MC 209: Wie wird man errettet? – Glaube? Werke? Erwählung?
In dieser Episode spricht Martin Benz über die Vielstimmigkeit der Bibel in der Frage der Erlösung. Werden wir gerechtfertigt aus Glauben allein oder durch Werke und Taten, die wir tun, oder sind wir von Gott vorherbestimmt und erwählt? Zu allen Rechtfertigungsmodellen gibt es eine Menge Bibelstellen und Geschichten. Könnte es sein, dass die Frage falsch gestellt ist und unsere Rechtfertigung und Erlösung von Christus längst vollbracht wurde? Und nun geht es viel mehr darum, wie wir jetzt schon unseren Zugang zur Gottesbeziehung finden können, um als wirklich Erlöste zu leben. Und diese Zugänge zur Gottesbeziehung können jetzt ganz unterschiedlich aussehen. Für den einen ist es das tiefe Vertrauen in Gottes Erbarmen und Güte, für den anderen steht die tatkräftige Liebe im Vordergrund, die sich am Reich Gottes beteiligen möchte und wieder für andere ist der Gedanke der Erwählung und des göttlichen Gewolltseins entscheidende Grundlage der Gottesbeziehung.
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Transskript MC 209
Willkommen zu Movecast, dem Podcast, der etwas bewegen möchte. Mein Name ist Martin Benz, und jetzt geht’s los.
Und heute würde ich gerne auf das Thema Erlösung eingehen. Wie werden wir eigentlich erlöst? Das ist ein wenig eine Reaktion auf so manche Anfrage, die ich bekommen habe.
Und lasst mich da im Vorfeld noch mal ein paar Dinge ganz deutlich machen, jetzt gerade auch im Blick auf die ganze Themenreihe „Allversöhnung“. Ich merke, da sind einige Dinge vielleicht noch nicht so richtig angekommen beim einen oder anderen, oder ich möchte da auf alle Fälle Missverständnissen vorbeugen. Die eine Sache ist, dass manche den Eindruck haben: Ja, wenn es Allversöhnung gibt, dann brauchst du ja gar keine Hölle mehr. Aber in der Bibel steht doch so viel über die Hölle. Ja, was ist denn jetzt? Wieso Hölle, wenn Allversöhnung? Oder ist die Hölle nicht ein Widerspruch zur Allversöhnung? – Und da möchte ich gerne Folgendes dazu sagen: So wie ich die Allversöhnung verstehe, also Gottes Wunsch, alle Menschen zu retten, ist die Hölle unverzichtbar. Auch die Allversöhnung kommt nicht aus ohne eine Hölle. Aber ich glaube eben, dass man die Hölle nicht als ewigen Straf-Ort und Qual-Ort und erbarmungslosen grausamen Ort verstehen muss. Sondern ich glaube, die Hölle ist ein Ort, an dem wir hergerichtet, aufgerichtet, wiederhergestellt werden, wo das Böse von uns entfernt wird, wo wir zu uns selbst kommen, wo wir unsere Menschlichkeit zurückgewinnen. Und natürlich gebraucht die Bibel für die Hölle drastische Worte. Das ist drastische Sprache des ersten Jahrhunderts.
Da wird die Hölle in sehr gewalttätigen Bildern beschrieben. Aber das heißt nicht, dass sie deswegen kein Ort sein kann, an dem Wiederherstellung und am Ende auch Gutes geschieht. Wir haben ja im Hebräerbrief zum Beispiel diese Verse, wo jetzt zu Christen gesagt ist, die auch sehr drastisch klingen: „Wen der Herr liebt, den züchtigt er“, und „Er schlägt jeden Sohn, den er annimmt“. Also das klingt auch nicht gerade so vertrauenerweckend, dass man sagt, das ist ja auch ein netter Vers – nein! Also seine eigenen Kinder schlägt Gott, züchtigt er. So ist die drastische Sprache, ja. Was damit gemeint ist, heißt dann: Es dient zu eurer Erziehung, wenn ihr etwas erdulden müsst, wie mit Kindern geht Gott mit euch um: „Denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt oder straft?“ Und dann wird das verglichen mit der Züchtigung und der Strafe irdischer Väter. Und ihr müsst euch klarmachen, das war noch nicht eine ausgefeilte Pädagogik. Das war die Strafe oder die Züchtigung der Eltern. Damals waren das Schläge. Da wurde mit Gewalt gezüchtigt. Das sind die Bilder, die Welt der Bibel. Und dann heißt es: Denn jene (also die irdischen Väter) haben uns gezüchtigt wenige Tage nach ihrem Gutdünken. Dieser aber (damit ist Gott gemeint) tut es zu unserem Besten, auf dass wir an seiner Heiligkeit Anteil erlangen. Also hier ist eine drastische Sprache: Gott straft, Gott züchtigt, Gott schlägt. Vergleicht es mit irdischen Vätern. Aber es ist zu unserem Besten, damit wir an seiner Heiligkeit Anteil gewinnen. Und der Mensch, der Christ, wird jetzt ja nicht von Gott geschlagen, sondern es soll nur heißen, Gott hat einen Plan mit uns, nämlich uns an seiner Heiligkeit Anteil zu geben. Und dazu muss er uns erziehen, und da werden drastische Worte dafür gebraucht. Und ich glaube, dass auch für die Hölle drastische Worte gebraucht werden, um diesen einen Gedanken zu vermitteln.
Am Ende möchte Gott alle Menschen wiederherstellen, allen an seiner Heiligkeit Anteil geben. Aber dazu braucht es diese Hölle als Ort, an dem wir unsere tiefste Verlorenheit und Verdorbenheit erkennen, das Böse an uns wahrnehmen, zutiefst umkehren, bereuen. Und das ist die Züchtigung, das ist der große Schmerz, den wir in der Hölle, den Menschen in der Hölle erleben werden. Aber mit dem Ziel zu unserem Besten, damit wir am Ende an Gottes Heiligkeit teilnehmen können. Also auch die Allversöhnung braucht den Gedanken einer Hölle. Da kommen wir nicht einfach so in den Himmel, wie wir sind. Ist doch egal, wie du gelebt hast, und jeder Bösewicht und jeder Serienmörder landet einfach so im Himmel. Nein, wir gehen durch das Gericht, und was wir dort erleben, ist die Hölle: eine Züchtigung, eine Selbsterkenntnis, damit wir am Ende Anteil bekommen an der Heiligkeit Gottes.
Und der zweite Einwand, der immer wieder kommt, lautet: Ja, wenn Gott am Schluss alle rettet, wenn die Allversöhnung stimmt, dann hätte Jesus ja gar nicht sterben müssen. Dann wird ja der Kreuzestod oder die Erlösung Jesu völlig unnötig, wenn einfach alle in Himmel kommen. Aber falscher könnte dieser Gedanke gar nicht sein. Ich würde eher so sagen, weil die Erlösung, die Jesus vollbracht hat, so ungeheuer wichtig und wirkungsvoll ist, errettet sie die gesamte Menschheit. Ich müsste eher den Vorwurf den anderen machen, die sagen, am Ende kommen 90 % in die Hölle, gehen für immer verloren, und 10 % werden gerettet. Dann würde ich sagen, dann ist der Kreuzestod Jesu, die Erlösung Jesu relativ wirkungslos, der Wirkungsgrad ist relativ gering. Also auch hier, die Allversöhnung kommt ganz und gar nicht aus ohne das Erlösungswerk, das Jesus Christus vollbracht hat. Es ist eben gerade nicht so, dass Gott sagt: Ach, da haben wir hier den Mörder (wie ein Gericht das sagen würde, den Mörder), und den spreche ich jetzt einfach frei, denn wir definieren einfach neu, dass Mord nicht schlimm ist, dass Mord okay ist. Also das ist nicht die Idee bei der Allversöhnung. Da wird nicht jede Untat der Menschen als „halb so schlimm“ oder „es ist plötzlich alles okay“ definiert oder bezeichnet, sondern die Erlösung, die Vergebung, die Barmherzigkeit und die Güte Gottes, die Erlösungskraft Gottes ist so stark, dass sie für die ganze Menschheit ausreicht. Aber es ist nicht so, dass es keine Erlösung mehr bräuchte und jetzt einfach alle in Himmel kommen. Nein, es kommen alle in den Himmel, weil sie von Jesus Christus erlöst wurden. Aber seine Erlösungskraft, die Reichweite seiner Erlösung reicht eben nicht nur für 5 oder 10 % evangelikale, wiedergeborene Christen aus, sondern für alle Menschen.
Und damit sind wir beim zentralen Thema dieser Episode. Wie funktioniert eigentlich Erlösung? Was erlöst uns eigentlich? Was errettet uns eigentlich? Ich habe jetzt mehrmals eine Mail bekommen mit der Aussage: Ja, in Johannes 3, Vers 16 steht doch „denn so hat Gott der Welt seine Liebe gezeigt. Er gab seinen einen und einzigartigen Sohn, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht ins Verderben geht, sondern ewiges Leben hat“. Hier steht doch eindeutig, dass man an Jesus glauben muss. Der Glaube ist es, den es braucht und wenn man eben nicht glaubt, dann geht man ins Verderben. Da steht es doch eindeutig. Also dann ist die Allversöhnung, dass alle einfach so in den Himmel kommen, auch ohne Glauben, ja absurd. – Nun, zunächst mal ist es wichtig, auch den nächsten Vers zu lesen. Denn da heißt es, „Gott hat seinen Sohn ja nicht in die Welt geschickt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch ihn zu erretten“. Also hier steht ja explizit, Gott schickt seinen Sohn in die Welt, um sie zu retten. Ja, ist das jetzt gelungen oder ist das nicht gelungen? Hat sein Sohn jetzt die Welt errettet oder nicht? Die Frage muss man sich doch einmal stellen! Wenn man Vers 16 ernst nimmt, sollte man doch bitte Vers 17 auch ernst nehmen. So, und jetzt stellt sich die Frage: Werden nur diejenigen Menschen errettet, die glauben, wie es hier in Vers 16 und in vielen anderen Versen auch steht? Und ich würde sagen, hier ist die Bibel eben wieder nicht ganz eindeutig – es ist nicht so, dass es nur eine klare und harmonisierte Aussage in der Bibel im Neuen Testament gibt: DAS ist der Weg zur Erlösung. Wenn du glaubst, dann wirst du errettet. Ganz so einfach ist es eben nicht. Nun, ich glaube, dass das evangelische und das evangelikale Erlösungsverständnis ganz stark von der Reformation, von den Reformatoren geprägt ist. Und zwar von den vier „sola“-Formen Luthers. Luther sagte ja in Bezug auf den Glauben, auf die Erlösung:
- „sola scriptura“, allein die Schrift, also die Bibel allein ist die höchste Autorität in Glaubensfragen, nicht die kirchliche Tradition oder der Papst. Man muss diese Verse oder diese Sätze immer verstehen, aus seiner Zeit heraus. Dann
- „sola fide“, allein der Glaube. Also der Mensch wird allein durch den Glauben an Jesus Christus gerechtfertigt und nicht durch gute Werke.
- „sola gratia“, allein die Gnade, die Erlösung ist ein Geschenk Gottes, sie kann nicht verdient werden. Man kann nicht dafür bezahlen, sondern sie wird allein aus seiner Gnade heraus gegeben. Und zu guter Letzt
- „solus Christus“, allein Christus. Was heißen soll, Jesus Christus allein ist der Mittler zwischen Gott und den Menschen, nicht die Heiligen, nicht der Priester oder sonst irgendein Mensch, nur Christus.
Und diese Idee, dass wir allein aus Glauben gerecht geworden sind und dadurch errettet geworden sind, die findet sich natürlich mannigfaltig im Neuen Testament, ganz besonders bei Paulus. Da heißt zum Beispiel in Römer 1,17, 2denn darin (im Evangelium) wird offenbart die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben, wie geschrieben steht, der Gerechte wird aus Glauben leben“. Oder Römer 3,28 „so halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“. Oder Römer 5 „denn da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“. Oder Galater 3, 11 „,dass aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar, denn der Gerechte wird aus Glauben leben“. Oder Epheser 2 „denn aus Gnade seid ihr gerettet durch den Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist, nicht aus Werken, damit sich niemand rühme“.
Wenn es um diese Glaubensgerechtigkeit geht, bezieht sich Paulus immer wieder auf Abraham. Er ist für ihn das große Vorbild der Glaubensgerechtigkeit. Aber die Gerechtigkeit Abrahams wird im Alten Testament unterschiedlich hergeleitet. So heißt es zum Beispiel in Genesis 15, ab Vers 5 „Gott führte Abraham ins Freie und sagte, blick doch zum Himmel auf und zähle die Sterne, wenn du es kannst. So wird deine Nachkommenschaft sein. Abraham glaubte Jahwe und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an“. Jetzt heißt es aber einige Kapitel später, in Kapitel 22, wenn es um die Opferung Isaaks geht, ab Vers 16 „ich, der Herr, schwöre bei mir selbst, weil du mir gehorsam warst und sogar deinen geliebten Sohn auf meinen Befehl hin geopfert hättest, werde ich dich reich segnen. Ich werde dir viele Nachkommen schenken. Sie sollen zahllos sein wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres“. Also ist das, was Gott nun will, das tiefe Vertrauen oder eine ungeheure Leistung, um segnen zu können? Was macht Abraham zum großen Volk? Was bringt den Segen Gottes? Ist es sein Vertrauen oder sein Gehorsam?
Diese Problematik zieht sich bis ins Neue Testament hinein, weil diese Geschichte unterschiedlich gedeutet wurde, unterschiedlich rezipiert wurde, eine unterschiedliche Wirkungsgeschichte hatte. Paulus bezieht sich vor allem auf den Glaubensaspekt bei Abraham und schreibt deswegen in Römer 4: „Was hat dazu geführt, dass Abraham für gerecht erklärt wurde, seine eigenen Leistungen? Dann hätte er allen Grund stolz zu sein, aber sie sind nicht das, was vor Gott zählt. Und warum nicht? Die Schrift sagt, Abraham glaubte Gott und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Wenn jemand keine Leistungen vorweisen kann, sondern sein Vertrauen auf den setzt, der den Gerechten gerecht spricht, dann wird ihm sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet“. So versteht Paulus die Abrahamsgeschichte. Jakobus sieht das allerdings ganz anders. Er greift die Abrahamsgeschichte ebenfalls auf, kommt aber zu einem ganz anderen Schluss und darum lesen wir in Jakobus 2, ab Vers 21: „Wurde unser Stammvater Abraham nicht wegen seines Handelns als gerecht betrachtet, eben weil er Isaak, seinen Sohn, auf den Opferaltar legte? Du siehst also, der Glaube wirkte mit seinem Tun zusammen. Erst durch das Tun wurde der Glaube vollendet. Ihr seht also, dass ein Mensch durch seine Taten gerecht gesprochen wird und nicht aus Glauben allein“. Die Aussage „sola fide“, allein aus Glauben, die kommt übrigens gar nicht vor im Neuen Testament. Das steht in Römer 3 an der Stelle nicht. Das hat Luther in der deutschen Übersetzung hinzugefügt: allein aus Glauben. Das steht im Griechischen nicht – was aber im Griechischen klar steht, oder im Lateinischen, muss man da sagen ist das, was der Jakobus sagt: non sola fide. In der lateinischen Bibel steht non sola fide, nicht allein aus Glauben. Also wir merken: ja, was gilt denn jetzt? Ist Abraham aus Glauben gerettet oder aus Taten heraus gerettet? Und die evangelische und evangelikale Welt, für die ist vollkommen klar: sola fide, allein aus Glauben, alles andere kann gar nicht sein. Das ist so stark in unseren Köpfen drin. Wir lesen mit dieser Brille, mit dieser Voreinstellung, ich könnte sagen mit diesem Vorurteil die ganze Bibel. Aber ihr müsst euch bewusst machen, dass wir auch ganz andere Bibelstellen haben, die von einem anderen Erlösungsweg sprechen, eben nicht dem Weg allein aus Glauben, sondern den Weg der Werke und der Taten. Also der ganze Abschnitt in Jakobus 2 schildert das. So heißt es zum Beispiel auch in Vers 17 „So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot an sich selber.“ Oder es heißt in Matthäus 7 „Nicht jeder, der zu mir sagt, Herr, Herr, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“ Oder Römer 2, Vers 6: „Gott, der jedem vergelten wird nach seinen Werken, gibt ewiges Leben denen, die mit Ausdauer im guten Werk Herrlichkeit suchen, Zorn aber denen, die der Wahrheit nicht gehorchen oder Offenbarung 20.“ Und die Toten werden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken. 2. Korinther 5. „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder empfange, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.“ Oder Matthäus 16 „Der Menschensohn wird kommen und dann einem jeden vergelten nach seinem Tun.“ Und in 1. Petrus heißt es „Gott richtet ohne Ansehen der Person nach eines jeden Werk.“ Oder in Johannes 5 sagt Jesus, die Gutes getan haben, werden hervorgehen zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben zur Auferstehung des Gerichts. Man kann das jetzt auch nicht dadurch auflösen, dass man einfach sagt, ja, wenn es um Werke geht, ist immer der Glaube gemeint. Der Glaube ist das eine Werk, das Gott sehen möchte. Da würde man dem Kontext all dieser Stellen, die ich vorgelesen habe, überhaupt nicht gerecht werden. Dort werden wirklich Werke aufgezählt, gute Taten aufgezählt, Taten der Liebe aufgezählt. Deswegen spricht Paulus in Galater 5 ja auch von einem Glauben, der in der Liebe tätig ist. Es geht wirklich um die tätige Liebe, das sind die Werke, um die es dann am Ende gehen wird. Also hier haben wir nochmal einen ganz anderen Aspekt der Erlösung. Hier spielt der Glaube plötzlich keine Rolle. Der Glaube ist unbedeutend. Man könnte sagen, er ist tot, nutzlos, wenn er keine Werke hat.
Und solche Geschichten finden wir jetzt ja en masse in den Erzählungen Jesu. Denkt nur an das Weltgericht in Matthäus 25, wo Menschen eingehen in die Herrlichkeit, weil sie Gutes getan haben und zwar nicht einmal im Namen Gottes, sondern unbewusst. Einfach weil sie menschlich waren, weil sie Nächstenliebe geübt haben, den Hungrigen gespeist haben, den Kranken gepflegt haben, sagt Gott: Geht ein in das Reich Gottes, weil ihr Kinder des Höchsten seid, weil ihr barmherzig wart. Also hier ist das Kriterium überhaupt nicht der Glaube, sondern eben die guten Werke. Und der barmherzige Samariter ist gerecht im Gegensatz zum Priester und zum Leviten, weil er geholfen hat, weil er Nächstenliebe geübt hat und den Verletzten gepflegt hat. Gerade bei der Geschichte vom barmherzigen Samariter wird Jesus ja gefragt: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu ererben?“ (Lukas 10). Und Jesus antwortet nicht mit „Glaube“, sondern erzählt eine Geschichte über tätige Nächstenliebe. Also gerade nicht der Priester und der Levit mit ihrem reinen Glauben, sondern der Samariter, der handelt, erfüllt Gottes Gebot.
Oder denkt an das Gleichnis von den anvertrauten Talenten in Matthäus 25. Da erhalten drei Diener Talente Geld vom Herrn. Zwei arbeiten damit, werden belohnt, vermehren etwas, der Dritte versteckt es nur und wird ausgeschlossen vom Himmelreich. Also die, die was machen, die handeln, die Früchte vorweisen können, werden errettet. Oder denkt an den reichen Jüngling, Matthäus 19: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?“ Jesus sagt: „Halte die Gebote, und danach verkaufe alles und folge mir nach.“ Ja, ehrlich gesagt, da ist einfach an Gott glauben, ihm vertrauen billig dagegen. Wer von uns wird bereit sein, sowas zu machen? Wem ist der Glaube und die Erlösung so wichtig, dass er die Gebote hält und alles verkauft – gerade wir im Westen, wir wohlhabenden Menschen – und Jesus nachfolgen? Mir fällt einfach auf bei diesen Texten, dass Jesus immer wieder gefragt wird, wie bekomme ich das ewige Leben? Und dass Jesus ganz unterschiedlich antwortet. Er weiß, wen er vor sich hat. Jesus kennt die Menschen, die zu ihm kommen. Und dem einen sagt er, du musst von neuem geboren werden, dem anderen sagt er, du musst alles verkaufen, was du hast. Und dem nächsten sagt er, dein Glaube hat dich gerettet. Offensichtlich gibt es nicht die pauschale Antwort, sondern es kommt darauf an, was für ein Mensch da vor mir steht und wie sein Zugang zu Gott aussieht. Da komme ich gleich nochmal drauf.
Und jetzt nicht genug. Jetzt haben wir sogar noch eine dritte Schilderung, wie Errettung abläuft. Wir hatten jetzt allein aus Glauben. Dann hatten wir durch Werk und Taten. Und jetzt haben wir noch ganz viele Stellen, die sprechen von Erwählung, von Auserwählung. Ja, errettet werden die Auserwählten. Nicht die, die glauben, nicht die, die Taten tun, sondern: die Gott auserwählt hat. Die können nur glauben, die können überhaupt nur gute Taten tun, weil sie auserwählt sind. Zum Beispiel Römer 8 ab 28: „denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Gottes gleichförmig zu sein. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, die er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht.“ Eine sehr klare Kette der Erwählung von Vorherwissen bis zur Verherrlichung. Oder in Epheser 1 heißt es in Vers 4, in Vers 5, in Vers 11 „wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und untadelig seien. Er hat uns vorherbestimmt zur Sohnschaft. In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir vorherbestimmt sind“. Das ist eine der deutlichsten Aussagen zur Vorherbestimmung zum Heil, vor Erschaffung der Welt. Oder 2. Thessalonicher 2, Vers 13: „Gott hat euch von Anfang an erwählt zur Errettung in der Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit.“ Also da kommt erstmal die Erwählung und dann ereignet sich Glaube. Und in Apostelgeschichte 13 heißt es z.B. Vers 28: „Und alle, die zum ewigen Leben vorherbestimmt waren, wurden gläubig.“
Also es scheint eine Vorherbestimmung zu geben, die dem Glauben vorausgeht. Ohne diese Vorherbestimmung und Erwählung kann man gar nicht gläubig werden. Und Johannes sagt in Johannes 6 „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen. Ich werde ihn nicht hinausstoßen. Ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater zieht.“ Also sind meine ganzen Anstrengungen eigentlich umsonst. Wenn der Vater nicht zieht, dann kann gar niemand richtig glauben und zu Jesus kommen. Und ganz drastisch erwähnt Paulus diese doppelte Erwählung einerseits zum Heil und auch zum Verderben in Römer Kapitel 9, da heißt es, Vers 16 „Es liegt also nicht am Menschen mit seinem Wollen und Bemühen, sondern an Gott und seinem Erbarmen. So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will. Man wird mir jetzt entgegenhalten, warum zieht er uns dann noch zur Rechenschaft? Dem, was er beschlossen hat, kann sich ja doch niemand widersetzen. Hat nicht der Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen? Da Gott seinen Zorn erzeigen und seine Macht kundtun wollte, hat er mit großer Geduld ertragen die Gefäße des Zorns, die zum Verderben bestimmt waren.“ Also Gott hat einerseits als Töpfer Tongefäße gemacht zu Ehren, die einmal errettet werden, und er hat welche gemacht zu Unehren, die verdammt werden, und da sagen die Menschen zu Recht, ja wenn das alles vorherbestimmt ist, da kann ich mich ja gar nicht dagegen wehren, dann ist es einfach so, wieso werde ich dann überhaupt noch bestraft, das ist ja unfair! Und dann sagt Paulus, Gott kann machen was er will, der ist der Töpfer, du hast dich hier überhaupt nicht aufzuregen, das ist Gottes Angelegenheit. An der Stelle lohnt es sich auch, nochmal an die Lazarus-Geschichte zu denken – reicher Mann, armer Lazarus -, da haben Martin Thoms und ich ja schon mal eine ganze Folge dazu gemacht.
Aber dieser Lazarus, der wird von Gott einfach erwählt. Bei dem wird nicht der Glaube geschildert, der konnte keine Werke vorweisen, sondern Gott sieht diesen Mann. Er sieht sein Leid, er sieht sein schreckliches Schicksal, er sieht, wie er hier unter die Räder kommt, wie er verachtet ist. Und jetzt erwählt Gott genau diesen Mann und trägt ihn durch die Engel in den Schoß Abrahams. Also hier haben wir eine klare Erwählungsgeschichte.
Und jetzt ist kirchengeschichtlich und theologiegeschichtlich etwas Spannendes passiert. Es wurden ganze Dogmatiken – Lehrwerke – geschrieben zu diesen einzelnen Erlösungswegen. Und die Lutheraner und auch die Freikirchen haben ganz stark an diesem „allein aus Glauben, allein aus Gnade“ gearbeitet. Das ist für uns das Fundament und anders können wir die Bibel gar nicht verstehen. Und alle anderen Verse werden auf das hin abgeglichen. Und wenn es irgendwo um Werke geht, dann heißt es immer, jaja, der Glaube ist es aber. Und natürlich ein Glaube, der bewirkt dann, dass Gottes Geist in uns kommt, und dieser Geist befähigt uns dann wieder zu guten Werken. Das sind dann die Früchte, die wachsen. Also es werden dann die Werke und der Glaube harmonisiert. Der Glaube ist das Wichtigste, und die Werke folgen danach.
Oder wenn man ein Hardliner-Calvinist ist, dann geht es um die Auserwählung. Dann wird man wirklich auserwählt von Gott, und alle anderen haben gar keine Chance. Glaube und auch Werke sind bloß die Folge davon, dass Gott mich auserwählt hat für das ewige Leben, und die anderen sind dann im worst case auserwählt für eine ewige Hölle.
Und wir haben kirchengeschichtliche Traditionen, wo die Werke ganz besonders im Vordergrund stehen. Das war im Mittelalter stark der Fall. Da gibt es auch heute wieder Strömungen, die ganz stark einen ethischen Glauben leben und da geht es darum, wie handle ich, Gott kann den erlösen, der das Richtige tut. Und je nachdem, zu welcher Tradition du gerade gehörst, Zuhörer, wirst du vielleicht sagen: Martin, hast keine Ahnung. Du hast es einfach nicht gecheckt – natürlich geht es um den Glauben. Das ist so eindeutig in der Bibel. Und alles andere müssen wir durch diese Brille verstehen. Und wer calvinistisch jetzt unter meinen Zuhören ist wird sagen: Martin, du hast nicht gecheckt, das ist Auserwählung. Also wie soll denn der Mensch mit seinem Willen einfach so sagen, ich glaube jetzt einfach mal, nein, der muss von Gott erst mal erweckt werden, erleuchtet werden, sonst geht das alles gar nicht.
Jeder findet das andere unbiblisch oder das greift zu kurz. Wir haben einfach verschiedene Aussagen nebeneinanderstehen. Und je nachdem, wie du geprägt bist, baust du aus der einen Art Aussage ein System, in das jetzt alles andere reinpassen muss.
Und ich komme jetzt von einer ganz anderen Seite her, und ich sage, Gott hat in Christus die Welt mit sich versöhnt. Für mich ist die entscheidende Aussage „solus Christus“. Das, was Christus getan hat, die Offenbarung der Liebe Gottes am Kreuz, die tiefe Barmherzigkeit Gottes, sein Erbarmen mit seiner Schöpfung und mit seiner Kreatur bewirkt, dass alle erlöst werden. Das ist Gottes Initiative. Es ist sein Handeln. Er ist der Erlöser, und zwar der Erlöser der gesamten Schöpfung.
Genau aus dem Grund kann Jesus am Kreuz auch sagen „Es ist vollbracht“; es ist geschehen, die Erlösung ist vollzogen. Sie ist nicht nur angeboten, sie steht nicht nur bereit für den, der es will, der es glaubt oder der es erarbeitet. Nein, die Erlösung ist vollbracht am Kreuz. Deswegen werden sich am Ende alle Knie beugen und so weiter, können wir alle Stellen aufzählen, die von dieser ganzen Erlösung sprechen. Also es erlöst uns nicht unser Glaube, es erlösen uns nicht unsere Werke und auch nicht eine spezielle Vorherbestimmung einer bestimmten Gruppe. Was uns erlöst, ist, dass Jesus der Erlöser der ganzen Menschheit ist.
Aber bloß, weil alle Menschen erlöst sind und ihr ewiges Schicksal besiegelt ist im Positiven und wir alle durch das Gericht müssen, wo wir hergerichtet werden, auch wenn das alles schon geklärt ist, bewirkt das dann nicht automatisch, dass wir jetzt eine Beziehung zu Gott haben. Der Großteil der Menschen lebt ohne Beziehung zu Gott, obwohl Gott sie eines Tages bei sich haben wird und sie herrichten wird und sie an seiner Heiligkeit Anteil nehmen lässt. Wie jetzt diese Beziehung zu Gott, die unser irdisches Dasein wesentlich prägt und beeinflusst, wie diese Beziehung zustande kommt, da gibt es eben unterschiedliche Wahrnehmungen.
Und da gibt es jetzt zum Beispiel einen Paulus und einen Luther. Und die beiden waren ganz stark von einer Werkgerechtigkeit geprägt. Paulus schildert ja an verschiedenen Stellen, dass er ein unglaublich strenger und eifriger Pharisäer war – unsträflich, der jedes Gebot eingehalten hat. Der mit ungeheurem Eifer unterwegs war. Der dachte am Ende, er muss sogar die Christen umbringen, um gottgefällig zu leben. Also ein irrsinniger Eifer. Und dieser Paulus, kann irgendwann sagen: Ich habe es kapiert. Es ist nicht dieser unbändige Eifer, dieses Jeden-Buchstaben-des-Gesetzes-Beachten, sondern ich darf einfach diesem Gott vertrauen. Und deswegen entdeckt er in der Abrahamsgeschichte vor allem den Vertrauensaspekt von Abraham und nicht den Leistungsaspekt der Opferung von Isaak. Und für Paulus ist das die große Entdeckung: Ich werde frei von dieser ungeheuren Belastung des Gesetzes. Für ihn ist das Gesetz überwunden in Christus. Das ist seine große Entdeckung. Das kommt aus seiner Biografie heraus. Deswegen betont er den Glauben so wahnsinnig stark.
Und bei Luther war es ganz ähnlich. Luther war voller Angst. Bei Paulus war es eher so dieses Sich-Rühmen der Einhaltung des Gesetzes und dieser Leistungsdruck, in dem er stand. Und bei Luther war es eher eine ungeheure Angst vor dem gerechten Gott, der ihn als Sünder verdammen muss. Und dann hat er alles versucht und ist nach Rom gereist und hat versucht, entsprechend durch genügend Werke und Gebete Gott gnädig zu stimmen und irgendwie eine Gerechtigkeit aufzubauen. Und dann hat Luther wahrgenommen, die Gerechtigkeit wird mir geschenkt. Es ist Gnade und ich muss das nur glauben. Also für Luther hat das mit was mit seiner Biografie zu tun. Und zudem war Luther natürlich umgeben von einer damaligen Welt im ausgehenden Mittelalter, wo Werke, Ablasshandel eine ungeheure Rolle gespielt haben.
Er ist ja dann eben mal nach Rom gereist und hat miterlebt, wie die Leute dort auf ihren Knien herumrutschen und alle möglichen Bußwerke tun, um irgendwie mit Gott wieder versöhnt zu sein. Also in dieser Welt ist Luther groß geworden und die hat ihn natürlich ganz stark geprägt und deswegen war das auch noch mal so eine große Entdeckung mit dem Glauben.
Und offensichtlich hat Jakobus eine andere Biografie, und deswegen kann er viel deutlicher als Paulus betonen: Nein, nein, es ist der Gehorsam. Es ist die Hingabe, es ist die Nächstenliebe, es ist das Einhalten der Gebote Gottes, der Gebote Jesu, die entscheidend sind für unsere Beziehung zu ihm.
Also, und wir merken, je nachdem, wie die Biografie aussieht, von was ich geprägt bin, was mein Leben bisher bestimmt hat, und zwar negativ bestimmt hat, Druck, Leistung, Angst, Enge oder wie auch immer, entdecke ich jetzt andere Zugänge, die mich frei machen zur Gottesbegegnung.
„Die Wahrheit wird euch frei machen“ – aber diese Wahrheit sieht für Paulus und für Luther etwas anders aus, als sie zum Beispiel für einen Jakobus ausgesehen hat. Oder dann für einen Calvin, der ganz stark davon geprägt ist: Ich bin erwählt, Gott wollte mich, Gott sieht mich. Unter all den Millionen Menschen hat Gott mich gesehen, mich auserwählt. Und das bringt so eine ungeheure Bedeutung und ein Wertgefühl ins Leben hinein.
Und ich würde sagen, ja, auf dieser Ebene gibt es ganz unterschiedliche Zugänge zu Gott. Und für den einen ist es vor allem sola fide. Für den anderen ist es die Hingabe, die Nächstenliebe, ein ganz starker auch ethischer Anspruch des Glaubens. Und für den nächsten ist es das Gefühl, auserwählt und gewollt zu sein von Gott. Aber all diese Zugänge zur Gottesbeziehung sind keine Zugänge zum ewigen Heil, denn das hat Christus für uns geklärt, indem er uns alle erlöst hat. Glaube oder Werke oder Erwählung, das sind Zugänge zu meiner Gottesbeziehung. Das prägt mein Verhältnis zu Gott. Aber nichts davon spielt wirklich eine Rolle für das ewige Heil, denn dort ist Christus unser Erlöser.
Aber diese unterschiedlichen Zugänge zur Gottesbeziehung, die erlauben es mir natürlich auch schon ganz viel von dieser Erlösung, von diesem Reich Gottes von diesem „Schon jetzt“ der Gegenwart Gottes in meinem Leben zu erfahren. Es macht mich jetzt schon zum Erlösten. Und ich merke, wie alle drei Zugänge für meine Gottesbeziehung wichtig sind. Für mich ist es wichtig, dass ich diesem Gott einfach mal vertrauen darf. Mein Leben liegt in seiner Hand. Ich vertraue diesem Gott zutiefst, dass er es gut meint. Ich vertraue seiner Gnade, seiner Barmherzigkeit. Es ist eine tiefe Vertrauensbeziehung. Ich merke aber auch, dass es mein Leben nötig hat, dass ich nicht einfach nur mich in der Gnade ausruhe – Bonhoeffer kann auch von einer billigen Gnade sprechen -, sondern es prägt auch meine Gottesbeziehung, dass ich mich an der missio Dei beteiligen möchte, dass ich auch das Leben zum Blühen bringen möchte mit meinem Gott, dass ich zuerst nach dem Reich Gottes trachten möchte, dass ich die Umstände, die das Böse in der Welt verwandeln will, dass ich mich vom Bösen nicht überwinden lassen will, sondern das Böse mit Gutem überwinden möchte. Das prägt auch meine Gottesbeziehung. Ganz vieles meiner Gebete und meines Einsatzes für diesen Gott ist geprägt von dem Wunsch, Taten und Werke hervorzubringen im Namen dieses Gottes, weil mir das Reich Gottes eben so wichtig ist. Und ich merke auch, dass es mir unglaublich guttut, dass dieser Gott mich sieht, mich will, mich erwählt hat, ich sein Kind sein darf, dass ich ganz persönlich wichtig bin, dass jedes Haar auf meinem Haupt gezählt ist. Auch das ist für meine Gottesbeziehung wertvoll.
Ich muss also gar nicht entscheiden, ist es der Glaube, ist es das Werk, ist es Auserwählung? Alle drei Zugänge zur Gottesbeziehung spielen in meinem Leben eine wichtige Rolle. Mal das eine stärker, mal das andere stärker. Aber meine Heilsgewissheit kommt nicht daher, dass ich erkannt habe, welcher Zugang jetzt der richtige und der einzig wahre ist, und den verfolge ich jetzt, sondern meine Heilsgewissheit liegt darin, dass Gott die ganze Welt in Christus mit sich versöhnt hat, dass Gott uns alle bei sich haben will und dass wir auf diesem Weg alle einen Heiligungsprozess hier auf Erden zurücklegen dürfen und auch sollen, und wenn das zu wenig geschieht und nicht geschieht, dann erfolgt diese Züchtigung, diese Zurechtbringung auch danach, wo Gott uns Anteil nehmen lässt an seiner Heiligkeit und uns wieder herstellt, damit wir eine Ewigkeit mit diesem Gott verbringen können.
Und jetzt sage ich nochmal – das habe ich schon mal gesagt – glaubt ihr denn wirklich, dass Gott mich einfach so, auch wenn ich dann 60 Jahre Christ war am Ende meines Lebens, einfach so in den Himmel lassen kann? Da ist doch dann noch so viel an mir an Ungeheiltem, an Zerbrochenem, vielleicht an Wut, an Zorn, an Neid, an ungestillten tiefen Seelenbedürfnissen. Das kann doch Gott nicht einfach so in den Himmel lassen. So will ich gar nicht im Himmel sein. Also ich rechne doch auch damit, dass eine Verwandlung, eine Transformation mit mir geschieht. Stell dir vor, ein Christ ist bis zum Ende seines Lebens depressiv. Der sagt doch, also ich hoffe, dass ich dann, wenn ich in den Himmel komme, verwandelt werde und dann nicht die Depression mit hineinschleppe in die Ewigkeit. Also wir alle rechnen doch damit, dass es nach unserem Tod in irgendeiner Form eine Transformation gibt, weil wir doch am Ende einfach auf dem Sterbebett noch nicht fertig sind, noch nicht perfekt sind. Und warum glauben wir denn, dass es für uns eine Transformation geben kann, damit wir nicht eine Ewigkeit lang mit unseren Schwächen und mit unserem Leid im Himmel sein werden? Das können wir glauben, aber wir können nicht glauben, dass ein anderer Mensch, der nicht in gleicher Weise wie wir geglaubt und vertraut hat, dass der nicht transformiert werden kann? Wieso denn das?
Alle werden transformiert, oder keiner wird transformiert. Wieso denn der eine ja, der andere nein? Gott kann uns doch alle transformieren. Und diesen Transformationsprozess, den kann man in drastischer Sprache Hölle nennen. Wie man es in schöner Sprache nennen will, ist es die Erziehung eines Vaters an all seinen Kindern. Puh, ich hoffe, das hat noch mal was geklärt. Auch gerade in Bezug eben auf die Frage der Allversöhnung und des Glaubens, der Allversöhnung und der Werke, der Allversöhnung und der Erwählung.
Und das war Movecast für heute. Es ging ein bisschen länger, aber es war mir ganz wichtig, dort ein bisschen Klärung reinzubringen. Ich wünsche euch eine ganz gute Zeit, seid gesegnet, genießt die Liebe und das Erbarmen Gottes und lasst euch davon transformieren, damit wir jetzt schon Anteil bekommen an Gottes großartigen Wesen und seiner Heiligkeit. Bye Bye!
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