MC 218: Glaube ich noch an den Teufel?

In diesem Movecast geht es um den Teufel und das Böse. Martin Benz erklärt, dass er den Teufel und Dämonen nicht als personifizierte Wesen betrachtet. Diese Vorstellung stammt historisch eher aus den Pseudepigraphen des Judentums und führt zu erheblichen theologischen Problemen. Er bekräftigt jedoch seinen Glauben an die reale, metaphysische Macht des Bösen, das sowohl in individuellen Taten als auch in systemischen Strukturen wirkt. Biblische Begriffe wie „Teufel“ oder „Dämonen“ sind oft phänomenologische Metaphern für dieses Böse, wobei die Botschaft Jesu die Überwindung dieser Macht durch seine Kraft, Liebe und Auferstehung ist. Als eigentliche Ursünde identifiziert er jede Form der Entmenschlichung. Darum wird das Böse am besten durch Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit überwunden.

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Transkript:

Willkommen zu Movecast, dem Podcast, der etwas bewegen möchte. Mein Name ist Martin Benz, und jetzt geht’s los.

Vielen Dank an der Stelle allen, die Movecast finanziell unterstützen. Dieser Podcast lebt von Spenden und damit auch meine Tätigkeit. Und ich freue mich über alle, die einen Beitrag leisten, einmalig oder auch regelmäßig. Danke für die ungefähr 4- bis 5.000 Menschen, die jede Woche Movecast downloaden und hoffentlich auch anhören. Wer hätte das gedacht, als ich da vor ungefähr 10 Jahren damit gestartet habe…?

Und heute gehe ich der Frage nach mit dem provokativen Titel „Gibt es einen Teufel, glaube ich an den Teufel?“ Die Frage wird mir immer wieder gestellt. Da kommen immer wieder Mails dazu: „Was denkst du denn darüber?“ Und heute gehe ich dieser Frage in diesem Podcast einmal nach.

Die meine Biographie ein wenig kennen, die wissen, dass ich in meiner Jugend und als junger Mann eine sehr charismatische Vergangenheit hatte. Ich war ja 25 Jahre Pastor einer Vineyard-Gemeinde, und insofern hatte ich mit dem ganzen Thema Teufel, Dämonen, Satan, Exorzismus, Charismatik, Heiliger Geist ganz viel zu tun. Es gehörte am Anfang zu meiner üblichen Seelsorgepraxis, dass man bösen Geistern gebietet, oder dass man Dämonen vertreibt. Ich habe auch persönlich mit anderen zusammen in der Seelsorge Dämonen ausgetrieben. Wir haben also darum gebetet, dass Menschen frei werden von Dämonen. Wie weit das mit Erfolg gekrönt war, das ist eine andere Frage. Die Leute haben gesagt, sie haben was gespürt, aber nachhaltig habe ich nicht so oft erlebt, dass sich da wirklich gravierend etwas verändert hat.

Und als ich meine erste Gemeinde gegründet habe, die Gemeinde 2000 im Jahr 1993, da war es ein ganz großes Thema für mich bei dieser Neugründung, die Mächte, die Geister, die Engelfürsten in der Himmelswelt zu binden. Wir haben das auch intensiv praktiziert, und für mich war das damals eine ganz wichtige theologische Erkenntnis, dass es da Mächte im Himmel gibt, Engelwesen, so wie sie im Danielbuch beschrieben werden, Engelfürsten über Persien, über Griechenland und eben auch über der Schweiz oder über Basel, und die müssen mit Hilfe anderer Engel und mit dem Gebet und dem Einsatz und dem Fasten der Christen gebunden werden. Das hat eine ganz große Rolle gespielt bei dieser ersten Gemeindegründung.

Und ich kann mich auch noch daran erinnern, dass ich in den 80er Jahren ein erstes Mal jemanden kennengelernt habe, der in der Seelsorge sich geoutet hat, dass er homosexuell empfindet. Und dann habe ich mit jemandem zusammen für diese Person gebetet und dem Geist, dem Dämon der Homosexualität geboten, dass er diesen Mann verlassen soll. Und das war damals eben meine Vorstellungswelt, ich habe das so geglaubt, dass hinter Homosexualität eine dämonische Kraft steckt und habe eben versucht, diesem Mann dadurch zu helfen. Das hat allerdings nichts bewirkt. Die Person hat weiterhin homosexuell empfunden, und ich habe viele Jahre später diesen Mann bewusst aufgesucht und habe ihn gefragt, ob wir miteinander reden können und ich habe mich dann auch ganz konkret bei ihm entschuldigt für diese Art und Weise, wie ich vorgegangen bin, für diese Dämonisierung seines Empfindens. Und ich konnte ihn um Vergebung bitten.

Gleichzeitig ist mir bewusst, dass das an vielen Orten immer noch so praktiziert wird, dass Menschen, die sich in der Seelsorge als homosexuell outen, dann gleich als dämonisiert gelten und man eben versucht, das Problem dadurch zu lösen, dass man Dämonen austreibt. Ich kann auf alle Fälle deutlich sagen, dass ich mich von dieser Sichtweise weit entfernt habe, gerade was den Zusammenhang zwischen Homosexualität und Dämonisierung anbetrifft.

Also, wo stehe ich heute? Jetzt lebe ich seit 58 Jahren auf dieser Welt und ich glaube, je älter ich werde, je mehr Erfahrung ich in dieser Welt sammle, je mehr Lebenserfahrung ich sammle, je mehr Begegnungen ich habe, desto mehr glaube ich daran, dass Gott immer noch das Leben zum Blühen bringen möchte. Ich bin überzeugt von der Güte Gottes, und ich glaube an die gute Botschaft, das Evangelium. Aber gleichzeitig bin ich mir der Macht des Bösen in dieser Welt sehr bewusst. Ich glaube, es gibt Böses in dieser Welt. Man muss nur in die Welt schauen, man muss nur mit offenen Augen durch die Welt laufen, um wahrzunehmen, da gibt es abgrundtief Böses in dieser Welt.

Für mich war oder ist eine der schlimmsten Formen, Ausdrucksformen des Bösen, die Shoah, der Holocaust. Ich habe mich damit intensiv auseinandergesetzt. Ich habe mal ein Semester Judaistik auf der jüdischen Hochschule in Heidelberg studiert, und da habe ich mir ganz viele Dokumentationen und Literatur und so weiter reingezogen, Originaldokumente aus der Zeit des Holocausts. Und ich muss sagen, das, was damals geschehen ist im Dritten Reich in Nazi-Deutschland, das ist für mich einer der Höhepunkte, die schlimmste Ausdrucksform des Bösen.

Aber auch wenn ich an Krankheiten denke, die Menschen furchtbar plagen oder leiden lassen. Wenn ich mir die Kriege auf der Welt anschaue, wenn ich mir Verbrechen anschaue, Mord, wie Menschen miteinander umgehen, wie Menschen unversöhnlich sind, wie es Streit gibt, wie es Hass gibt auf der Welt, das sind alles für mich Ausdrucksformen des Bösen. Insofern kann ich auf alle Fälle sagen, ich glaube nach wie vor, dass es die Kraft oder die Macht des Bösen gibt. Das ist für mich eine metaphysische Kraft. Ich kann nicht erklären, woher die kommt. Ich weiß nur, es gibt sie. Ich weiß nicht, was ihr Ursprung ist oder wer für sie verantwortlich ist. Ich glaube, es ist uns auch nicht gegeben, das zu wissen. Auch die Bibel schweigt sich aus über den Ursprung des Bösen.

Und ich merke, es gibt das Böse außerhalb von mir. Das schleicht sich an mich heran. Es flüstert mir etwas ein in Form von Versuchung, Verführung. Es will mich dazu bringen, ebenfalls das Böse zu tun, zu hassen, neidisch zu sein, gierig zu werden, mich nicht zu versöhnen, hartherzig zu bleiben und so weiter. Ich spüre das Böse aber auch in mir selbst. Ich selber trage böse Anteile in mir. In mir steckt nicht, also in mir ist nicht alles geheiligt, nicht alles wunderbar und liebevoll. In mir hat es böse Anteile, da steckt Böses in mir drin, das mich nicht in der Lage sein lässt, zu jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit das Richtige und das Gute und das Liebevolle und das Barmherzige zu tun.

Seit Anfang der Zeit machen sich Menschen darüber Gedanken, woher das Böse kommt. Warum existiert es? Wie wirkt es? Und wie schützen wir uns davor? Und die antike Welt war dominiert von Religiosität. Alle Menschen waren Theisten. Alle Menschen haben in irgendeiner Form an Gott oder Götter geglaubt. Und man hat darum vom Glauben her versucht, das Phänomen des Bösen zu klären. Diese Erklärungsmodelle, die fallen dann natürlich auch sehr unterschiedlich aus.

Das Judentum ist ganz stark geprägt von dem Glauben an einen Gott. Und das prägt auch ihr Verständnis des Bösen. Für das frühe Judentum ist es undenkbar, dass es neben Gott noch einen anderen bösen Gott gibt. Da ist Gott alles in allem. Er vereint auch alles in sich. Dem Propheten Amos kann Gott sagen: „Wird in der Stadt Alarm geblasen, ohne dass ein Bewohner erschrickt? Geschieht ein Unglück in der Stadt, ohne dass Jahwe es bewirkt?“ Und in den Klageliedern 3, 38 schreibt der Prophet Jeremia: „Geht nicht aus dem Mund des Höchsten hervor das Böse und das Gute?“ Und in Jesaja 45 Vers 7 lesen wir: „Ich bin es, der Licht und Finsternis macht, der Frieden gibt und Unheil schafft. Ich, Jahwe, bin es, der das alles tut.“ Also in dieser Phase des Judentums ist der Monotheismus so stark ausgeprägt, dass alles Gute und auch alles Böse von Gott ausgeht. Da gibt’s keine zwei Mächte, keine zwei Energien in der Welt, sondern alles in allem. Das Gute und das Böse, das Heil und das Unheil kommt alles von Gott.

Und relativ schnell merkt man jetzt als christlicher Zuhörer: So, ups, das klingt aber seltsam. Steht im Neuen Testament nicht das Gegenteil? In Jakobus 1, 17 steht: „Von oben kommen nur gute Gaben und nur vollkommene Geschenke. Sie kommen vom Schöpfer der Gestirne, der sich nicht ändert und bei dem es keinen Wechsel von Licht zu Finsternis gibt.“ Also, bei Jesaja ist es noch Gott, der Licht und Finsternis, Heil und Unheil bewirkt, der eben mal wechselt von Licht zu Finsternis, und Jakobus kann sagen: „Augenblick mal. Nein, von Gott kommt nur das Gute, da kommt gar nichts Böses von Gott, da gibt es keine Finsternis in Gott. Das geht gar nicht, dass Gott beides hervorbringt.“ Da hat sich offensichtlich etwas geändert. Wir merken, die ganze Sichtweise, was das Böse anbetrifft, das hat sich im Laufe der Bibel geändert. Und diese Veränderung, die möchte ich jetzt gerne mal mit euch anschauen.

Zunächst einmal spielt der Teufel oder der Satan im Alten Testament so gut wie gar keine Rolle. Das hebräische Wort Satan, das heißt zunächst einmal nur Gegner oder Widersacher. Und es wird z.B. verwendet in der Textstelle in 1. Samuel 29, wo die Philister sagen: „Hey, dieser David, der darf auf keinen Fall in unserer Armee mitkämpfen, selbst wenn der gerade zu uns übergelaufen ist, er wird am Ende doch noch unser Gegner oder Widersacher. Er wechselt vielleicht die Seiten während dem Kampf.“ Also Satan ist das normale Wort für einen Gegner, das gebraucht wird. Insgesamt kommt das Wort Satan 22 Mal vor im Alten Testament. Und die meisten Textstellen meinen solch einen menschlichen Widersacher.

Es gibt jetzt nur drei Stellen, drei Stellen, wo Satan als nichtmenschlicher Widersacher bezeichnet wird. Und die populärste Stelle ist natürlich das Hiob-Buch, in dem Satan als Ankläger vorkommt. Die zweite Stelle ist eine Stelle in 1. Chronik Kapitel 21 Vers 1, wo David von Satan dazu verführt wird, das Volk zählen zu lassen und sich damit zu versündigen. Übrigens, in der Parallelstelle im Samuelbuch steht dort nicht Satan, sondern Jahwe. Also bei Samuel ist es noch Jahwe, der David zur Volkszählung verführt. In den Chronikbüchern ist es dann der Satan, der David zur Volkszählung verführt. Da hat sich also etwas verändert. Und die dritte Stelle, die finden wir im Sacharja-Buch, Propheten Sacharja Kapitel 3 Vers 1 und 2, wo der Satan den Hohepriester anklagt. Dort heißt es: „Jetzt ließ er mich den Hohepriester Jeschua (oder Joschua) sehen, der vor dem Engel Jahwes stand, während sich der Satan rechts neben ihn stellte, um ihn anzuklagen.“ Es gibt also im gesamten Alten Testament nur drei Stellen, an denen der Satan auftritt, um die Menschen anzuklagen oder zu verführen. Also, der Satan spielt im Alten Testament so gut wie keine Rolle.

Bedeutung erlangt er erst in der sogenannten zwischentestamentarischen Zeit. Also in jüdischen Schriften ab dem 4. Jahrhundert vor Christus. Diese Schriften, die nennt man auch Pseudepigraphen, und die haben bei uns keinen Eingang gefunden ins Alte Testament oder in den Kanon, sondern das sind apokryphe jüdische Schriften, und die malen jetzt ein ganz ausführliches Bild verschiedener böser Gestalten, verschiedener böser Herrscher. Und zwar himmlischer Herrscher. Ein zentraler Gedanke in diesen Schriften ist die Idee von gefallenen Engeln, von bösen Engeln, die den Menschen all das Böse und all die Sünde beibringen. Im Alten Testament in 3. Mose 16 taucht ein Wesen auf, das nennt sich Asasel. Zu ihm wurde am Jom Kippur der Sündenbock hinausgesandt in die Wüste. Man weiß nicht genau, wer dieser Asasel war. Die Bibel erklärt das nicht weiter. Aber das erste Henochbuch, auch so ein pseudepigraphisches Buch, das greift diesen Asasel auf und macht ihn zu einem gefallenen Engel, zum Anführer von gefangenen Engeln. Er wird zu einem Rebellen, der die Rebellion von Engeln anleitet. Und das ist dann eben Asasel. Ich lese euch mal so ein paar Ausschnitte aus dem Henochbuch vor. Ich habe das hier zuhause, und da heißt es z.B.: „Und die ganze Erde ist verderbt worden durch die Lehre der Werke Asasels und ihm schreibe alle Sünden zu.“ Oder es heißt: „Und Asasel lehrte die Menschen Schwerter und Messer, Schilde und Brustpanzer verfertigen. Und er zeigte ihnen die Bearbeitung und Armspangen und Schmucksachen und die Kunst, die Augen zu schwärzen und die Verschönerung der Augenbrauen und das allerkostbarste und auserlesenste Gestein und allerlei Farbtinkturen und die Tauschmittel der Welt.“ Und Henoch ging hin und sagte zu Asasel: „Du wirst keinen Frieden haben. Ein gewaltiges Urteil ist über dich ergangen, dich zu fesseln. Milde und Fürbitte wird dir nicht zuteilwerden wegen der Gewalttat, die du gelehrt hast und wegen all der Werke der Lästerung, Gewalttat und Sünde, die du den Menschen gezeigt hast.“ Und eine letzte Stelle aus dem Henochbuch: „Und er sprach zu mir, diese werden für das Heer Asasels bereitet, um sie zu nehmen und in die äußerste Verdammnis zu werfen, wie der Herr der Geister befohlen hat. Und Michael, Gabriel, Rafael und Phanuel, die werden sie an jenem großen Tage packen und sie an jenem Tage in den brennenden Ofen werfen, damit der Herr der Geister an ihnen Rache nehme für ihre Ungerechtigkeit.“ Es kommt im Henochbuch auch der Begriff Satan vor, aber eher als Sammelbegriff für verschiedene böse Engel.

Es gibt ein anderes Buch, das Jubiläenbuch, und darin wird das Böse personifiziert mit dem Ausdruck Mastema. Das ist der Fürst der Feindseligkeit. Er ist der Anführer der Dämonen. Auch er leitet eine Rebellion an und versucht die Menschen anzuklagen, zu versuchen, alles mit der Erlaubnis Gottes. Er ist sozusagen ein untergeordneter Agent des Gerichts. Und in den Texten von Qumran taucht dann der sogenannte Belial auf. Er ist der Anführer der Söhne der Finsternis. Er wird zum kosmischen Gegner, zum Verderber, zum Feind Gottes im dualistischen Sinne. Hier kommt also ein ganz starker Dualismus hinein in das jüdische Denken. Diese ganze Vorstellungswelt von gefallenen Engeln, von gefallenen Dämonen, die z.B. aus der Vereinigung von Menschen mit Engeln hervorgegangen sind, so wird es z.B. auch in Genesis 6 geschildert. Die spielen jetzt eine ganz wichtige Rolle in der Welt, in die Jesus hineingeboren wird. Das Judentum zur Zeit Jesu ist ganz stark geprägt von dieser vorchristlichen jüdischen und zum Teil auch griechischen Vorstellungswelt über das Böse, den Teufel, den Satan, den Belial, Asasel oder den Beelzebub. Es gibt also ganz unterschiedliche Namen. Alle verbinden irgendwie eine Rebellion gegen Gott, und diese Mächte werden zunehmend eigenständig.

Und im Neuen Testament wird dann der Satan zum Gott dieser Welt. Er hat sein eigenes Reich, seine eigenen Engel, seine eigenen Dämonen und so weiter. Wenn im Alten Testament der Satan so gut wie gar keine Rolle spielte, wird er in der zwischentestamentarischen Zeit zunehmend zum Gegenspieler Gottes, der über sein eigenes Reich und eigene Engel verfügt. Er wird zum Fürsten und eben zum Gott dieser Welt. Und in diese Zeit hinein wird Jesus geboren und beginnt er seine Wirksamkeit. Und nun ist es ganz natürlich und auch ganz verständlich, dass Jesus sich auf diese Vorstellungswelt einlässt. Das ist in der Bibel immer so, dass sich die Autoren und die Protagonisten auf die Zeit einlassen, in der sie auftreten und wirken. Wenn also Jesus von dem Phänomen des Bösen redet, dann lässt er sich ganz auf die Vorstellungswelt dieses antiken Judentums im ersten Jahrhundert ein. Jesus verwendet die Begriffe, er verwendet die Vorstellungen, um deutlich zu machen, dass er nun derjenige ist, der dieses Böse konfrontiert, besiegt und überwindet. Also, Jesus macht sich gar nicht die Mühe zu sagen: „Ja, Leute, eigentlich ist das alles ganz anders mit dem Teufel. Ihr dürft euch das gar nicht so personifiziert vorstellen. All diese unterschiedlichen Namen Asasel, Satan, Mastema, Belial, Beelzebub, Teufel, das muss ich jetzt mal klarstellen!“ Nee, macht er alles nicht. Das lässt er alles bleiben, sondern er greift einfach diese Bilder, diese Bezeichnungen, diese Namen auf. Er greift diese Vorstellungswelt auf mit einem Ziel, nämlich deutlich zu machen, dass in ihm all dieses Böse überwunden wird und dass die Macht des Bösen besiegt wird. Er greift die damalige Vorstellung eines Teufels, eines Satans von Engeln und so weiter auf mit der großen Absicht, zu zeigen: Wenn das Reich Gottes kommt, wenn ich der Sohn Gottes bin, dann habe ich Macht über alle Gewalt des Bösen und über alle Gewalt des Feindes. Das ist die Pointe. Das ist das Zentrum in der Botschaft Jesu. Wenn Jesus also Dämonen austreibt oder von Dämonen oder vom Teufel spricht, dann will er damit nicht die Vorstellungswelt des antiken Judentums für wahr erklären oder bekräftigen, sondern er greift das einfach auf mit dem einen Ziel, dass er der viel Größere ist, dass ihm alle Gewalt gegeben ist und dass der Fürst dieser Welt jetzt besiegt, entmachtet und gerichtet ist.

Und an dieser Stelle ist es mir auch ganz wichtig, einmal ein paar Missverständnisse zu klären. Das erste Missverständnis  besteht darin, zu glauben dass in der Erzählung vom Sündenfall der Teufel auftaucht. Aber die Personen, die dort handeln, sind Eva, Adam und eine sprechende Schlange. Der Teufel kommt nirgends vor in dieser ganzen Geschichte. Dort kommt nirgends das Wort Teufel, Satan oder sonst etwas vor. Diese Geschichte vom Sündenfall, die spielt mit einer Schlange, die handelt von einer Schlange und nicht von dem Teufel. Es sind wiederum spätere jüdische Texte, die sagen, dass diese Schlange im Paradies der Teufel war.

Zweites Missverständnis: Im Alten Testament wird der Teufel bereits als gefallener Engel oder gar als Luzifer bezeichnet. Aber:  Es ist ebenfalls im Alten Testament der Teufel an keiner einzigen Stelle ein gefallener Engel oder gar Luzifer. Es gibt eine Stelle in Jesaja 14, wo ein irdischer Machthaber, ein irdischer König als Sohn der Morgenröte bezeichnet wird. Lateinisch Luzifer. Und das wurde irgendwann wiederum in späten jüdischen Schriften auf den Teufel übertragen. Aber im Alten Testament selbst ist das noch überhaupt nicht so.

Im Alten Testament gibt es keinen gefallenen Engel namens Luzifer und der Teufel spielt auch keine Rolle beim Sündenfall. Was wir allerdings erleben, vor allem in der Offenbarung, ist, dass all die Begriffe zusammengenommen werden, so dass es z.B. in Offenbarung 12 Vers 9 heißt: „Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die der Teufel und Satan genannt wird, der die ganze Welt verführt.“ Hier wird deutlich, dass letztlich alle Begriffe vom selben sprechen, vom Bösen. Und Paulus macht in Epheser 6 deutlich, dass es eben Herrscher und Machthaber des Bösen und der Finsternis gibt, gegen die wir zu kämpfen haben. Es heißt da: „Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“

Also alles wird hier von Paulus personifiziert. Jesus nennt den Teufel in Matthäus 10 Beelzebub, und Paulus bezeichnet den Teufel in 2. Korinther 6 als Belial. Das sind die Begriffe aus diesen Pseudepigraphen, diesen zwischentestamentarischen Schriften, die werden jetzt alle im Neuen Testament an irgendeiner Stelle aufgegriffen, aber wiederum nur mit dem einen Ziel: Egal, wie ihr es nennt, egal, welche Tradition eure Tradition ist, egal welches apokryphe oder apokalyptische Buch ihr gerade favorisiert, am Ende geht’s darum, dass sie von diesem Christus, von diesem Jesus, von diesem Rabbi aus Nazareth, von dem auferstandenen Herrn überwunden und besiegt werden. Egal, ob ihr es Belial, Beelzebub, Satan, Teufel, Diabolos, Schlange, Drache oder wie auch immer nennt, es gibt einen, der diese Macht des Bösen überwindet und besiegt, vor allem durch seine Auferstehung. Und darum kann Jesus sagen: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden.“

Ja, glaube ich jetzt an einen Teufel? Gibt’s für mich den Teufel und Dämonen? Also, ich glaube an das Böse, an die Macht des Bösen. Diese Macht ist bis heute existent und wirksam. Aber es ist für mich nun nicht hilfreich und nicht notwendig, diese Macht des Bösen zu personifizieren als Teufel, als Satan, als Belial, als Weltbeherrscher oder als Engel, der in der Finsternis herrscht. Das Alte Testament macht das auch nicht oder nur ganz wenig, eben dreimal taucht Satan auf. Es gab diese Phase im Judentum, da schien es ganz, ganz wichtig zu sein, das Böse zu personifizieren und diesem Bösen unterschiedliche Namen zu geben. Und die habe ich jetzt ja alle schon in diesem Podcast aufgezählt. Und das war offensichtlich für eine antike Vorstellungswelt eben wichtig, dass Dinge personifiziert werden. Ganz extrem macht das dann auch  die neutestamentliche Offenbarung. Dort wird alles personifiziert oder symbolisiert. Das ist das Merkmal von diesem bildhaften symbolischen letzten Buch der Bibel. Dort wird auch der Tod als fahles Pferd symbolisiert, Rom wird als Hure personifiziert, die Gemeinde als Braut, das Reich Gottes als himmlische Stadt. Irrlehre und religiöse Verführung wird zum falschen Propheten, Jesus Christus wird zum Lamm, gottfeindliche und korrupte Mächte werden zu Babylon. Das Volk Gottes wird zu einer Frau, die mit der Sonne bekleidet ist.

Also, die Personifizierung oder die Symbolisierung metaphysischer Kräfte oder umfangreicher und universeller Gegebenheiten, das ist der Stil dieses Buches. Aber deswegen ist der Tod noch lange kein Pferd und Rom noch lange keine Hure und gottfeindliche Mächte sind kein Tier, das aus dem Wasser steigt, sondern man  personifiziert oder symbolisiert diese Dinge, um besser mit ihnen umgehen zu können, um bessere Narrative entwickeln zu können und um chiffriert von ihnen sprechen zu können. Wenn ich also im Neuen Testament oder sonst irgendwo in der Bibel von Teufel – also Diabolos griechisch – oder von Satan – hebräisch – oder von Belial oder von Beelzebub oder von Drachen oder von Schlange lese, dann ersetze ich all das in meinem Kopf mit dem einfachen Ausdruck „das Böse“ oder „die Macht des Bösen“, denn von dieser Macht bin ich überzeugt. Was ich nicht brauche und nicht machen muss, ist, diese Macht des Bösen irgendwie zu personifizieren als Teufel, als Satan, als gefallener Engel oder als Dämonen.

Für eine antike Welt waren diese Personifizierungen ganz wichtig, denn dieser Welt fehlten noch die Metabegriffe, die metaphysischen Vorstellungen. Es fehlten abstrakte Sammelbegriffe. Man  kannte noch nicht das Wort Menschheit, sondern man sprach von „Jung und Alt“. Man redet von „Arm und Reich“ und meint damit die gesamte Gesellschaft. Man spricht von „Anfang und Ende“ und meint damit eine ganze Epoche, denn solche abstrakten Begriffe sind der Bibel eben noch fremd. Und deswegen spricht sie auch nicht metaphysisch von der Macht des Bösen, sondern sie spricht vom Teufel, von gefallenen Engeln, von Engelfürsten und von Dämonen.

Und wir müssen uns bewusst machen, dass die Personifizierung des Bösen in Form eines Teufels oder eines Satans auch ganz viel Problematisches an sich hat. Denn sobald man den Teufel personifiziert, wird entweder der Teufel zu groß oder das Böse zu klein. Was meine ich damit? Die Bibel macht uns bewusst, und wir selber nehmen das auch genauso wahr, dass die Macht des Bösen, das Böse an sich, allgegenwärtig ist. Das Böse, das ist hier bei mir in Lörrach, es ist gleichzeitig in Hamburg, in New York, in Washington, in Rio oder in Nairobi, wo auch immer. Das Böse ist allgegenwärtig.

Die Personifizierung des Teufels hat jetzt aber Schwierigkeiten mit dieser Idee der Allgegenwart des Bösen. Ein Problem wäre die Überhöhung des Teufels. Wenn das Böse keine metaphysische Größe ist, sondern wirklich der Teufel, der Satan, also personifiziert, dann kann das Böse ja nur überall gleichzeitig gegenwärtig sein, wenn auch der Teufel überall gleichzeitig gegenwärtig ist. Dann müssen wir dem Teufel das Attribut der Allgegenwart zuschreiben. Dann wird der Teufel allgegenwärtig. Und in den Köpfen vieler Christen ist das auch so. Da ist der Teufel so allgegenwärtig wie Gott. Der Teufel kann überall sein, überall gleichzeitig sein, deswegen kann er überall gleichzeitig Menschen in Versuchung führen, Menschen zum Bösen verlocken und so weiter. Und für viele Christen ist der Teufel auch allwissend, der kann unsere Gedanken lesen, der weiß die Geheimnisse unseres Herzens, der weiß ganz genau, was in uns drin steckt und wie es in uns drin aussieht.

Und was jetzt passiert, ist, dass der Teufel auf eine Stufe mit Gott kommt. Wie Gott ist der Teufel allwissend und allgegenwärtig. Und dann haben wir eine deutliche Überhöhung des Teufels, denn das darf niemals sein, dass der Teufel über göttliche Attribute verfügt. Selbst wenn ich das glauben würde, dass der Teufel ein gefallener Engel ist, dann kommt es mir natürlich nicht im Entferntesten in den Sinn, dass Engel allgegenwärtig sind oder dass Engel allwissend sind. Wenn wir in das Danielbuch schauen, da geht’s ja um Engelfürsten, die in der Himmelswelt mit anderen Engelfürsten kämpfen. Da kämpft der Engelfürst Gabriel gegen den Engelfürsten von Griechenland und dann wird er von dem aufgehalten, und dann muss ihm der Engelfürst Michael zur Hilfe kommen und erst dann kann er den Kampf beenden und kann weiterreisen zu Daniel, deswegen musste Daniel 21 Tage warten. Engel sind also gebunden an Zeit und Raum, die können nicht gleichzeitig hier und dort sein. Aber genau das würden wir dem Teufel zuschreiben und damit den Teufel vergöttlichen. Und das wäre eine ganz tragische Überhöhung des Teufels durch seine Personifizierung.

Wenn ich dem Teufel aber diese Attribute verweigere und er nicht allwissend und nicht allgegenwärtig ist, dann ist das Böse plötzlich nicht überall gegenwärtig. Und in dem Fall, wenn das Böse so abgeschwächt wird, dass der Teufel eben nur ein lokal begrenzter Böser ist, der nur dort Böses anrichten kann, wo er gerade ist, dann schwächen wir die Idee des Bösen massiv ab, jedoch wir alle nehmen wahr, das Böse ist eben nicht lokal begrenzt. Es spielt zu allen Zeiten überall gleichzeitig eine Rolle. Es ist allgegenwärtig. Und aus genau dem Grund halte ich nichts von der Personifizierung des Bösen in Form von Teufel, Satan, Beelzebub, Drache oder wie auch immer.

In der Welt der Bibel, da scheint es wichtig zu sein, das Böse zu personifizieren, und darum wird es z.B. in der Erzählung vom Sündenfall durch eine Schlange personifiziert, und in der Qumran-Gemeinschaft wird eben das Böse mit Belial personifiziert, und in der Offenbarung wird das Böse mit einem Drachen personifiziert, und in den Evangelien wird das Böse mit dem Teufel, Diabolos oder den Dämonen personifiziert. Denn diese Personifizierung, die hat auch ihre Vorteile: Ich kann wesentlich besser mit dem Bösen umgehen. Dämonen kann man austreiben. Man kann sie in Schweine schicken, und gefallene Engel kann man in den Feuersee werfen. Für eine antike jüdische Gesellschaft, die nur ganz wenig philosophisch tickt, kaum metaphysisch reflektiert und nur wenig abstrakt denkt, sind das alles hilfreiche Symbole, Metaphern und Chiffren, um die Bedrohlichkeit des Bösen benennen, einfangen, umreißen und damit auch irgendwie begreifen zu können.

Aber die Personifizierung des Bösen hat noch eine weitere Problematik. Und den Gedanken habe ich von Walter Wink, der ganz stark vom systemisch Bösen spricht, auch von systemischer Sünde spricht. Wir müssen uns nämlich bewusst machen, dass es auch systemisch Böses gibt. Wenn man das Böse immer personifiziert, dann ist es am Ende zu klein, zu lokal, und man macht sich nicht bewusst, dass das Böse nicht nur im Detail steckt, sondern manchmal im ganzen System, in ganzen Institutionen, in Philosophien. Die Gefahr ist sonst sehr groß, dass Christen das Böse immer im Detail, in der einzelnen Sünde, in der einzelnen Tat suchen, in diesem Ehebruch, in diesem Diebstahl, in dieser Unmoral, aber keine Probleme damit haben, mit bösen Systemen zusammenzuarbeiten oder ein Teil einer perversen Ideologie oder des Materialismus, des Nationalismus oder des Kapitalismus zu werden und dabei nicht zu bemerken, wie sehr gerade dort das Böse am Wirken ist und Menschen krank macht oder zerstört.

Die Aussagen des Neuen Testaments über Besessenheit oder über Dämonen und so weiter sind für mich phänomenologische Aussagen und nicht ontologische Aussagen. Sie beschreiben das Phänomen des Bösen, das, was man vorfindet, was sich ereignet, was ein Mensch erlebt, wie er geplagt wird oder eben besetzt ist vom Bösen. Sie machen aber keine ontologische oder theologische Aussage über das Wesen des Bösen an sich. Wenn Jesus also Dämonen austreibt, dann sind das in der Vorstellungswelt des ersten Jahrhunderts tatsächlich irgendwelche komische Geistwesen, die in einen Menschen eindringen und jetzt irgendwo in ihm hausen, und dann werden sie vertrieben und dann durchziehen sie wasserlose Städte und flüchten sich in Schweineherden und fallen dann ins Meer und so weiter. Das sind also ganz konkrete personifizierte plastische Vorstellungen. So wird das erzählt, das ist die Welt des ersten Jahrhunderts.

Was dahinter steckt, ist eine ganz reale Erfahrung des Bösen. Menschen können so besetzt und erfüllt sein von der Macht des Bösen, dass ihre eigentliche Persönlichkeit dahinter verschwindet, und da hilft ihnen nur noch eines: nämlich die Macht Gottes, die sie von dieser Macht des Bösen befreit. Es spielt für mich heute keine Rolle mehr, ob dahinter wirklich kleine Kreaturen stecken, die man Dämonen nennt, oder ob es eine psychiatrische Erkrankung ist, ein Gendefekt, geistige Demenz oder eine vollkommen verbogene Persönlichkeit. Ich nehme einfach wahr, dass es Böses gibt, das einen massiven Einfluss auf das menschliche Leben und auf die menschliche Seele hat. Und darum brauchen wir die Kraft Gottes, das Heil Gottes, die Auferstehungskraft Jesu, Vergebung, Versöhnung, Wiederherstellung, um gegen das Böse vorzugehen und es zu überwinden.

Was ist also mein Fazit? Ich glaube heute nicht mehr an das personifizierte Böse im Sinne von Teufel oder Dämonen. Wie die Menschen zu allen Zeiten nehme ich aber das Phänomen des Bösen wahr. Aber ich muss es nicht länger personifizieren oder in gefallenen Engeln und Dämonen lokalisieren. Ich glaube vielmehr an die Macht des Bösen, und dieses Böse, das zeigt sich in einzelnen Taten, in einzelnen Gedanken, aber auch im systemisch Bösen. Paulus kann sagen: „Lasst euch nicht vom Bösen überwältigen, sondern überwindet das Böse mit Gutem.“ Die Antwort auf das Böse ist das Gute. Wo immer Gutes geschieht, wird das Böse zurückgedrängt. Wo immer ein Licht angezündet wird, wird die Finsternis überwunden. Es ist die gute Botschaft, die das Böse überwindet. Es sind die guten Werke, die die Werke der Finsternis zurückdrängen.

Und das kann ich jetzt nur ganz kurz erwähnen. Das wird ein ganz ausführliches Kapitel in meinem neuen Buch sein mit dem Titel „Wenn die Kirche nicht mehr passt“, aber die eigentliche Sünde, die Ursünde, das eigentliche Böse ist jede Form von Entmenschlichung. Wo immer Menschen entmenschlicht werden, geschieht die eigentliche Sünde und das eigentliche Böse. Und wo immer Menschen wieder zu Menschen werden, also vor allem im Sinne von Mitmenschlichkeit, wird das Böse und Sünde überwunden. Und deswegen geschieht die wahre Dämonenaustreibung, also die wahre Vertreibung des Bösen immer dort, wo Menschen wieder Menschen werden.

Denkt nur an den besessenen Gerasener. Der wird so sehr oder der war so sehr besetzt von der Macht des Bösen, dass er seine ganze Menschlichkeit verloren hat. Er war gemeingefährlich, er war schamlos, grenzenlos. Er ist nackt umhergerannt. Man konnte ihn nicht mehr binden mit Fesseln oder mit Ketten. Er war nicht mehr in der Lage, zu sprechen, sondern sofort haben die Dämonen aus ihm herausgesprochen. Da war nichts mehr übrig von diesem Menschen und seiner Persönlichkeit.

Und jetzt befreit Jesus ihn von dieser Legion Dämonen, dieser ungeheuren Entmenschlichung – und zurück bleibt der eigentliche Mensch. Dieser Gerasener wird wieder zum Menschen – ein Mensch, der wieder normal leben kann, der wieder vernünftig ist, ein Schamgefühl besitzt, Skrupel kennt, denken und reden kann und der vor allem Jesus nachfolgen möchte. Und diese Legion Dämonen, das ist für mich die Personifizierung oder die Umschreibung davon, dass dieser Mensch ganz in der Gewalt von etwas Bösem war, von der Macht des Bösen, das sich irgendwo in seinem Herzen, in seiner Seele und in seinem Denken eingenistet und festgefressen hat. Aus irgend einem Grund war dieser Mensch ganz  Opfer von etwas Bösem, das ihn entmenschlicht hat, das ihm die Fähigkeit, wirklich Mensch zu sein, sozial zu sein und sich selbst zu kontrollieren, genommen hat.

Und nun begegnet er der Kraft Gottes in Jesus. Und diese Kraft vertreibt das Böse. Sie löst ihn vom Bösen, so dass er wieder ein Mensch sein kann, einen Bezug bekommt zu sich und zu seiner Umwelt. Und darum macht es so viel Sinn, wenn Jesus im Vaterunser sagt: „Und erlöse uns von dem Bösen.“ Man könnte auch sagen: „Löse uns von dem Bösen.“ Also, das ist nicht nur die Bitte, dass Gott uns bewahrt vor den Angriffen des Teufels, sondern es heißt: „Befreie mich von dem Bösen, von der Macht des Bösen, das meiner habhaft werden möchte, das mich beeinflussen möchte. Löse mich von dem Bösen, das mich bereits im Griff hat, das mein Verhalten im Griff hat, das mein Denken im Griff hat, dass ich eben ungeduldig bin mit den Kindern, dass ich nicht zur Versöhnung bereit bin, dass ich mich immer bereichern will. Löse mich vom Bösen, das mich hier und da im Griff hat.“

So, das war jetzt mein Versuch, die Frage zu klären, was es mit dem Bösen auf sich hat und ob ich an den Teufel glaube. Ich hoffe, das hat für euch einigermaßen Sinn gemacht. Vielen Dank für eure Geduld und bis zum nächsten Mal.