MC Mini 231: Barmherzigkeit ohne Verfallsdatum – Was ein Gleichnis über Gottes Charakter verrät.

Viele von uns tragen ein Gottesbild mit sich herum, das ein Verfallsdatum hat: Gott ist lieb und barmherzig, solange wir „mitspielen“. Doch wehe, wir versagen oder stehen im Gericht – dann, so die weitverbreitete Angst, verwandelt sich der liebende Vater in einen gnadenlosen Richter.

In dieser Folge schaut Martin Benz auf die berühmten Worte Jesu aus Matthäus 7 und Lukas 11: Brot oder Stein? Fisch oder Schlange?

Die Kernthemen der Folge:

  • Die Logik des „Wie viel mehr“: Wenn schon wir – mit all unserer Ungeduld, unseren Fehlern und unserer eigenen Bosheit – es schaffen, unseren Kindern Gutes zu geben, wie kommen wir auf die Idee, dass Gott weniger empathisch wäre?
  • Das toxische Gottesbild: Warum glauben wir eigentlich, dass Gott uns Steine, Schlangen oder Skorpione reicht, wenn wir in unserer Not bei ihm anklopfen?
  • Geduld ohne Limit: Martin Benz reflektiert ehrlich über seine eigenen Grenzen als Vater – den Moment, in dem der Geduldsfaden reißt. Doch genau hier liegt der Punkt: Gott ist kein Spiegelbild unserer menschlichen Unzulänglichkeit.
  • Gott im Gericht: Wir entlarven die Angst, dass Gott im Angesicht unseres Versagens plötzlich sein wahres, hartes Gesicht zeigt.

_____________________________________________

Movecast Mini ergänzt Movecast durch kürzere Episoden für kleine Impulse und Aha-Momente.

Movecast und Lovecast finanzieren sich ausschließlich von Spenden. Wenn du Movecast unterstützen möchtest, findest du alle Informationen hier: https://movecast.de/spenden-givio/. Vielen Dank!

GEMA-freie Musik von www.frametraxx.de

Transkript:

Willkommen zu Movecast Mini, dem Podcast für kleine Aha-Momente. Mein Name ist Martin Benz und jetzt geht’s los.

Beim Bibellesen bin ich wieder einmal auf einen Text gestoßen, den viele von euch kennen werden, der sehr bekannt ist, es geht ums Thema Gebet. Dieser Abschnitt steht einmal in Matthäus 7, das andere Mal in Lukas 11. Es geht darum, dass Jesus sagt: Bittet und es wird euch gegeben, suchet und ihr werdet finden, klopft an und es wird euch geöffnet. Und dann sagt Jesus weiter: Oder würde jemand unter euch seinem Kind einen Stein geben, wenn es ihn ums Brot bittet? Würde er ihm eine Schlange geben, wenn es ihn um einen Fisch bittet? Und im Lukas heißt es dann noch: Oder einen Skorpion, wenn es ihn um ein Ei bittet?

Ich finde diesen Text besonders hilfreich in Bezug auf unser Gottesbild. Denn Jesus vergleicht hier tatsächlich Gott mit einem irdischen Vater, und zwar mit einem irdischen Vater in Bestform. Und Jesus macht deutlich: Es ist doch undenkbar, dass ein Vater seinem Kind eine Schlange reicht, wenn es eigentlich einen Fisch möchte, oder dass er ihm einen Skorpion in die Hand gibt, wenn es ein Ei möchte. Das wäre ja absurd. Das Kind braucht Nahrung, ein Ei oder einen Fisch oder ein Brot, und was es bekommt, ist etwas Schädliches: Der Skorpion sticht und kann das Kind töten, die Schlange beißt und kann das Kind töten. Und Jesus sagt: Es ist ja völlig absurd. Also das ist ja undenkbar, dass ein Vater so etwas tun würde, das liegt außerhalb jeglichen Denkens, dass ein Vater so handelt.

Und dann steigert Jesus diese Überlegung noch, indem er sagt: Wenn also ihr, die ihr doch böse seid, das nötige Verständnis habt, um euren Kindern gute Dinge zu geben, wie viel mehr wird dann der Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten. Jesus bringt also zum Ausdruck, dass selbst ein irdischer Vater, in dem ja auch ganz viel Negatives schlummert, der seine eigenen Probleme hat, seine eigenen Sünden hat, seine eigenen Schwächen hat, von eigener Bosheit oder Neid oder Gier oder Ungeduld getrieben ist – selbst solch ein Vater, der würde niemals auf die Idee kommen, seinem Kind ein gefährliches Tier in die Hand zu drücken anstelle eines Nahrungsmittels. Selbst für einen irdischen Vater mit all seinen Schwächen und Fehlern ist das ein absurder Gedanke, dass auf die Bitte, auf das Bedürfnis eines Kindes eine negative Reaktion erfolgt.

Und darum dieser spannende Übertrag: Wie viel mehr, wie viel mehr wird der Vater im Himmel so etwas nicht tun. Es ist komplett undenkbar, dass der himmlische Vater auf die Bitte, auf die Sehnsucht eines Menschen so negativ reagieren würde. Es liegt diesem himmlischen Vater also vollkommen fern, einem Menschen etwas Schädliches, etwas Negatives, etwas Toxisches, etwas Zerstörerisches zu geben. Und darum ist das so ein wichtiger Text für unser Gottesbild. Genau so ist Gott: Gott ist also besser als jeder irdische Vater, der niemals auf die Idee kommen würde, so seinem Kind gegenüber zu handeln. Insofern muss dieser Text unbedingt unser Gottesbild prägen.

Und Jesus sagt das mit so einer Klarheit: Jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet. Und in dem folgenden Vergleich mit dem irdischen Vater wird die Bedingungslosigkeit dieser Aussage deutlich. Und es geht dann eben nicht einfach nur um Brot oder um Fisch oder um ein Ei, sondern es geht grundsätzlich um alles Gute, das auf uns wartet. Deswegen heißt es: Wenn ihr, die ihr böse seid, das nötige Verständnis habt, um euren Kindern gute Dinge zu geben, wie viel mehr wird dann euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten.

Dieser Abschnitt lädt mich als Vater dazu ein, mal meine eigenen Emotionen anzuschauen, meinen Kindern gegenüber. Ich weiß doch, wie viel Erbarmen und Mitleid ich mit meinen Kindern habe, wie sehr sie mir leidtun, wenn sie leiden, wenn sie krank sind, wenn sie Mangel haben, wenn es ihnen nicht gut geht. Da leidet man doch als Elternteil mit. Es kann einem als Eltern doch höchstens so gut gehen, wie es den eigenen Kindern gut geht, weil man automatisch mit ihnen mitleidet, mit ihnen traurig ist und ihren Mangel mitempfindet. Und wenn schon ich, der ich böse bin, so mit meinen Kindern mitleiden kann – sie mir so ans Herz gehen – wie viel mehr ist das dann bei Gott der Fall, bei dem nichts Böses und Gefallenes und Verkrümmtes in seinem Herzen wohnt.

Und drum darf ich mir einfach bewusst machen: So empfindet Gott über mir. Er hat mindestens das Mitleid und das Erbarmen und das Mitgefühl und die Hilfsbereitschaft und die Zuneigung, die ich meinen Kindern gegenüber habe und empfinde.

Und was ich jetzt einfach ganz tragisch finde, ist, dass dieses Gottesbild, das Jesus hier schildert, für viele Christen oftmals nur ein temporäres Gottesbild ist. Irgendwo ist Gott nur so lieb und fürsorglich und barmherzig, solange wir mitspielen. Aber es ist ja erstaunlich, wie sich dieser Gott verwandelt, wenn man ihm dann im Gericht gegenübersteht. Wenn also all die menschlichen Unzulänglichkeiten, sein Versagen, vielleicht sogar seine Abneigung dem Religiösen gegenüber, der Kirche gegenüber oder sogar Gott selbst gegenüber ans Licht kommen. Dann bleibt nichts mehr übrig von diesem Gott, der hier geschildert wird. Was passiert denn, wenn ein Mensch im Angesicht Gottes im Gericht seine Unzulänglichkeit, sein Versagen wahrnimmt, seine Versäumnisse auf dieser Welt und seine Sündhaftigkeit, und dann anklopft und dann hineinmöchte und dann finden möchte und dann um Leben und um Vergebung bittet? Na, dann kann er’s gerade vergessen, solch einem Gott zu begegnen, den Jesus hier schildert. Dann ist Gott der Knallharte, der kein Erbarmen kennt.

Aber dieses Gleichnis oder diese Geschichte, dieser Text macht mir deutlich, dass ich niemals barmherziger und mitleidender und empathischer und mitfühlender und hilfsbereiter sein kann als Gott, niemals. Mein Mitleid, meine Anteilnahme, meine Liebe ist immer gefärbt von der Einseitigkeit oder auch der Schlechtigkeit, die auch in meinem Herzen wohnt. Ja, ich habe ein Ende meiner Geduld, mein Mitleid kennt ein Ende, kennt Grenzen, weil ich dann selber zu kurz käme oder weil mir der Geduldsfaden reißt oder weil ich das unverzeihlich finde oder weil ich eingeschnappt bin von dem Ungehorsam oder der Hartherzigkeit oder der Sturheit dieses Menschen – und dann verhärte ich mich und dann sage ich: Nein, du kriegst jetzt eine Schlange, du kriegst einen Skorpion, du kriegst einen Stein und nicht das, was du möchtest.

Aber Jesus will ja gerade erzählen: Bei Gott ist das eben keineswegs so. Der gibt keinen Stein für ein Brot. Wenn diesen Gott jemand bittet, dann empfängt er, wenn ihn jemand sucht, dann findet er, und wenn bei dem jemand anklopft, dann wird geöffnet werden. Aber irgendwann hat man’s doch verpasst, irgendwann gibt’s den Stein fürs Brot, irgendwann gibt’s die Schlange für den Fisch, irgendwann gibt’s den Skorpion für das Ei. Aber darum erzählt Jesus ja die Geschichte, um deutlich zu machen: Das gibt’s nicht mal bei einem irdischen Menschen, bei einem irdischen Vater, geschweige denn beim himmlischen Vater. Wir können uns das einfach aus dem Kopf streichen: So ist dieser Gott nicht. Das erzählt mir dieser kleine Text.

Und das war Movecast Mini. Weitere Podcasts und Blogartikel findest du auf der Webseite www.movecast.de. Dort gibt es den Podcast Movecast und Lovecast, den ich zusammen mit meiner Frau mache, und dieser ganze Podcast, diese ganze Arbeit lebt ausschließlich von Spenden. Wenn du einen Beitrag leisten möchtest, dann freu mich das sehr. Du findest auch dazu alle Informationen auf der Webseite movecast.de. Und jetzt sei gesegnet, bis zum nächsten Mal. Bye-bye.