MC 194: Kirche der Zukunft – Brauchen wir eine Erweckung?

In den kommenden Wochen möchte ich mich immer wieder in meinen Movecasts mit der Frage beschäftigen, wie Kirche der Zukunft aussehen könnte. Den Beginn macht diese Folge über Erweckung.

Brauchen wir eine Erweckung? Neben allen positiven Aspekten, die eine sogenannte Erweckung mit sich bringen kann gibt es auch problematische Seiten. Die Hoffnung auf ein besseres Morgen kann uns unser Heute rauben und in der Gegenwart lähmen. Zudem stecken hinter manchen Erweckungshoffnungen Dominanzfantasien, dass das Christentum wieder zum dominierenden Player in der Gesellschaft wird. Am Ende werden christliche Werte dann von oben herab verordnet, statt vom Geist Gottes in die Herzen gelegt.

 

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Das Transskript zur Folge:

Willkommen zu Movecast, dem Podcast, der etwas bewegen möchte. Mein Name ist Martin Benz und jetzt geht’s los.

Und heute beschäftige ich mich mit dem Thema Erweckung. Ich möchte, dass der Frage nachgehen, glaube ich noch an Erweckung?

Und da habe ich mir das vorgenommen für die nächsten 20 Minuten. Aber versuchen wir es mal.

Den Begriff Erweckung, den findet man so jetzt nicht in der Bibel. Wenn man die Konkordanz nimmt und die verschiedenen Bibelübersetzungen danach absucht, dann taucht der Begriff Erweckung nicht auf.

Aber natürlich finden wir im neuen Testament den Gedanken, dass Menschen erweckt werden, dass etwas aufwacht, dass sie wie im Schlaf waren und jetzt wird etwas wach. Oder dass ein Mensch von Gott berührt wird und plötzlich eine Gotteserkenntnis, eine Gottesbewegung hat oder auch ein Schuldbewusstsein erlebt, ein Sündenbewusstsein hat.

Also denkt an die Geschichte, wo Jesus den Zachäus besucht und dann der Zachäus sozusagen eine Erweckung erlebt und merkt, was ich gemacht habe, war völlig falsch und ich möchte meinem Besitz den Armen geben. Und wenn ich jemanden betrogen habe, dann möchte ich ihn entschädigen.

Das sind so Erweckungsmomente zweitausendein. Oder Paulus kann im Epheserbrief wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

Also dieses erleuchtet werden, plötzlich Gott erkennen, plötzlich die Notwendigkeit der Erlösung zu erkennen, plötzlich Sehnsucht nach Gott und seinem Königreich zu empfinden. Diesen Gedanken haben wir auf alle Fälle in der Bibel, in den Propheten, im Alttestament und auch im neuen Testament.

Ich persönlich habe mich eingehend mit Erweckungsgeschichte beschäftigt. Ich habe vor vielen Jahren schon ein erstes Buch geschrieben, das 1995 im Ernst Franz Verlag erschienen ist, mit dem Titel: „Wenn der Geist fällt – Das ungewöhnliche Wirken des Heiligen Geistes einst und jetzt.“

Und habe mich dort mit den verschiedenen Erweckungsmomenten oder Erweckungsgeschehnissen in der Kirchengeschichte auseinandergesetzt. Bereits in der Apostelgeschichte, aber auch dann immer wieder in der Kirchengeschichte gab es solche Aufbrüche, solche Erweckungen.

Also man muss eindeutig wahrnehmen, dass es wirklich das Phänomen gibt, dass Gott und der Menschen Aufbrüche schenkt, dass Gottes Erkenntnis entsteht, dass Menschen von ihrer Schuld überführt werden und vor allem, dass Menschen eine ungeheure Sehnsucht nach Gott, seiner Gegenwart, nach dem blühenden Leben, nach Gerechtigkeit und nach Veränderung bekommen. Eine tiefe Sehnsucht.

Und mit dieser Erweckung, mit dieser Sehnsucht geht eine Hinwendung zu Gott einher, die zu persönlichen Veränderungen führt, zu Glauben führt und sogar auf einer systemischen Ebene Veränderungen in einer Gesellschaft gibt, geschehen können. Immer wieder hat sich eine größere Gruppe von Menschen bei so einer Erweckung Gott zugewandt.

Manchmal eine ganze Sippe, vielleicht sogar ein ganzer Landstrich, ein Dorf. Und plötzlich hat sich auch etwas getan in puncto sozialer Gerechtigkeit, Menschenrechte.

Es hat sich ein liebevollerer Lebensstil durchgesetzt. Also diese Erweckung hat weitreichende Veränderungen mit sich gebracht.

Ich möchte euch aus meinem Buch ein paar Sätze vorlesen von einer Erweckung, die sich in Wales, also in Großbritannien abgespielt hat, Anfang des 20. Jahrhunderts.
Während dieser Erweckung in Wales kamen viele Menschen zum Glauben. Und man kann über diese Erweckung folgendes lesen:

„Niemals war eine Bewegung mit einer so weitgehenden Auswirkung über Wales gegangen. Ungläubige wurden bekehrt, Trinker, Diebe und Spieler wurden gerettet. Tausende begannen ein neues, ehrbares Leben. Man hörte überall, dass schwere Sünden bekannt wurden. Alte Schulden wurden bezahlt. Das Theater musste wegen Mangel an Besuchern schließen. Die Maulesel in den Kohlebergwerken wollten nicht arbeiten, weil sie nicht an eine so freundliche Behandlung gewöhnt waren. In fünf Wochen traten Menschen in die Kirche ein.“  Solche und ähnliche Phänomene haben sich in der Kirchengeschichte immer wieder ereignet.

Und wisst ihr was? Ich möchte auch heute mich darüber freuen und darauf hoffen, dass Gott in irgendwelchen Familien, in Bevölkerungsgruppen, in Dörfern oder in Landstrichen Aufbrüche schenkt. Und dass Menschen die tiefe Sehnsucht ins Herz gelegt bekommen, dass Gott ein blühendes Leben für sie hat und Menschen sich Gott ganz bewusst zuwenden. Und dass sie merken, dass in Gott ihre Hoffnung liegt, in Gott ihre Kraft liegt, dass Gott ganz viel Liebe für sie hat und dass sie verstehen, dass ihr Leben so nicht weitergehen kann, dass ihr Lebensstil vielleicht heillos und schädlich ist. Damit möchte ich auch heute rechnen. Gott kann so etwas tun. Und ich glaube, er will das noch immer tun. Gott möchte Menschen ins Heil hineinführen. Er möchte Menschen blühendes Leben schenken. Und das tut er mit einzelnen Menschen. Ja, und offensichtlich manchmal auch mit einer ganzen Gruppe oder mit einem ganzen Landstrich. Warum sollte ich da dagegen sein?

Natürlich freue ich mich, wenn Menschen aufwachen und wenn sie sich Gott anvertrauen, dass ihr ihr Leben verändert und wiederherstellt, und wo sie merken, dass ihr Leben total in die falsche Richtung läuft, dass es heillos und schädlich und ungesund ist. Und wenn sie einen Beitrag leisten wollen zu einer besseren Welt, zu mehr Liebe, auf diesem Planeten das Reich Gottes zu verwirklichen, das finde ich doch großartig.

Und jetzt kommt natürlich mein aber. Natürlich habe ich in Zwischenzeit auch einige Bedenken oder kritische Beobachtungen der ganzen Erweckungshoffnung oder Erweckungseuphorie gegenüber.

1. Wenn uns die Hoffnung auf ein besseres Morgen des Heute raubt

Zum einen empfinde ich es als kritisch, was diese ganze Erweckungserwartung und Erweckungshoffnung anbetreffen, wenn dadurch folgende Haltung stärker in den Vordergrund tritt, nämlich die Hoffnung auf ein besseres, erwecktes Morgen raubt uns ganz oft unser Heute. Man lebt ganz stark in der Zukunft, in der Erwartung, dass Jesus wiederkommt, oder in der Erwartung auf den Tag der Erweckung.

Und das kann lähmen, auch heute schon Schritt um Schritt zu gehen, konkrete Dinge zu unternehmen, unsere Fähigkeiten zu nutzen und entsprechende Veränderungsprozesse jetzt schon einzuleiten. Also die Hoffnung auf die Erweckung, die dann alles richtet, bei der dann alles gut wird, kann dazu führen, dass ich heute völlig passiv bin, mich überhaupt nicht einsetze für mehr Menschlichkeit, für ein blühendes Leben, egal ob politisch, in der Schöpfung, in meiner Nachbarschaft, in meinem eigenen Leben, in meiner Verwandtschaft, dass ich passiv bin, weil ich mir sage, ist alles so schlimm, man kann überhaupt nichts machen. Wir brauchen die Erweckung, in der Gott endlich das tut, wo wir ja überhaupt nicht tun können.

Man ist, was das heute anbetrifft, total vom Defizit geprägt. Und es fehlt einem an Kraft und an Fantasie, was man hier mit diesem Leben noch alles anstellen könnte.

Ganz oft ist diese Erweckungshoffnung gepaart mit einem negativen Menschenbild, einer ganz negativen Weltsicht. In meinem neuen Buch schreibe ich hier von einem rein erlösungstheologischen Denken. Und das schöpfungstheologische Denken geht völlig verloren.

Also die Erwartung, dass der Mensch im Ebenbild Gottes erschaffen ist und eben doch zu ganz viel Gutem fähig ist, ganz viel Potenzial in ihm steckt und man eben nur vom Defizit und vom Negativen ausgeht. Und deswegen, das Einzige, was hilft, ist die Erweckung.

Wir können selber eigentlich gar nichts tun zur Verbesserung der Welt oder um das Leben zum Blühen zu bringen. Mit der Hoffnung auf eine Erweckung wird oftmals das heute abgewertet.

Man hat auf das heute eine ganz negative Sicht und man sieht um sich herum nur Dekadenz. Und der einzige Ausweg, ja fast eine Flucht daraus, wäre dann die Erweckung.

Es ist also eine ganz große Unversöhnlichkeit mit dem jetzt, ein herzensmässiger Unfriede mit dem hier, der nur befriedigt werden kann durch das Ereignis einer Erweckung. Ganz oft stehen dahinter sehr pessimistische Persönlichkeiten, Schwarzseher mit einem, wie gesagt, negativen Menschenbild und auch einem negativ Gottes Bild.

Und sie können ihm jetzt gar nichts mehr hoffnungsvolles erkennen, können die Schönheit nicht mehr sehen, sondern erkennen nur noch den zornigen Gott über dem Heute und hoffen, dass die Erweckung dem Gericht Gottes zuvorkommt. Also eigentlich denken sie, alles ist dem Gericht verfallen, alles ist ganz schrecklich und hoffentlich kommt noch eine Erweckung, die dem Gericht vorausgeht, denn sonst sind alle verloren.

Also das ist mein erster Kritikpunkt, wenn Erweckung zu einer Abwertung der Gegenwart führt und Christen in so eine Passivität hineinbringt, weil die Erweckung, die wird es dann richten. Jetzt können wir nichts tun.

2. Erweckung und christliche Dominanzfantasien

So, und meine zweite große Kritik an der ganzen Erweckungsszene, an vielen Erweckungspredigten und einer gewissen Erweckungstheologie ist, dass Erweckungen ganz oft mit Machtfantasien verbunden sind. Ganz oft tragen Erweckungshoffnungen konstantinische Bilder in sich.

Also die Idee, dass Gott einen solchen Aufbruch schenkt, dass das Christentum wieder zur dominierenden Kraft in einem Land oder in der ganzen Welt wird und dass das Christentum alles durchdringt und dass das Christentum alles prägt und dass sich am Christentum alles orientiert. Dass das Christentum die eine große Perspektive ist, die die Menschen wieder bekommen.

Kirche oder Christentum gewinnt wieder an Bedeutung. Es kehrt zurück zu einer gewissen Machtposition.

Es hat wieder eine Größe, eine Sichtbarkeit, eine Bedeutung in der Gesellschaft, in einer Stadt, in einem Land oder auf der ganzen Welt. Und man hat den Eindruck, dass diese Bedeutung, diese Macht, diese Vorrangstellung das Christentum verdient hat.

Denn wir haben ja die Wahrheit. Wir sind ja auch im Besitz der Werte des Himmels.

Und unsere Vorstellung von der Welt und vom Menschen, von Gott, ist die einzig wahre. Wir haben Jesus Christus, der einzige Weg zu Gott.

Und darum gebührt es uns auch, dass wir die Machtposition, die Vorrangstellung haben und dass alles andere auf seinem Platz gewiesen wird und eben an Bedeutung verliert, weil das Christentum wieder an Bedeutung gewinnen soll. Und was da natürlich immer mitschwingt seit Konstantin, ist, dass wir dann diese Werte und die Gebote, die wir haben und die Lebenshaltung, die wir haben, dann natürlich auch durchsetzen, wenn wir in den Machtpositionen sind, wenn wir in der Schaltzentrale sind, weil der Bürgermeister Christ ist oder weil der Kanzler Christ ist oder wer auch immer.

Dann können wir sozusagen per Dekret, per Gesetz vom Staat her, die christlichen Ideale, die christlichen Wertvorstellungen auch durchsetzen. Und dann muss es nicht länger der Geist Gottes machen, der das in die Herzen hineinlegt und der die Herzen bewegt, sondern wir können es durchsetzen.

Man könnte eigentlich, wenn wir ganz ehrlich sagen, die konstantinische Wende ist eigentlich das Gegenteil von Erweckung. Denn bei der Erweckung geht es ja darum, dass bei Menschen etwas aufgeweckt wird, dass sie plötzlich einen Sinn dafür bekommen, eine Sehnsucht nach den Werten des Himmels, nach Gott bekommen.

Und wenn aber die Erweckung eher bedeutet, wir besetzen die Machtzentren, dann können wir das Ganze verordnen. Dann ist das das Gegenteil von Erweckung.

Dann geschieht es ja nicht aus den Herzen heraus, sondern von oben herab. Das Gute wächst dann nicht in den Herzen, sondern es wird verordnet.

Also Erweckung wird zum Mittel der Macht und nicht länger zum Wirken Gottes an den Herzen der Menschen. Also ganz viele hätten gerne Erweckung mit dem Hintergedanken, dann sind wir wieder am Drücker.

Dann wird Erweckung geboren aus einem Gefühl der Demütigung, aus einem Gefühl der Kleinheit. Die Kirche schrumpft, sie hat kaum mehr Wahrnehmung in den Medien, in der Gesellschaft, in der Politik.

Das Christentum und seine Werte werden mit Füßen getreten. Jetzt muss sich die Zeit wieder ändern.

Jetzt möchten wir sozusagen wieder erleben, dass die christlichen Werte wieder in der Vormachtstellung sind, dass sie endlich wieder wachsen und die Mehrheit bekommen in unserer Gesellschaft. Ob das am Ende eine gesellschaftlich philosophische Mehrheit ist oder eine politische Mehrheit.

Hauptsache, diese Dinge setzen sich wieder durch. Es gab in den er Jahren eine Bewegung, die nannte sich „The Seven Mountain Mandate“ oder „Seven Mountains dominionism“.

Das war eine Bewegung von konservativen, charismatischen, evangelikalen Christen, die von Gott den Eindruck bekommen haben, dass das Christentum wieder alle sieben Aspekte der Gesellschaft durchdringen und beeinflussen sollte, nämlich Familie, Religion, Erziehung, Medien, Kunst und Unterhaltung, Wirtschaft und Regierung. Dahinter standen drei bekannte Evangelisten, Lauren Cunningham, Bill Bright und Francis Schaffer, die diese Botschaft von Gott scheinbar bekommen haben.

Die sagen, das hat uns Gott gezeigt. Das hat dann aber erstmal keine größeren Auswirkungen gehabt bis ins Jahr 2013, wo dann Bill Johnson diese Idee in einem Buch veröffentlicht hat.

„Invading Babylon – the Seven Mountain Mandate“ hieß sein Buch. Und da wurde diese Überlegung oder dieser Gedanke ganz stark, dass wir wieder eine Erweckung brauchen und dass wir diese großen Machtzentren, eben Familie, Erziehung, Medien, Wirtschaft, all diese Dinge durchdringen müssen, dass wir dort an die Spitze Christen bringen müssen, damit diese Dinge wieder durchdrungen werden mit christlichen Werten und christlichen Idealen.

Und das Ganze wurde jetzt nochmals befeuert in den USA durch die Präsidentschaft von Donald Trump, der sich ganz eng verbündet hat mit den Evangelikalen. Und jetzt auch ganz viele Evangelikale hinter Trump stehen, weil sie glauben, dass über Donald Trump das endlich möglich wird, was Gott prophetisch verheißen hat, dass Christen wieder Einfluss gewinnen, ja Macht gewinnen über diese sieben Aspekte einer Gesellschaft.

Das Werkzeug ist jetzt hier Donald Trump, der christliche Werte, christliche Ideale wieder in die Gesellschaft Amerikas hineinbringt. 2020 konnte dann Charlie Kirk, ein rechter politischer Aktivist, sagen: “finally, we have a president that understands the seven mountains of cultural influence.”

Also endlich haben wir einen Präsidenten, der diese sieben Hügel kultureller Einflussnahme versteht. Und dann kann Trump persönlich in seiner eigenen Nachfolge und Frömmigkeit bei vielem durchfallen.

Hauptsache er ist das Instrument Gottes, das wieder den Einfluss auf diese gesellschaftlichen Bereiche ermöglicht. Dann ist das so diese Kyrus Logik.

Da wird ein heidnischer, sogar ein gottloser König gebraucht, um am Ende Gottes Ziele durchzusetzen. Hier wird jetzt Donald Trump gebraucht, um diese Idee der Seven Mountains durchzusetzen.

Hauptsache wir haben einen an der Schaltzentrale der Macht, der unsere Werte, der unsere Vorstellungen, der unsere Ideale in die Gesellschaft hineinträgt und wieder durchsetzen möchte. Die Abtreibung wird abgeschafft und wir brauchen wieder christliche Richter und wir brauchen wieder Zweitausendein, die 10 Gebote in den Schulzimmern und so weiter.

Also der Mann an der Schaltzentrale sorgt dafür, dass christliche Ideale sich wieder durchsetzen. Und an dieser Stelle wird es für mich schon regelrecht sektiererisch eben da spielen ganz alte konstantinische Ideale eine ganz gewichtige Rolle.

Das ganze wird dann biblisch immer noch gerechtfertigt durch hier eine Prophetie, da eine Bibelstelle aus der Offenbarung. Und man hat den Eindruck, in der Endzeit sind wir in so einem kosmischen Kampf und in einer so schwarz-weißen Welt, Christen und Welt, dass es uns keine andere Wahl bleibt, als die großen gesellschaftlichen Bereiche wieder zu übernehmen.

Sonst geht unsere Welt vor die Hunde. Und wenn wir übernehmen, dann läuten wir eigentlich die Wiederkunft Jesu und die Endzeit ein.

Und bei diesen Erweckungsfantasien bei diesen Erweckungshoffnungen ist es dann manchmal auch nicht mehr weit weg, dass Christen gewisse Ausgrenzungsfantasien pflegen. Wenn unser Mann, wenn unser Präsident an der Schaltzentrale der Macht ist, dann wird er in irgendeiner Form die Atheisten oder die Lästerer oder die Sünde oder die Progressiven, die Liberalen oder die Linken oder die Rechten eines Besseren belehren, in Schranken weisen, sie ihrer Macht berauben, sie in Schach halten oder was auch immer dann die Fantasie sie ist.

Und dadurch wird indirekt Hass, Ablehnung, Verurteilung mitkultiviert in solchen Erweckungshoffnungen. Denn für mich liegt im Kern jeder Erweckung die Liebe Gottes, die das Leben zum Blühen bringt.

Und gerade was die Kirche in Deutschland anbetrifft, bin ich eher skeptisch. Und ich hoffe nicht darauf, dass wir wieder eine große Volkskirche werden, wo 70- 80 % der Menschen in die Kirche gehen oder irgendwie gläubig sind oder christlich sozialisiert sind, wie das vor ein paar hundert Jahren der Fall war.

Ich glaube, dass die Kirche eine Phase der Bescheidenheit und der Niedrigkeit unbedingt guttut. Kirche hat ja nicht grundlos so viele Mitglieder verloren.

Natürlich hat das auch was mit der Postmoderne, mit der Säkularisierung zu tun. Aber dazu hat Kirche auch ganz viel beigetragen.

Die Kirche ist nicht schuldlos an dieser Entwicklung. Leider hat sich die Kirche in der Kirchengeschichte bis heute auch immer wieder von ihrer schlechten Seite gezeigt.

Und damit meine ich es nicht nur die Missbrauchsskandale, also die Hoffnung auf ein christliches Deutschland mit wieder großen Kirchen und vollen Kirchen, die teile ich nicht, ja, die halte ich sogar für schädlich. Ich glaube, es beginnt für die Kirche eine neue Phase, die Jesus in einem Gleichnis bereits vorhergesehen hat.

Es gibt für mich zwei wichtige Gleichnisse, die über die Existenz der Kirche sprechen, über eine bestimmte Existenzform der Kirche. Und wir hatten jetzt fast 2000 Jahre lang ein Gleichnis im Vordergrund, eine Art, wie Kirche funktioniert.

Und ich habe den Eindruck, dass jetzt die Zeit anbricht für eher die zweite Art der Kirche, die dann in dem zweiten Gleichnis von Jesus beschrieben wird. Aber das nur als Cliffhanger.

Ich versuche im nächsten Podcast über diese beiden Gleichnisse zu sprechen und zu ü könnte es für die Kirche der Zukunft eine neue Gestalt geben? Oder wie sieht Glaube in der Zukunft aus, wenn wir nicht mehr in der Mehrheit sind?

Wenn wir es uns abschminken können, die Dominanz zu erreichen und unsere Leute an den Schaltzentralen der Macht zu haben, wie könnte dann Glaube aussehen als Minderheit, in einer gewissen Bescheidenheit, vielleicht auch in nicht mehr solch einer Sichtbarkeit und Öffentlichkeit ja, ist es dann vorbei im Christentum? Ja, von wegen.

Das ist doch die Gestalt von Kirchen ganz oft gewesen in der Welt, in Ländern außerhalb Europas, da war Kirche ganz oft in der Minderheit, unsichtbar und hat trotzdem zweitausendein dem ungeheuer transformative Kraft entfaltet. Und genau das würde ich mir gerne im nächsten Podcast anschauen.

Ansonsten war es das für heute. Meine kurzen Gedanken zum Thema Erweckung im Schnelldurchgang.

Vielen Dank fürs Dabeisein bei diesem Movecast. Weiterhin freue ich mich, wenn ihr diesen Movecast bekannt macht, euren Freunden, Bekannten weiterleitet auf den sozialen Medien, zweitausendein den teilt, einen Daumen hoch gebt und ansonsten hören wir uns das nächste Mal.

Ich freue mich drauf. Macht’s gut.

Be blessed. Bye.

 


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