augenblick mal, genau wegen dem Thema bin ich jetzt so in der Bredouille und werde ich so angegangen und verfolgt. Ich muss mich jetzt ein bisschen aus dem Schussfeld nehmen, möglichst nicht auffallen, Wenigstens für eine gewisse Zeit. Und genau hier hinein kommt jetzt auch noch eine problematische Person, nämlich eine Heidin, wo es auch nochmal eine ganz andere Dimension hat. Wenn hiert jetzt auch noch Heiden kommen und er sich mit Heiden einlässt und denen den Segen Gottes bringt. Und so kommt es wohl, dass Jesus erstmal gar nicht reagiert, sondern einfach schweigt. Es heißt dann in Matthäus: „Jesus gab ihr keine Antwort.“

Jetzt könnte man erst mal fragen: ist das legitim? Darf Jesus erschöpft sein? Darf Jesus den Wunsch haben, mal keine Aufmerksamkeit zu erregen, sich mal zurückzuziehen, mal für sich sein zu dürfen. Ist das legitim? Oder muss der Gott gewordene Mensch Jesus sozusagen 24/7 zur Verfügung stehen, eigentlich gar keinen Schlaf brauchen, keinen Hunger haben dürfen, niemals erschöpft sein? Das macht ja auch gerade das Menschsein Jesu aus, dass auch er mal Angst hat. Denkt an Garten Gethsemane. Da hat Jesus so Angst, dass ihm die Schweißperlen wie Blut von der Stirn tropfen. Dieser Jesus hatte echte Emotionen. Der hatte Angst. Der kann erschöpft sein, der kann überfordert sein. Der brauche jetzt mal Ruhe. Also auch das ist bei Jesus da. Und er reagiert deswegen erstmal passiv. Er antwortet dieser Frau nicht. Er denkt: oh nein, das geht jetzt nicht.

Für mich ist das nicht wirklich ein Ausdruck von unfreundlich sein, sondern erstmal von einem echten Bedürfnis, zu dem Jesus hier auch steht: ich brauche Ruhe und ich möchte keine Aufmerksamkeit erregen! Jetzt lässt die Frau aber nicht locker und sie schreit hinterher und dann kommt sie ganz nah. Und jetzt kommt die zweite Reaktion von Jesus, nämlich er sagt: „ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“

Das ist eine ganz spannende Aussage. Jesus hat offensichtlich eine klare Mission. Zunächst einmal geht es um die Juden und um Israel. Um das Thema Heiden, Heidenmission, den Segen Abrahams zu den Heiden bringen – das wird erst später geschehen. Das kündigt Jesus schon mal im sogenannten Missionsbefehl an, geht ihn in alle Welt, vollzieht sich dann an Pfingsten und dann vor allem durch Paulus, der zu den Heiden gesendet wird.

Aber hier an dieser Stelle sagt Jesus, ich muss mich ja fokussieren. Ich kann ja nicht alles, ich kann ja mich nicht in die ganze Welt schicken lassen, sondern ich gehe jetzt einfach mal nur zum Volk Israel. Das Volk, das Gott erstmal am nächsten ist, das Volk, das mit Gott bereits in einem Bund steht. Und deswegen kann Jesus sagen, meine Mission ist, nur zu Israel zu gehen. Das ist sozusagen ein klarer Sendungsauftrag. Das ist das klare Gebot Gottes. Und als Jesus dann mal die 12 Apostel aussendet, noch zu seinen Lebzeiten, heißt in Matthäus 10,5:  »Diese Zwölf sandte Jesus mit folgendem Auftrag aus: „Meidet die Orte, wo Nichtjuden wohnen, und geht auch nicht in die Städte der Samaritaner, Sie sollten nur in jüdische Städte gehen, nur auf dem Gebiet von Galiläa und Judäa.«

Und als die Frau das nicht einsehen will, wofür ich ganz viel Verständnis habe, sie hat den Eindruck ihre Tochter, die kratzt, gleich ab, da muss was geschehen, liefert Jesus nochmal eine weitere Erklärung oder verschärft das Ganze dann noch mal oder erklärt das Ganze nochmal. Und da sagt er dann in Markus 7,7: zuerst müssen die Kinder satt werden. Es ist nicht recht, ihnen das Brot wegzunehmen und es den Haushunden vorzuwerfen.

Also Jesus macht deutlich: logisch, die Kinder, – das ist das Volk Israel und die Haushunde, die Hündchen – das sind sozusagen die Nicht-Israeliten, die Heiden. Und er sagt jetzt, zuerst geht es mal um Israel. Erst empfangen sie diesen Segen, den ich mitbringe, der mit mir anbricht, dieses neue Reich Gottes. Und erst dann kommen sozusagen die anderen dran und zwar nicht irgendwelche, sondern die sind schon ganz nah, die sind die Haushunde. Und es ist ganz wichtig, dass man den Satz versteht.

Es gibt zwei Worte für Hunde. Es gibt das ganz normale Wort Hund und damit sind die Hunde, die streunenden Hunde gemeint. Die Hunde, die durch die Straßen rennen, die niemand gehören und die vielleicht mal von jemand gefüttert werden, die sich sonst irgendwo Futter aus dem Müll oder sonst irgendwo holen. Das sind die Hunde, die sind auch nicht domestiziert.

Und dann gibt es das Verkleinerungswort Hündchen und damit meinte man wirklich Haushunde. Hunde, die zum Teil domestiziert wurden, die in einem Haushalt aufgenommen wurden, die kleinere Hunde waren und die man auch ganz bewusst gefüttert hat. Aber erst hat das Essen die Menschen satt machen müssen und dann wurden erst die Haushunde satt gemacht. Es ist also nicht das klassische Wort Hund, das von Juden dann gebraucht wurde als Synonym für Heiden, für Gottlose.

Also das gibt es, dass das Wort Hund gebraucht wird im Talmud. Immer wieder gibt es Stellen, wo Hund synonym gebraucht wird mit den Heiden, den Verlorenen, den Gottlosen. Aber Jesus gebraucht nicht das Wort Hund, sondern Hündchen. Er sagt also nicht, du bist so eine gottlose, eine ganz schlimme Sünderin, mit dir will ich nichts zu tun haben, sondern er bleibt ganz in diesem Bild drin. Da gibt es einen Haushalt und da sind erst die Kinder dran und dann sind die Haushunde dran. Ihr könnt auch sagen: erst muss dein Kind satt werden und dann kann die Katze noch was bekommen. Wenn was übrigbleibt, dann kommt noch der Hund dran. Aber das Kind ist jetzt erstmal wichtiger als das Hündchen.

Und nun passiert was ganz Spannendes. Die Frau sagt, das stimmt, das ist wahr, erwiderte sie. Aber die Hühnchen unter dem Tisch fressen doch auch die Brotkrumen, die die Kinder fallen lassen. Damit will sie sagen, vielleicht ist ein klein bisschen was übrig. Natürlich sollen erst die Israeliten drankommen, aber vielleicht darf da was vom Tisch fallen. Mir reichen schon die Brotkrumen. Ganz wenig reicht mir. Du bist der Messias, da reicht auch eine Brotkrume, um meine Tochter zu heilen.

Und damit offenbart diese Frau ungeheuren Glauben. Also eine Brotkrume des Messias reicht aus, um ihre Tochter gesund zu machen. Ich brauche gar nichts essen. Das Essen kannst du ruhig den Juden geben. Eine Brotkrume reicht mir. Und dann kann Jesus sagen: wegen dieser Antwort kannst du getrost nach Hause gehen. So sagt es Markus. Und in Matthäus wird es dann noch konkreter formuliert: „Dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen.“

Ist Jesus hier also unfreundlich? Nun nochmal zwei Dinge dazu. Ich finde es legitim, dass Jesus sich zurückziehen will und keine Aufmerksamkeit erregen will und deswegen jetzt auch nicht offen ist, diese Frau zu heilen.

Und dann geschieht etwas zweites. Ich finde geniales. Ist euch bewusst, dass Jesus formuliert, dass er einen klaren Auftrag hat? Das Gebot Gottes, der Auftrag Gottes an sein Leben ist, nur zu den verlorenen Schafen, also des Hauses Israel zu gehen, also zu den Juden. Gott hat zu ihm gesprochen, Gott hat ihm was Klares gesagt. Das gilt, das ist das Korrekte, das ist das Richtige, das ist das Gebotene. Und jetzt begegnet Jesus einer Frau, die ungeheuer mitleidserregend ist, die verzweifelt ist, die sich nicht abwimmeln lässt, deren Not so groß ist, dass ihr ganz egal ist, ob man sie abweist oder nicht. Die Not ist so groß, sie setzt sich so für ihre leidende Tochter ein. Da ist eine Mutter, die kann nicht mehr, die will nicht einen Tag länger akzeptieren, ihre Tochter so leiden zu sehen. Und wisst ihr, was jetzt passiert? Barmherzigkeit siegt über Korrektheit.

Jesus darf eigentlich nicht den Heiden dienen und er macht es trotzdem. Ich könnte sagen, er übertritt seinen eigenen Sendungsauftrag. Die Barmherzigkeit rühmt sich wieder das Gericht im Sinne von „das Richtige“. Das Richtige wäre gewesen, diese Frau nicht zu heilen. Aber wisst ihr, was das letzte Wort hat? Love wins. Die Liebe hat das letzte Wort. Man, kapieren wir gerade, was hier passiert in dieser Geschichte?

Ich schreibe das auch in meinem neuen Buch, dieses Lebensmotto: erst korrekt dann gnädig, erst gehorsam, erst die Gebote erfüllen, erst muss es für Gott richtig sein. Und dann als zweites kommt die Liebe. Wir opfern immer wieder die Liebe auf dem Altar der Korrektheit und der Gerechtigkeit.

Das Richtige, das Gerechte wäre gewesen, nur zu den Juden zu gehen und die Heiden sind jetzt einfach nicht dran. Sorry, Pech gehabt. Ihr müsst geduldig sein. Aber Jesus lässt sich von Mitleid, von Erbarmen bewegen, etwas zu tun, was er eigentlich nicht tun darf.

Und ich erlebe so oft Christen, die sagen, hier hat die Barmherzigkeit leider keine Chance. Das Erbarmen kann nicht zum Zug kommen, denn ich muss gerecht sein. Die Gerechtigkeit kommt zuerst. Und ich sage, da gibt es gar keinen Gegensatz. Gerechtigkeit drückt sich gerade in der Liebe aus. Immer wieder kann Jesus sagen: Gott will keine Opfer, er will Erbarmen, er will Barmherzigkeit. Und das ist so eine Geschichte, die genau das zeigt. Das Richtige, das Korrekte, das Gerechte wäre gewesen, nicht zu den Heiden zu gehen. Und Jesus macht es am Ende trotzdem.

Es ist also keine Geschichte der Unfreundlichkeit Jesu, sondern es zeigt sich mal wieder die große Barmherzigkeit Jesu an der Geschichte. Und eben genau deswegen kann Jakobus sagen, ich sage es noch mal in diesen Vers, Jakobus 2,13: „denn das Gericht wird erbarmungslos mit dem Verfahren, der kein Erbarmen gezeigt hat. Barmherzigkeit aber ist dem Gericht überlegen.“

Es ist also keine Geschichte der Unfreundlichkeit Jesus, sondern eine Geschichte, die seine Menschlichkeit zeigt. Auch Jesus hat Angst. Auch Jesus bringt sich in Sicherheit. Auch Jesus muss sich zurückziehen, erstens. Und zweitens ist es eine Geschichte, wie Barmherzigkeit das letzte Wort hat und dem Gericht und dem Korrekten überlegen ist. Eine wunderbare Geschichte.

Ja, und damit sind wir am Ende dieses kurzen Podcasts. So eine kleine Bibelerklärung. Ich hoffe, das hat euch inspiriert. Wenn ihr Movecast gut findet, wenn es euch inspiriert, dann gebt mir doch ein Like auf den sozialen Medien oder einen Daumen hoch auf YouTube und teilt es mit euren Freunden. Und wenn ihr noch einen Schritt weiter gehen wollt, Movecast lebt allein von Spenden. Das ist ein spendenbasiertes Projekt. Dann dürft ihr gerne auf meine Webseite gehen, Movecast.de und movecast finanziell unterstützen, entweder einmalig oder regelmäßig. Davon finanziere ich momentan mein Leben und ich bin sehr dankbar für alle, die das bereits tun oder schon mal getan haben. Herzlichen Dank dafür.

Ansonsten wünsche ich euch Gottes Segen, eine wunderbare Zeit, Gottes Frieden, Gottes Erbarmen. Bis bald. Macht’s gut. Bye.

 

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