Movecast 186: Sigi Zimmer – Verblüffende Entdeckungen über Jesus von Nazareth
In diesem Vortrag nimmt Siegfried Zimmer uns hinein in drei verblüffende Entdeckung über das Leben von Jesus. Er zeichnet ein faszinierendes Porträt dieses Mannes, der aus einfachsten Verhältnissen stammt und trotzdem seit 2000 Jahren eine unvergleichbare Wirkung bei den Menschen erzielt. Man spürt Siegfried Zimmers Leidenschaft für diesen Rabbi aus Nazareth, mit der er seine Zuhörer anstecken möchte.
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Transkript:
Willkommen zu Movecast, dem Podcast, der etwas bewegen möchte. Mein Name ist Martin Benz, und jetzt geht’s los.
Zum Zeitpunkt dieser Movecast-Aufnahme ist mein Buch jetzt zwei Monate im Handel, mein neues Buch „Wenn der Glaube keine Kraft hat – ein Aufbauhelfer“, und ich freu mich über alle, die da zugreifen, die das jetzt gleich noch vor den Ferien kaufen und als Ferienlektüre mitnehmen; ich empfehle euch das Buch natürlich sehr, und es sind so ein paar Herzensthemen von mir in dem Buch – also ein ganz ausführliches Kapitel über die Bedeutung des Kreuzes, verschiedene Deutungsmodelle und auch meine persönliche Deutung des Kreuzes, das ich nicht mehr anders verstehen kann als so, wie ich es versuche in diesem Buch zu beschreiben. Und ein zweites Kapitel, das zu meinen Lieblingskapiteln gehört, ist das über geisterfüllt Lieben, wo ich versuche deutlich zu machen, dass Liebe der entscheidende Maßstab unseres Glaubens, unseres Lebens ist und auch unserer Glaubensentwicklung. Wenn uns unsere Glaubensentwicklung – egal, ob wir uns evangelikal, fundamentalistisch oder progressiv entwickelt haben – am Ende nicht zu liebevolleren Menschen macht, dann läuft etwas granatenmäßig schief, das versuche ich in diesem Kapitel deutlich zu machen. Bestellen kann man das Buch überall, wo es Bücher gibt, auch auf meiner Webseite kann man es direkt bestellen. Ansonsten wünsche ich euch jetzt viel Vergnügen mit dem Podcast – wie bereits bei Movecast 178 hat heute Siegfried Zimmer wieder das Wort. Wir hatten ihn ja vor einigen Jahren auf einer Konferenz in Basel in Zusammenarbeit mit der Vineyard-Gemeinde und dem ICF Basel, und ich werde in den kommenden Monaten immer wieder einen der Vorträge von ihm veröffentlichen. Dieses Mal geht es um drei faszinierende und verblüffende Aspekte des Lebens Jesu – also ein etwas längerer Movecast, etwas über eine Stunde. Ich wünsche euch ganz viel Vergnügen beim Hören – dieser Vortrag ist bisher nicht veröffentlicht – insofern etwas Spannendes, Neues von Siegfried Zimmer.
Ich habe jetzt das Mikrofon und könnte alles Mögliche sagen, man weiß ja nie, aber ich möchte mich dieser Einladung würdig erweisen.
Basel kenne ich schon. Ich war öfters auch früher in Basel zu verschiedenen theologischen Anlässen. Ja, toll, dass manche auch Worthaus hören. Worthaus war für mich so eine Gelegenheit im höheren Alter. Ich bin heute 69 Jahre alt, also schon im Ruhestand. Und vor sechseinhalb Jahren kamen jüngere Leute auf mich zu und haben gesagt: „Herr Zimmer, wir organisieren das alles.“ Und bis dahin war ich irgendwie ein ganz normaler Dozent an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg, also in der Lehrerausbildung, und dann durch Worthaus bin ich im reiferen Alter über die Region hinaus irgendwie bekannt geworden. Das ist für mich eine wunderschöne Möglichkeit, so etwas wie die Ernte meines Lebens einzubringen.
Vorgestern bekam ich eine Mail aus Neu-Delhi: „Herr Zimmer, wir sind die Worthausgruppe in Neu-Delhi. Wir treffen uns jede Woche, hören einen Vortrag an. Wir sind Diplomaten, Sozialarbeiter, Atheisten, Taxifahrer. Und wir treffen uns und hören ihre Vorträge an und wir laden Sie ein. Kommen Sie doch mal nach Neu-Delhi.“ Also schon irre, gell?
Gut, ich möchte ein paar Sätze zu meiner Person sagen und dann ein bisschen, was euch erwartet an diesem Wochenende. Und ich habe mit Martin und den anderen aus dem Team ausgemacht, so ungefähr 60 Minuten kann ich reden, und dann bleiben uns immer noch 25 Minuten für Diskussion. Traut euch, seid mutig, fragt alles Mögliche, ungeniert, ohne Tabu. Ich bin für die Freiheit des Denkens und die Freiheit der Meinung. Ob ich auf eure Fragen gut antworten kann oder nicht so gut, weiß man vorher nicht so genau. Aber es gibt keine falschen Fragen, also nutzt die Zeit.
Gut. Für mich sind zwei Dinge sehr typisch und wichtig.
Das eine ist, ich komme aus ganz einfachen Familienverhältnissen, aus einer Arbeiterfamilie. In meiner Verwandtschaft war ich der Einzige, der dann auf dem Gymnasium war, Abitur gemacht hat. Meine ersten Erinnerungen an meine Eltern, als ich noch klein war, das war im Allgäu bei Füssen, bei diesen Königsschlössern, da bin ich geboren, aber nur mehr oder weniger als Übergang, denn meine Eltern sind Flüchtlinge aus Breslau, heute in Polen. Und die sind am Ende vom zweiten Weltkrieg über das Allgäu nach Württemberg gezogen. Und meine ältesten Erinnerungen, meine frühesten: Mein Vater war ein Knecht, und meine Mutter war eine Magd auf einem großen bayerischen Bauernhof. Also diese bayerischen Bauern waren sehr liebenswürdige Leute, freundlich durchaus, aber für mich war das schon sehr prägend: Jeder konnte meinen Eltern Befehle oder Aufträge geben. Sie waren eben an der untersten Sprosse der Leiter.
Also deswegen bin ich dann von Beruf Hauptschullehrer geworden, so sagt man in Deutschland. Und habe mich vor allem für die schlechteren Schüler eingesetzt – was heißt schon „schlechter“, die nicht so gefördert worden sind, die ein schwaches Selbstwertgefühl hatten. Also ich war dann vier Jahre lang Hauptschullehrer, und dann bin ich aus der Schule raus und habe Theologie studiert und war dann 20 Jahre lang Theologieprofessor. Aber ich habe immer einfach geredet, wegen meinen Eltern. Auch in meiner Doktorarbeit kommen kaum Fremdwörter vor. Ja, ich bin tatsächlich der Meinung, die Sprache ist dazu da, dass wir uns verstehen.
Okay, also das mal das eine. Ich komme aus der Unterschicht – von einem Knecht und einer Magd. Später war mein Vater Bauarbeiter. Und ich liebe von daher das Einfache, das Elementare, aber nicht das Simple. Das Einfache ist oft teuer erkauft.
Und das zweite Typische für mich ist, dass ich erst sehr spät Christ geworden bin. Also in meiner Kindheit und in meiner Jugend spielte Kirche oder Gott oder Religion praktisch keine Rolle. Mit 19 Jahren, durch einen Klassenkameraden, der neu in die Klasse kam, bin ich völlig überraschend Christ geworden. Ich hatte es nicht vor, ich hatte es nicht geplant. Also das war so richtig unerwartet.
Und seitdem bleibt es bei mir ein Merkmal: Gott ist eine Überraschung. Er kommt oft unerwartet. Und vieles kann man in diesen Dingen nicht planen.
Ja, also. Aber ich bin seitdem eng verbunden mit allen engagierten Christen, in der katholischen, in der evangelischen Kirche und in den Freikirchen. Ich bin durch und durch ökumenisch. Ich gehe genauso gern in die katholische Kirche, in die evangelische Landeskirche und in die Freikirchen.
Und Vineyard kenne ich jetzt schon, Martin Benz und Michelle. Das war ein wunderschönes Erlebnis. Und auf die Zusammenarbeit mit der ICF freue ich mich sehr. Also ich bin mit den evangelistischen, erwecklichen Christen eng verbunden.
Auf der anderen Seite hat es Gott so eingefädelt, dass ich Theologieprofessor geworden bin, also diese moderne Bibelwissenschaft studiert habe und ja, die wissenschaftliche Theologie. Und ich war aber früher auch Schüler und Gastlehrer auf einer pfingstlichen charismatischen Bibelschule. Also irgendwie hat sich das bei mir miteinander verbunden.
Und ich finde es sehr schön. Ich freue mich sehr über diese Zeit in der Pfingstbewegung, auf der pfingstlichen Bibelschule. Es war ein großes Geschenk für mich. Ohne diese Zeit wäre ich nicht das, was ich bin.
Aber ich habe auch das Theologiestudium als ein großes Geschenk erlebt. Also ich spiele diese Dinge nicht gegeneinander aus, sondern in beiden Phasen meines Lebens liegen Goldklumpen, die man miteinander verbinden kann.
Okay, ihr könnt gerne zu mir Siggi sagen oder Siegfried. Also ich rede hier auch jeden ungeniert mit du an.
Also ich hoffe auf eine schöne Zeit, dass ihr angeregt werdet, dass ihr gerne auf dieses Wochenende zurückdenkt, dass euch neue Landschaften aufgehen, dass ihr Neuland betretet. Lernen ist ein großes Abenteuer.
Das größte Abenteuer für mich ist Gott. Er ist in meinem Leben zum größten Abenteuer geworden, zu einer Quelle der Freude und der Zuversicht, zu einer ungeahnten Bereicherung des Lebens.
Aber er hat auch meine soziale Verantwortung gegenüber den Menschen und der Gesellschaft gestärkt, soweit.
Gut, heute Abend ist überschrieben: „Neugierig werden – Verblüffendes und Nachdenkenswertes zu dem Phänomen Jesus“. Jesus ist ein Phänomen, da gibt es viel Verblüffendes für alle Menschen – verblüffend auch für Atheisten, für Agnostiker. Also alles, was ich jetzt sage, ist nicht Insider-Slang innerhalb der Kirche oder innerhalb von Gemeinden. Ich habe mir angewöhnt, so zu reden, dass die normalen Leute auf der Straße ziemlich schnell Bescheid wissen. Martin Luther hat einmal gesagt, das Evangelium gehört schon auch in die Gemeinde.
Ja, ja, das stimmt schon, das Evangelium gehört auch in die Kirche. Aber eigentlich gehört das Evangelium auf den Marktplatz. Da gehört es hin, denn es ist für die Menschheit und nicht für die Kirche. Für die Kirche auch, aber sie ist in erster Linie für alle Menschen dieser Welt.
Also: neugierig werden. Morgen Vormittag geht es um die Botschaft Jesu. Das ist ein wichtiger Teil. Und da nehme ich zwei berühmte Texte aus der Bergpredigt. Das ist die wichtigste Rede, die Jesus gehalten hat, die Bergpredigt. Am Nachmittag wähle ich ein Gleichnis und eine Heilungsgeschichte, denn das sind auch zwei ganz wichtige Seiten an Jesus.
Er war ein Erzähler, er hat besonders gern Kurzgeschichten erzählt. Er war ein Heiler. In seinem Terminkalender haben die Kranken eine große Rolle gespielt. Also das wäre am Nachmittag. Sonntag im Gottesdienst ICF behandle ich den Text „Der Auferstandene begegnet Maria aus Magdala“. Und am Sonntagnachmittag, so zum Abschluss, ein Satz wieder aus der Bergpredigt: „Ihr seid das Salz der Erde“. Das ist das Programm.
Jetzt atmet mal nochmal kurz durch, setzt euch gemütlich hin, es kommt einiges auf euch zu. Cool bleiben.
Ich möchte heute Abend drei verblüffende Dinge zeigen, die mit diesem Mann aus Nazareth, Jesus aus Nazareth, verbunden sind. Und ich möchte mit diesen drei verblüffenden Dingen Neugier wecken bei allen Menschen, ob sie Kirchenmitglieder sind, ob sie in eine Gemeinde gehen oder ob man sie auf dem Marktplatz zufällig trifft.
Das erste Verblüffende an diesem Mann ist Folgendes – ich skizziere mal die Voraussetzungen, die dieser Mann hatte, die waren nicht besonders gut. Und dann schildere ich die Wirkungen, die dieser Mann in den letzten 2000 Jahren gehabt hat.
Also da muss man nichts glauben. Ich bemühe mich jetzt, Dinge zu sagen, die für jeden Menschen einleuchtend sind. Ich versuche, so lange wie möglich so zu reden, dass jeder Mensch es versteht und sagt: „Sapperlot, da könnte man wirklich mal drüber nachdenken.“
Also das Verblüffende Nr. 1 ist: einerseits die Voraussetzungen, die dieser Mann hatte, und andererseits die Wirkungen, die er hatte. Das ist verblüffend.
Nehmen wir mal seine Voraussetzungen. Der Mann hatte keine privilegierten Eltern, er ließ sich nicht am Swimmingpool von der Oberschicht verwöhnen. Er war nicht Milliardär, nicht Millionär. Also er hatte einfache Eltern, eher aus der Unterschicht. Sein Vater war Bauhandwerker, das wurde er selber auch. Jesus war ein Mann vom Bau, Schwielen an den Händen. Also er hatte einfache Eltern, die nicht privilegiert waren, sondern sehr bescheiden gelebt haben. Als er als Erstgeborener im Tempel Gott dargebracht wurde, haben seine Eltern Turteltauben geopfert und nicht ein Lamm. Und das zeigt, dass sie damals sehr arm waren, nämlich Turteltauben zu opfern bei der Geburt des ersten Sohnes macht man nur, wenn man sich was anderes nicht leisten kann.
Dann, als Jesus aufgewachsen ist, war interessant: Dieser Mann hatte nie Geld. Er war dann selber Bauhandwerker, aber er hat dann in einem gewissen Alter diesen Beruf aufgegeben, freiwillig, und hatte von da an kein regelmäßiges Einkommen mehr. Er war mehr auf die Gastfreundschaft der Leute dann angewiesen.
Also, er hatte nie Geld, er hatte niemals in seinem Leben ein Amt, ein offizielles Amt. Also er war nie Bürgermeister von Kapernaum oder so. Und er hatte auch nie eine Organisation gegründet, oder man könnte auch sagen eine Institution. Also: Er hatte niemals Geld, er hatte kein Amt und er hatte keine Institution oder Organisation, die hinter ihm stand. Es gab die Jesusbewegung, aber das war eine sehr lässige Bewegung, die man nicht genau fixieren konnte. Er hatte schon seine Freunde und Sympathisanten, aber er hat sie nicht organisiert.
Dann bei seinen Voraussetzungen ist auch wichtig: Jesus hat niemals geschrieben. Also zumindest hat er nichts für seine Jünger geschrieben hinterlassen. Er hat sicher schreiben können, er schrieb ja auch mal in den Sand, aber nicht mal da wissen wir, was er geschrieben hat. Also er konnte mit Sicherheit lesen und schreiben, aber er hat nie sich schriftlich an seine Umwelt gewandt.
Er hat nicht mal seine Gleichnisse schriftlich herausgegeben, obwohl zu seiner Zeit 90 – 95 % aller Männer lesen und schreiben konnte im Judentum. Es gab so eine Art Volksschulbildung im Judentum, nur im Judentum, das einzige Volk auf der Erde damals, wo jeder Mann, auch aus der Unterschicht, in der Synagoge in einem Nebenraum lesen und schreiben konnte. Also obwohl Jesus ein Publikum hatte, das lesen und schreiben konnte, hat er nicht über schriftliche Texte sich an die Menschheit gewandt. Er hat auch seinen Jüngern keinen Auftrag gegeben: „Also Leute, wenn ich mal sterbe, das könnte ja mal schnell kommen, schreibt dann meine Sachen schnell auf.“ Also es gibt keinen Verschriftlichungsauftrag Jesu an seine Jünger, weder in seinen Abschiedsreden noch in seinem Missionsauftrag – nirgendwo steht: „Schreibt mir aber auch bitte meine Worte auf.“
Es heißt zwar im Missionsauftrag „Lehret sie (alle Völker) alles halten, was ich euch aufgetragen habe, aber das hat er alles mündlich aufgetragen. Es heißt nicht „… und schreibt es bei dieser Gelegenheit auf.“
Das ist schon auffällig. Ich will mal ein anderes Beispiel sagen: Konfuzius, der trat ab 25 Lebensjahre, also mit dem Alter von 25 auf und hat sehr schnell Schriften geschrieben. Oder Platon, Aristoteles und so weiter.
Also Jesus nicht. Dann ist auch weiter interessant: Jesus ist überhaupt nur zwei bis drei Jahre öffentlich aktiv gewesen. Nur zwei bis drei Jahre. Ich sag mal ein paar andere Beispiele: Buddha war ungefähr 40 Jahre öffentlich aktiv, oder Konfuzius sogar 50 Jahre, der starb mit 75, und ab 25 war er ein öffentlicher Lehrer. Mohammed trat ungefähr 26 Jahre öffentlich auf, mit 40, und mit 66 ungefähr starb er.
Also ich könnte viele solche Beispiele sagen. Die großen Philosophen, die großen Religionsstifter haben eine lange Zeit des öffentlichen Wirkens gehabt, Jesus nicht.
Im Unterschied zu diesen großen Philosophen und Religionsstiftern hat Jesus auch gar nicht die Weisheit des Alters erlebt. Also ich bin 69 – der Mann, der wurde ungefähr halb so alt wie ich. Und wenn ich dran denke, was habe alles mit 35 so gesagt und so weiter. Also ich meine, ich habe ja auch gewisse Reifungsschübe erlebt, so mit 45 und 50 und 60. Und das sagt man ja auch in der Menschheitsgeschichte. Die alten Menschen haben eben eine Weisheit.
Der frühe Tod gilt in allen Kulturen und in allen Religionen als Fluch, als schlimmer Tod, als Strafe der Götter. Also Jesus hat nicht mal eine vollständige Biografie, der hat nur eine abgebrochene Biografie. Er hat die Weisheit des Alters nicht verschmeckt. Stellt euch mal vor, ein Buddha, der mit 35 stirbt, oder Mohammed mit 35, oder Sokrates oder Platon – völlig unvorstellbar. Gibt es auf dieser Ebene nirgendwo.
Ja. Und das Allerwichtigste und Schlimmste: Der Tod Jesu war nicht ein schöner Tod, so der Abschluss eines gesegneten Lebens. Bei Buddha – der starb mit 80 – heißt es in einer Heiligen Schrift der Buddhisten: „Buddha lagerte sich zum Sterben, wie sich ein Löwe lagert.“
Ja, nee, Jesus ist gekreuzigt worden, da hängst du in der Luft, kannst du dich nicht lagern. Jesus konnte sich nicht mal auf die Erde legen bei seinem Tod! Also sein Tod war ein Katastrophentod, ein Verbrechertod, der ist ja zu Tode verurteilt worden von der führenden Kulturmacht und von dem Rechtsstaat Imperium Romanum. Also sein Tod war ein schmutziger Tod, ein unehrenhafter Tod. Seine Jünger sind geflohen, die Jünger von Buddha, die sind alle um ihn herumgestanden. Und Buddha fragt seine Jünger: „Habt ihr noch irgendwelche Fragen?“ Nein, sie hatten keine mehr. Und dann ist Buddha als Vollendung einer langen Tätigkeit gesegnet gestorben.
Also jetzt fasse ich mal zusammen – das sage ich allen Menschen auf allen Marktplätzen, falls ihr Zeit habt und falls ihr über was Interessantes mal nachdenken wollt: Also überlegt mal, dieser Mann, der hatte keine privilegierten, einflussreichen Eltern. Er hatte nicht Vitamin B. Er war ein Bauhandwerker. Und selbst diesen Beruf hat er dann aufgegeben. Er hatte nie Geld, nie ein Amt und niemals eine Organisation gegründet. Er hat nichts Schriftliches hinterlassen. Wir haben von Jesus selber keinen einzigen Satz. Er war nur zwei bis drei Jahre öffentlich aktiv, und zwar nur mündlich. Und dann starb er in den besten Jahren einen vorzeitigen Tod. Er hat die Weisheit des Alters nicht erlebt. Er hat keine vollständige, gesegnete Biografie, keinen gesegneten Lebenslauf – abgebrochen, und dann einen unehrenhaften, schmutzigen Verbrechertod. Jesus ist nicht friedlich im Bett gestorben und ist nicht an einer Krankheit gestorben und an einem Unglück, sondern er wurde gefoltert und anschließend hingerichtet. Das sind seine Voraussetzungen.
Jetzt überlegen wir mal die Wirkungen, die dieser Mann erzielt hat.
Seine Wirkungen: Über diesen Mann wurden mit riesigem Abstand die meisten Bücher geschrieben, die jemals in der Menschheitsgeschichte über einen Menschen geschrieben wurden, und zwar mit riesigem Abstand. Die Bücher, in jedem Jahr sind es 10-, 30-, 50 Tausend Bücher- in jedem Jahr, Zeitschriftenaufsätze gar nicht zu reden; Lexikonartikel in allen Kultursprachen, japanisch, portugiesisch, russisch, in allen Kultursprachen dieser Welt. Jedes Jahr kann man das gar nicht genau zählen, wie viel zigtausend Bücher, Zeitschriftenartikel, Lexikonartikel über diesen Mann geschrieben worden sind und noch immer geschrieben werden. Auf Platz zwei, drei und vier sind wahrscheinlich Napoleon, Alexander der Große und Mohammed. Die haben ungefähr eine ähnliche Menge, die liegt aber bei weniger wie 1 % der Bücher, Zeitschriftenaufsätze, Lexikonartikel, die seit 2000 Jahren über diesen Menschen geschrieben worden sind. Ich selber habe als Professor nur drei Bücher geschrieben.
Das ist sehr wenig, da geniere ich mich. Es gibt Kollegen, haben 20, 40, 60 Bücher geschrieben. Also ich bin da kein großes Licht. Aber ich muss euch sagen, die großen Theologen, sagen wir mal in Tübingen, Professor Eberhard Jüngel oder Professor Jürgen Moltmann, die jetzt im hohen Alter sind, aber noch leben, oder Hans Küng, diese Theologen, die zählen schon gar nicht mehr die Bücher, die sie selber geschrieben haben.
Das zählen die schon gar nicht mehr. „Wie viel habe ich denn geschrieben?68 oder 72?“ Nein, nein, die zählen, die Bücher, die über sie geschrieben werden, das zählen die. Also ich schätze mal, über Eberhard Jüngel sind weltweit, auch japanisch, portugiesisch, russisch, schon 50 bis 100 Bücher geschrieben worden. Über ihn.
Überlegen wir mal: Wenn ich sterbe, wie viel Bücher werden wohl über mich geschrieben werden? Ich möchte einmal euch fragen, weißt du, dass das mal bisschen realistisch wird. Stell dir mal vor, wenn du stirbst, was meinst du wohl, wie viel Bücher werden über dich geschrieben, gell? Da müsst ihr lachen. Nur dass die Maßstäbe mal stimmen. Über diesen Mann, ob ihr jetzt an ihn glaubt oder nicht und was ihr von ihm denkt, lassen wir mal alles, gell. Ich möchte euch einfach sagen, es gibt keinen Menschen in der Menschheitsgeschichte, über den auch nur 1 % so viel Bücher geschrieben worden sind wie über ihn.
Ja, aber ich muss weitermachen, gell. Nicht nur Bücher, auch Gedichte, Gedichte! Über keinen Menschen der Weltgeschichte sind auch nur annähernd, nicht mal 1 % so viele Gedichte gedichtet worden, wie über diesen jungen Mann aus Nazareth, der in den besten Jahren gefoltert wurde und hingerichtet.
Über mich ist schon mal ein Gedicht geschrieben worden. Ein Religionslehrer in Ulm, der Jiddisch kann, hat über mich zu meinem 40. Geburtstag ein jiddisches Gedicht geschrieben. Das habe ich mir gut aufgehoben. Also über Siggi Zimmer gibt es ein jiddisches Gedicht.
Aber nehmen wir mal, ich komme ja aus Deutschland, die kennen die Politiker in der Schweiz nicht ganz so, aber nehmen wir mal Adenauer oder Bismarck. Was meint ihr?
Viele Bücher über Adenauer? Viele Bücher. Und über Bismarck? Viele Bücher. Aber was meint ihr, wie viele Gedichte? Gedichte über Adenauer, Gedichte über Bismarck? Ich vermute, kein einziges, vielleicht zwei, oder weiß es nicht. Aber ihr müsst euch mal, versucht euch das mal sehr sachlich mal irgendwie klar zu machen: Über den Mann sind nicht nur mit großem Abstand die meisten Bücher geschrieben worden, auch die meisten Gedichte, das ist ja eine ganz andere Ebene; jetzt muss ich aber auch weitermachen: auch die meisten Lieder. Wie viele Lieder über Angie Merkel? Wie viele Lieder? Oder über Schröder oder über Bismarck? Wie viele Lieder? Wie viele Lieder über Mohammed? Wie viele? Das meine ich mit aller Freundlichkeit, das meine ich nicht böse, nur man muss sich das mal klar machen. Wie viele Lieder über Platon? Wie viele Gedichte über Aristoteles?
Jetzt möchte ich einfach mal öffentlich laut sagen dürfen, was Tatsache ist. Da brauchst du nichts glauben: Über diesen Mann sind mit riesigem Abstand die meisten Bücher – jedes seiner Worte ist mit 100 Doktorarbeiten rauf und runter analysiert, in allen Kultursprachen, das gibt es nicht noch mal -, die meisten Gedichte, die meisten Lieder geschrieben worden. Ich muss noch weitermachen: die meisten Gebäude zu seiner Verehrung, da hängt ein Kreuz dann, mit riesigem Abstand – wie viele Gebäude sind zur Verehrung von Adenauer errichtet worden oder von Bismarck? Und dann, ich schließe: die ganze Zeitrechnung weltweit, die UNO-Zeit. Das ist zwar für andere Kulturen, für Buddhisten, Hinduisten, Muslime ist es auch bisschen ärgerlich, auch für Juden. Wieso ist die UNO-, die politische Weltzeit, christliche Zeit? Also da sitzt auch ein Problem drin, aber das lassen wir mal. Auf jeden Fall, die Zeitrechnung richtet sich nach diesem Mann!
Jetzt fasse ich mal zusammen, für alle Menschen, die offen sind, fair sind, die nachdenken wollen und die ein bisschen neugierig sind: Dieser Mann hatte einfache Eltern ohne Einfluss. Er war ein Mann vom Bau. Er hatte nie Geld, nie ein Amt, keine Organisation. Er hat nie etwas schriftlich, nicht mal einen Brief – Paulus hat wenigstens Briefe geschrieben, aber Jesus nicht mal einen Brief – geschrieben. Er hat nichts schriftlich hinterlassen. Er war nur zwei bis drei Jahre öffentlich aktiv. Er starb im besten Alter. Ein Fluchtod, Strafe der Götter. Er hat die Weisheit des Alters nicht verschmeckt. Und er starb unehrenhaft. Sein Tod war ein Verbrechertod, schmutziger Tod. Er wurde gefoltert und hingerichtet, mitten im Leben. Und über diesen Mann wurden mit Abstand die meisten Bücher, Gedichte, Lieder geschrieben, Gebäude errichtet und die Zeitrechnung.
Ich möchte mal öffentlich erklären. Habt ihr dafür eine Erklärung?
Kann mir jemand eine sachlich kompetente Erklärung bieten? Ich meine nicht dumme Sprüche, so Schnellschüsse, ohne sich wirklich ein bisschen damit zu beschäftigen. Kann mir das jemand kompetent, sachlich erklären? Jetzt kommt die zweite Verblüffung, die ist jetzt nicht ganz so schwerwiegend, aber sie ist schon auch nicht ohne. Ich kann sie wesentlich schneller euch ein bisschen vorstellen.
Das zweite Verblüffende an diesem Mann ist, dass der 90 bis 95 % seines Lebens anscheinend völlig unauffällig gelebt hat. Es ist nichts Auffälliges über den Mann berichtet. Er ist geboren, ja, da gibt es ein paar Erzählungen in den Evangelien und dann gibt es eine einzige Erzählung, als er 12 Jahre alt war. Das betrifft aber nur ein paar Tage und steht nur im Lukas-Evangelium, in den anderen steht es gar nicht.
Also ich will damit sagen, wir wissen über den Mann eigentlich nichts; wenn es so heißt „Bitte schicken sie uns die üblichen Bewerbungsunterlagen“ – ja, Jesus könnte sich nicht mal bewerben. Wir haben gar keine Unterlagen über seinen Werdegang, was hat er für Schulbildung, was hat er für Abschlüsse, für Qualifikationen, was hat er gemacht mit 8 oder mit 14 oder mit 18, mit 20, mit 25? Wir wissen es nicht!
Das Interessante ist: Offensichtlich war der unauffällig! Niemand hat einen Grund gesehen, über den Mann irgendwas zu überliefern, zu berichten. Nichts. Also er war so ungefähr bis 30, Anfang 30, völlig unauffällig. Und dann katapultiert es ihn auf einmal an die Öffentlichkeit durch eine Taufe – bei Johannes dem Täufer, lassen wir das mal – also durch ein bestimmtes Erlebnis, und auf einmal wird dieser Mann engagiert, intensiv, öffentlich aktiv. Die zwei, drei Jahre, da legt er wirklich los!
Habt ihr da schon mal ein bisschen drüber nachgedacht? Dreißig Jahre ist der Mann völlig unauffällig, völlig normal, im Sandkasten und in den kleinen Gassen in Nazareth, das ist so ein Kuhnest, 200 bis 400 Einwohner, keine gepflasterten Straßen, keine Stadtmauer, keine öffentlichen Gebäude, kein Marktplatz. Wenn es regnet, sind alle Gassen schlammig. Da ist der Bub aufgewachsen. Und dann die letzten zwei, drei Jahre – also das ist schon verblüffend: Niemals hat ein Mensch, über den wir so wenig wissen, solche Wirkungen gehabt!
Wir wissen schon ziemlich viel über die letzten zwei, drei Jahre, wenn ich euch das mal genau sagen darf: Am besten sind wir informiert über seinen letzten Tag, da wissen wir fast jede Stunde. Und relativ gut sind wir informiert über seine letzte Woche in Jerusalem, ganze Kapitel. Und einigermaßen sind wir auch informiert über seine letzten zwei, drei Jahre, aber am genauesten über seinen letzten Tag, seine letzte Woche. Aber über die anderen Jahre gar nichts. Das ist schon merkwürdig.
Und jetzt will ich mal an der Stelle einhaken. Alles was ich sage – will ich mal so zwischendurch sagen -, verstehe ich als einen Dienst, einen Beitrag, kleinen Beitrag zur Erneuerung der Christen. Mit vielen anderen Christen in allen Konfessionen will ich mich engagieren für die Erneuerung der Christenheit. Ich habe die feste Zuversicht, die Christenheit wird sich noch tief erneuern. Es werden wieder die Kinder und die Jugendlichen kommen, weil im urchristlichen Glauben stecken solche Potenzen, wenn die wieder rauskommen! Also ich möchte mich engagieren für die Erneuerung der Christenheit.
Wenn wir das aber machen wollen, ist es gut, wir reden von Jesus so, dass es jeder Mensch versteht. Auch so Fakten, so Gesichtspunkte, nicht so Insider-Blickwinkel, sondern: Was ist das Verblüffende an diesem Mann? Wir müssen sozusagen auch mal einen Außenblick versuchen: Wie wirkt das, was ich sage, auf ganz normale Leute – in der Bank, beim Landschaftsgärtner, im Sportverein -, die keinen Kontakt zur Kirche haben und so weiter. Also, und deswegen ist alles was ich so rede, im Blick auf die Zukunft der Christenheit gedacht, nämlich, dass sich die Christenheit noch einmal tief erneuert. Und da brauchen wir eine Sprache, die der Mann und die Frau auf der Straße sofort verstehen.
Also, jetzt bleiben wir mal bei diesem Gesichtspunkt. Also, der große Teil seines Lebens, da wissen wir gar nichts.
Jetzt überlegen wir uns mal, angesichts von diesem verblüffenden Aspekt – also 90 % seines Lebens sind vollkommen im Dunkeln, (hat er) mit seinen Geschwistern oft Streit gehabt und was für ein Vater-Verhältnis, was für ein Mutter-Verhältnis, Erziehungsstil seiner Eltern und so – wir wissen nichts..
Und da kommt jetzt mal folgende Frage: Wenn wir über diesen Mann über 90, 95 % seines Lebens, die ersten dreißig Jahre, so wenig wissen, so verblüffend wenig wissen – er ist schon auch ein Fremder! – was wissen wir eigentlich überhaupt über ihn in den ersten dreißig Jahren? Gibt es Dinge, die wir aber ganz sicher wissen, obwohl wir keine genaueren Überlieferungen haben?
Ja, das gibt es schon. Und in der Zukunft der Christenheit werden diese vier Sachen, die ich jetzt sage, das sind nämlich die Dinge, die wir ganz sicher wissen, obwohl wir über seine ersten dreißig Jahre fast nichts wissen, aber vier Dinge wissen wir, und die werden in der Zukunft der Christenheit nach vorne gebracht werden. Die werden wichtig.
Also erstens, wir wissen, Jesus war ein Orientale.
Er war ein Orientale. Also ich darf euch sagen, er war kein Schweizer. Er ist nicht im Schwarzwald geboren. Und ob ihr es glaubt oder nicht, nicht in Texas. Er ist nicht in Texas geboren. Der heißt nicht Billy oder Jimmy. Er heißt aber auch nicht Beat. Er heißt aber auch nicht Sepp.
Ja, also der Mann ist ein Orientale. Der heißt übrigens auch nicht Jesus, so heißt er natürlich nicht: Jesus Christus. Es ist schon ein bisschen eine Verballhornung. Das klingt nämlich wie Pontius Pilatus. Jesus Christus, Tacitus, Augustus, Pontius Pilatus…. also das war wahrscheinlich ein Römer. Wir nennen den Mann lateinisch. Der Ausdruck Jesus Christus ist latinisiert, so wie Pontius Pilatus. Also es war bestimmt, bestimmt ein Römer! – Nein, war er nicht. Der heißt auch gar nicht Jesus Christus, der heißt Jeschua. Und Christus ist auch latinisiert griechisch „christos“, heißt aber im Hebräischen „meshiach“, dazu sagen wir Messias. Also der Mann ist ein Orientale, der heißt Jeshua Meshiach. Und der ist nicht in Texas geboren und nicht in der Schweiz. Er ist ein Orientale. Ich sage euch, das wird wichtig werden. Das kann man nicht mehr überhudeln. Das ist ja Irrsinn.
Was ist denn der Orient? Wir sagen heute: ich muss mich orientieren. Das kommt von Orient. Warum sagen wir orientieren? Der Orient ist nämlich eine besondere Gegend. Und deswegen sagen wir, wir müssen uns orientieren.
Was ist das Besondere am Orient? Ich will mal nur ein bisschen laut vor mich hindenken. Da treffen drei Erdteile aufeinander: Europa, Asien, Afrika. Das gibt es nie wieder auf der Welt. Das ist so ein Kernbereich, in dem sich die Kulturen Europas, Asiens, Afrikas, irgendwie mischen: die dort durchwandern, große Karawanen, Großhandelskaufleute von Europa, Asien, Afrika, alle im Orient, die Seidenstraße und was es alles gibt. Im Orient mischen sich die Pflanzen- und Tierarten Europas und Asiens. Es gibt sehr viele Pflanzen- und Tierarten, die kommen nicht südlicher vor wie im Orient, südlicher nicht mehr. In Afrika gibt es dies nicht. Und es gibt sehr viele afrikanische Pflanzen und Tierarten, die kommen nicht nördlicher vor wie im Orient. In Europa und in Asien gibt es sie nicht.
Also diese merkwürdige Weltgegend ist nicht nur kulturell ein Schmelztiegel dreier Kontinente, sondern auch ein Übergangs-Grenzgebiet der Fauna und der Flora. Und dann im Orient sind alle drei monotheistischen Weltreligionen entstanden – alle im Orient! Aber auch davor, bevor die entstanden sind, waren im Orient die größten Kulturen: die Assyrer, die Babylonier, die Ägypter. Die ältesten Schriftsysteme der Welt sind die Hieroglyphen und die Keilschrift. Auch das Alphabet ist im Orient entwickelt worden. Auch der Wein ist im Orient entwickelt worden.
Jubilate! Okay, also jetzt wollte ich mal sagen, also Jesus ist ein Orientale. Der kleidet sich anders, er hat irgendwie eine andere Weltwahrnehmung als Schweizer und Schwaben. Und ihr müsst mal damit rechnen, dass Araber Jesus vielleicht besser verstehen können kulturell, könnte ja sein. Also, ich will es jetzt nicht zu weit treiben, ich möchte nur euer Gehirn auflockern, dass da nicht so Smoke im Gehirn ist.
Also, was wir von diesem Mann wissen, ist, dass er ein Orientale ist. Hat das schon mal eine entscheidende Rolle gespielt in deinem Denken und Fühlen und in deiner Weltwahrnehmung, in deinem Christsein? Das kannst du ein bisschen aufwerten jetzt!
Das zweite, was wir von ihm ganz sicher wissen, ist, er ist ein Jude.
Sapperlot! Wir Christen glauben an einen Juden! Das ist irgendwie komisch, gell? Jesus war ja kein Christ. Jesus war weder evangelisch noch katholisch. Jesus war ein Jude. Irgendwie ist das komisch. Wir glauben, wir Christen glauben an einen Juden.
Das, das wissen wir. Warum werten wir das nicht aus?
Ja, das Judentum ist die erste monotheistische Religion auf der Welt. Niemals zuvor – es gab in Ägypten mal eine kleine Phase, Echnaton, hat aber ganz andere Gesichtspunkte, kann man nicht vergleichen. Die erste Religion in der Menschheit, die sagt: Es gibt gar nicht viele Götter. Es gibt einen einzigen Gott, und der ist Schöpfer Himmels und der Erden. Von dem kann man sich keine Bilder machen. Der hat auch keine Frau, der pflanzt sich nicht sexuell fort. Der Gott ist ein Unikum. Wir sagen zwar Vater, aber der Gott Israels ist auch kein Mann. Er ist zwar unser Vater, aber er ist kein Mann. Er unterliegt gar nicht der Geschlechtlichkeit. Ich darf euch mal sagen, so eine Religion hat es noch niemals gegeben. Und aus dieser Religion stammt dieser Mann.
Judentum war auch damals die einzige Religion, die nicht Sterne verehrte. Alle damaligen großen Politiker in den Metropolen, hellenistisch, römisch, die waren alle abergläubisch.
Sie hatten magische Angst vor den Planeten, vor den Gestirnen. Aber die Juden sagten, nee, wir glauben an Gott. Und wer an den Gott Israels glaubt, der hat keine Angst vor Sonne, Mond und Planeten. Die haben zu den anderen Völkern gesagt, das sind die Planetenverehrer. Aber in Israel gibt es das nicht. Da haben sich die Griechen, die Römer, die Perser, die Ägypter immer schon gewundert: Die verehren keine Gestirne.
Ich will damit nur sagen, dadurch, dass Jesus eben ein Jude ist, kommt für uns die ganze jüdische Religion und die Besonderheit, das Verblüffende dieser Religion kommt auf uns zu.
Wir können unser Christsein nicht verstehen, wenn wir das Judentum nicht verstehen.
Juden müssen sich nicht mit Christen beschäftigen. Also man kann nicht sagen: Juden müssen sich mit den Christen beschäftigen, sonst können sie ihr Jude Sein nicht verstehen. Nein, das stimmt nicht. Aber wir Christen können unser Christsein nicht verstehen, wenn wir uns nicht mit dem Judentum beschäftigen. Denn das Judentum ist unsere Wurzel.
Und Jesus war ein Jude. Jesus bewegte sich im Judentum wie der Fisch im Wasser. Der wollte nie das Judentum verlassen. Er lebte als Jude und starb als Jude. Jesus wollte keine neue Religion gründen, er wollte das Judentum erneuern. Jesus war ein Jude und er blieb ein Jude. Alle Jünger Jesu waren Juden. Alle, die den Auferstandenen erlebt haben, die also von sich sagen „Leute, der Auferstandene hat sich bei mir gemeldet“, alle Menschen, die das sagen, waren ohne eine Ausnahme Juden. Alle Menschen, die Pfingsten erlebt haben, waren alle Juden.
Und jetzt sage ich noch eine ein bisschen heiße Sache, aber da könnt ihr ein bisschen drüber nachdenken: Alle Autoren, die das Neue Testament geschrieben haben – jetzt mal wissenschaftlich gesehen: Die Überschriften über den Evangelien sind ja kein Bibeltext. Also Evangelium nach Matthäus, Evangelium nach Markus, Evangelium nach Lukas, Evangelium nach Johannes steht nicht in der Bibel. Die Evangelien haben keine Überschrift, bewusst nicht. Die Autoren wollten anonym bleiben – „Alle Ehre Jesus, mein Name spielt keine Rolle“. Die Evangelien sind anonyme Literatur, ganz bewusst. Aber die alte Kirche, 120, 130, die wollte unbedingt da irgendwelche Überschriften. Also lassen wir mal, das ist ein großes Thema.
Ich sage einfach mal, nach dem heutigen Stand der Erforschung der Bibel können wir davon ausgehen, dass wahrscheinlich alle Autoren des Neuen Testaments Juden sind. Der einzige, wo es bisschen umstritten ist, ist Markus. Aber es spricht 60, 70 % dafür, dass auch Markus ein Jude war. Aber bei ihm ist es nicht ganz sicher. Mit Markus meine ich einfach den, der dieses Evangelium geschrieben hat. Der wird nicht Markus geheißen haben. Das ist ja eine spätere Überschrift.
Gut, also jetzt will ich das mal zusammenfassen: Wir wissen ganz sicher, Jesus war ein Jude. Und das heißt, in Jesus begegnen wir dem Judentum. Jesus ist niemals ein Argument gegen das Judentum, sondern Jesus ist ja ein Jude. Also seine Frömmigkeit, sein Glaube sind eine jüdisch mögliche Frömmigkeit und (ein jüdisch möglicher) Glauben. Also das ist ein riesiges Thema.
Ich will euch jetzt mal nur sagen, wir wissen so wenig von den ersten dreißig Jahren, so wenig! Aber wir wissen, dass er ein Jude war. Also Leute, bringt das nach vorne.
Drittens, Jesus war aus der Unterschicht und er war ein Provinzler aus Galiläa.
Galiläa war so Hintertupfingen. In Deutschland würde man sagen Ostfriesland oder Oberbayern. Ich weiß nicht, wie ihr in der Schweiz sagt, aber auf jeden Fall, Galiläa war kein jüdisches Kernland. Judäa, das ist Kernland, weil in Galiläa ist Mischbevölkerung, da wohnen sehr viele Phönizier, Römer, andere Völker.
Also Galiläa ist kein rein jüdisches Stammland. Und bei den Elitegruppen in Jerusalem war Galiläa finstere Provinz, gell? Und Nazareth ist ein kleines Kuhnest.
Was kann aus Nazareth …
Wenn ich da im Blauen Engel bin (Kneipe der Filmakademie) …:
Wo, wo kommst du her? Aus Berlin.
Wo kommst du her? Aus Orschel-Hagen, aus Kleinbottwar.
Das hältst du ja im Kopf nicht aus! Einer hat am Nachbartisch mal im Blauen Engel gesagt, so ein Student der Filmakademie: „Wenn ich hier fertig bin, mache ich die Fliege in Ludwigsdorf. Da hältst du es ja nicht aus, das ist ja nur was für 70-Jährige. Also, wenn ich fertig bin, dann gehe ich nach Berlin oder Köln oder Hamburg“.
Also, wo kommst du denn her? Wo kommt denn der Mann her? Aus Galiläa, Nazareth. Nazareth wird nirgendwo erwähnt, in keiner Schrift. Im Alten Testament nicht, in keiner jüdischen Schrift.
So, und jetzt kommt das vierte Verblüffende. Jesus war unverheiratet.
Das ist ganz merkwürdig, denn ein gesunder, normaler Jude muss eigentlich heiraten. Das gibt es nicht, dass ein gesunder, normaler Jude nicht heiratet.
Warum gibt es das nicht? Weil das erste Gebot in der Bibel, ich meine also nicht das erste der 10 Gebote, sondern das erste Gebot überhaupt in der Bibel, auf dem ersten Blatt der Bibel heißt: Seid fruchtbar und mehret euch. Das ist das erste Gebot der Heiligen Schrift von Gottes Wort: Seid fruchtbar und mehret euch.
Ja, was macht der Mann? Der ist nicht fruchtbar und mehrt sich nicht! Das geht eigentlich nicht. Vor allem ein Rabbiner, ein Lehrer der Heiligen Schrift, muss eigentlich heiraten. Also Jesus war unverheiratet. Es gibt immer wieder Leute, auch Juden oder auch Christen, die sagen: „Doch, doch, Jesus war schon verheiratet. Das war so selbstverständlich, das muss man gar nicht sagen. Also wenn das nicht dasteht, dann heißt es nicht, dass Jesus nicht verheiratet war, dann war er selbstverständlich verheiratet“. Es gibt also Leute, die das behaupten.
Das ist aber unhaltbar. Ich werde euch gleich sagen, warum das nicht stimmt. Ihr solltet euch aber Alle mal Folgendes fragen: Was wäre euch lieber – dass Jesus verheiratet gewesen wäre oder nicht? Was, was wäre euch lieber? Und überlegt es mal. Und überlegt euch auch, warum? Sagt mal den Grund. Was wäre euch lieber: dass Jesus verheiratet gewesen wäre oder dass er unverheiratet war?
Ich, ich Siggi Zimmer, bin ja ungeniert – mir wäre das viel lieber, wenn Jesus verheiratet gewesen wäre, reichlich guten Sex gehabt hätte, eine ordentliche Kinderzahl, weil – ihr merkt das schon am Erik, da wirst du realistisch, wenn du Kinder hast, da musst du wickeln, Windeln und so weiter, da kriegst die Füße auf die Erde, gell. Es heißt ja, dass Jesus wahrer Mensch war. War er ja auch. Schade, aber hätte er doch auch Sex-Erfahrungen, Kindergeschrei, Wickeln gehabt …. Also ich muss euch ehrlich sagen, mir wäre es viel lieber, dass Jesus verheiratet gewesen wäre.
Aber ist ja völlig egal, was mir lieber ist, darauf kommt es ja nicht an. Jesus war eben unverheiratet.
Wie kann man das sagen? Ja, das kann man.
Es gibt zwei Gründe. Einer ist so entscheidend, dass er auf jeden Fall stichhaltig ist. Jesus wurde ja als Auferweckter sehr früh verehrt. Es gab Christen, die sagen „Er ist uns erschienen“, und so entsteht der Glaube daran, dass Gott diesen Mann von den Toten auferweckt hat. Das glaube ich auch. So will ich leben und sterben in diesem Glauben.
Also, und Gott hat ja noch nie vorher jemand so auferweckt wie Jesus, dass er überhaupt nicht mehr stirbt. Die Totenerweckungen – Lazarus, Jüngling zu Nain, Töchterlein des Jairus – das sind ja nur Wiederbelebungen von Leichen. Die werden wiederbelebt, dann altern sie und dann sterben sie endgültig.
Aber die Auferweckung Jesu ist ja nicht die Wiederbelebung einer Leiche, sondern Jesus wird in eine ganz andere Schöpfung, in eine neue Schöpfung auferweckt, wo es gar kein Alter mehr gibt und wo es überhaupt keine Naturgesetze mehr gibt, die wir kennen. Also das ist die Auferweckung Jesu.
Wie bin ich jetzt darauf gekommen? Kurze Kontrollfrage.
Wie bin ich da drauf gekommen? – Heiraten.
Sehr gut, sehr gut. Also, als dieser Glaube an die Auferweckung Jesu sich in der Urchristenheit sehr rasch ausgebreitet hat, in ein, zwei Jahren, war das klar, und dann wurde Jesus als Sohn Gottes, als Retter der Welt verehrt. Ja, ich sag euch, da wäre seine Frau gekommen und hätte gesagt: „Das ist mein Mann.“ Ist doch klar. Und da wären die Kinder gekommen und hätten gesagt: „Der Retter der Welt, das ist mein Papa.“ Wo waren sie denn? Ich sage euch historisch, die wären gekommen, hundertprozentig. Sie sind aber nicht gekommen. Es gab sie nicht.
Auch wenn Jesus zum Pessachfest nach Jerusalem geht, ganz am Ende, da müsste ja seine Familie mitgehen, weil es Passafest ist, Pessach ist ein Familienfest. Jesus geht aber mit anderen Frauen, Maria aus Magdala und so. Wo hat er seine eigene Frau? Das geht doch nicht!
Also ich will euch sagen, Jesus war unverheiratet. Das ist ganz sicher.
Also, soweit jetzt mal der erste Teil.
Diese vier verblüffenden Dinge an diesem Mann, glaube ich, wird man in der Zukunft tief ausloten müssen. Das wird in der Dogmatik, im Gemeindeleben, in der Neugier der Christen, der Schweizerinnen und der Schweizer, wird es in Zukunft eine größere Rolle spielen als bisher: einmal seine Voraussetzungen, und seine Wirkungen.
Wir wissen über sein Leben so wenig, aber wir wissen, er war ein Orientale, ein Jude, ein Bauhandwerker und er war aus der Provinz und er war unverheiratet.
Jetzt, Martin Benz, wie viele Minuten rede ich jetzt schon? – 45. – Ah ja, gut, da habe ich noch 10 Minuten. Jetzt muss ich mich aber ein bisschen sputen.
Jetzt kommt die Verblüffung Nr. 3. Das sind die drei großen Verblüffungen.
Dieser Mann steht verblüffend im Zentrum unseres Glaubens. Die Christen sind schon irgendwie komische Vögel, die konzentrieren sich wahnsinnig auf diesen Mann. Das hat es bisher in der Religionsgeschichte so nicht gegeben. Wir nennen uns ja auch Christen, weil er Christus heißt. Muslime nennen sich ja nicht Mohammedaner, die wollen auch nicht so angeredet werden. Und Juden sagen ja nicht, wir sind Mosianer oder so, gell. Aber wir sind Christen, wir nennen uns nach diesem Mann. Wir sagen auch: „Wir glauben an ihn“. Das hat es noch niemals gegeben.
Juden glauben nicht an Abraham oder an Mose oder an David. Juden glauben nur an Gott. Du kannst ja nicht an einen Menschen glauben, das ist ja Gotteslästerung. Und Muslime glauben nur an Allah, an Gott. Sie glauben nicht an Mohammed. Mohammed war ja ein Mensch, und du kannst ja nicht an einen Menschen glauben, gell.
Deswegen verstehen sich auch Juden und Muslime sehr gut, weil sie weder einen dreieinigen Gott haben, noch die Göttlichkeit Jesu vertreten, dass wir an ihn glauben. Du kannst ja nur an Jesus glauben, wenn er irgendwie auf der Seite Gottes ist, weil du kannst ja nur an Gott glauben. Also ich will euch nur sagen, das ist sehr merkwürdig.
Die vier Evangelien, da ist Jesus ganz im Mittelpunkt. Die fünf Bücher Mose, da ist Mose gar nicht so arg im Mittelpunkt. Im ersten Buch Mose gibt es ihn ja gar nicht. Und er hält halt irgendwie lange Reden. Aber über den Lebensstil und über Mose selber wissen wir gar nicht so viel. Also Jesus steht viel stärker im Mittelpunkt in den Evangelien wie Mose in den Mosebüchern. Aber auch in den Paulusbriefen, im ganzen Neuen Testament, da steht Jesus im Mittelpunkt. Das ganze Neue Testament dreht sich um Jesus. Das Alte Testament, das hat Abraham, Mose, David, Jesaja und so weiter. Aber das Neue Testament, kann man sagen, das sind alles Jesus-Schriften – nicht von ihm geschrieben, sondern er ist die zentrale Gestalt. Auch die Sakramente Taufe und Abendmahl hängen ganz mit ihm zusammen. Wir werden nicht auf die Bibel getauft, wir werden auf Jesus getauft, auf den dreieinigen Gott. Und auch das Abendmahl ist sein letzter Abend, gell?
Ja, auch die großen Feste – Weihnachten, Karfreitag, Ostern – sind alles Jesusfeste. Es gibt im Islam eigentlich keine großen Mohammed-Feste. Und es gibt im Judentum keine Abraham-Feste und Mose-Feste und David-Feste. So kleine Ansätze schon, aber das kann man nicht vergleichen mit Weihnachten, Karfreitag, Ostern. Also ich will euch sagen: Die Christen konzentrieren sich verblüffend auf diesen Mann. Eine solche Art von Konzentration hat es bisher nicht gegeben. Das ist auch verblüffend. Das bedeutet: Im christlichen Glauben geht es nicht um Werte – nicht in erster Linie um Werte, Werte sind schon wichtig, Willi. Es geht auch nicht in erster Linie um Moral. Moral ist schon wichtig, aber nicht in erster Linie.
Es geht auch nicht um einen Lebensstil. Lebensstil ist schon wichtig, aber wir hier in dem Saal, wir haben wahrscheinlich 50 oder 100 verschiedene Lebensstile. Es gibt nicht den christlichen Lebensstil. Das geht auch gar nicht – ich möchte euch nicht zu einem bestimmten Lebensstil überreden, und es geht auch nicht um ein bestimmtes Programm, Gemeindeprogramm oder politisches Programm. Es geht im christlichen Glauben nicht um eine Weltanschauung, nicht um einen Lebensstil, nicht um ein Programm, nicht um Werte und Moral, nicht in erster Linie. Das kommt dann in dritter, vierter Linie an der richtigen Stelle.
Aber es geht um diesen Mann. Der christliche Glaube steht und fällt mit diesem Mann.
Der christliche Glaube ist so spannend, wie dieser Mann spannend ist. Der christliche Glaube ist so verblüffend, wie dieser Mann verblüffend ist.
Und er ist so glaubwürdig. Der christliche Glaube ist so glaubwürdig – nicht so (=in der Weise) glaubwürdig, wie die Kirche ist. Ich bin mir gar nicht sicher, inwieweit die Kirche oder irgendeine Gemeinde glaubwürdig ist. Möge sie so glaubwürdig wie möglich sein. Aber in jeder Gemeinde menschelt es, und es kommen viele Fehler vor. Der christliche Glaube ist so glaubwürdig, wie dieser Mann glaubwürdig ist.
Also diese Konzentration gehört zur Identität, zum Wesen unseres Glaubens. Die Christen sagen, auch die ersten Christen, dass dieser Mann sündlos war. Das ist schon eine merkwürdige Sache, die Sünden. Der Mann war sündlos. Diese Behauptung im Neuen Testament an mehreren Stellen, dass Jesus der einzige Mensch der Menschheit ist, der kein Sünder ist, ist keine bloße Behauptung, die sich jemand am Schreibtisch ausgedacht hat. „Wir erklären den Mann für sündlos. Das macht sich gut, ist eine gewisse Idolwirkung. Er ist unser Held, der ist fehlerlos, er ist perfekt, er ist sündlos.“
Nein, nein, dass Jesus sündlos ist, war eine praktische, sinnliche Alltagserfahrung, weil dieser Mann war ja einer zum Anfassen. Ich lasse mich von den Studenten nicht so arg anfassen. Und wenn ich irgendwo hingehe, Kompaktwoche oder Studienreise, bin ich auch wieder froh, wenn ich mal wieder für mich bin, dass die nicht allzu viel von mir mitkriegen. Also gegenüber Studierenden wahre ich schon eine gewisse Distanz und Nähe.
Aber Jesus war, der war mit denen unterwegs. Ja, ich war auch schon auf Studienreisen mit Studis unterwegs – 8 Tage, 10 Tage, dann reicht es auch. Aber Jesus war Monate, Jahre unterwegs. Ich sage euch, da ist der Lack ab! Und diese Jünger und Jüngerinnen – Jesus hat ja auch Jüngerinnen, mehrere, die mit ihm unterwegs waren – die haben nach Monaten des gemeinsamen „abends, morgens, wieder frühstücken“, da lernst du jemanden kennen – die sagen, dem sein Kontakt zu Gott ist anders wie unserer. Das haben die gemerkt. Das ist eine Erfahrung von zwei Jahren. Das ist keine theoretische (Feststellung am) Schreibtisch: Der Mann hat kein gebrochenes Vertrauen zu Gott, so wie wir alle. Wir nehmen im Ernstfall unser Bankkonto schon ernster wie Gott. Also gewisse Sicherheiten… Wir sind manchmal Gläubige in der Theorie, aber wir sind Atheisten im harten Alltag. Da setzen wir schon auf andere Größen. Also das Bankguthaben auf der Bank beruhigt doch deutlich mehr wie Gott. Also ich will damit sagen, keiner von uns kann Gott restlos vertrauen, weil wir sind Sünder.
Auch wenn wir Gott vertrauen, wir bleiben, wir bleiben irgendwie Sünder. Aber die Leute haben gemerkt, das ist bei dem anders.
Wow. Ich sage euch das, das ist eine Erfahrung: Der Mann ist in seinem Vertrauen zu Gott nicht angekränkelt. Das haben die im Laufe der Monate gespürt.
So entsteht diese Botschaft.
Gut, jetzt will ich zum Schluss kommen, die Zeit ist rum.
Ich will aber einen Punkt noch andeuten, der spielt am Sonntagmorgen dann wieder eine Rolle. Also ich habe ja so angefangen: Verblüffend ist die Voraussetzung dieses Mannes und seine Wirkung. Das ist wirklich ein Phänomen, ich bin da fasziniert.
Erklär mir das mal. Das ist ein tiefes Geheimnis, aber da muss ich eigentlich nichts glauben.
Das liegt auf der Hand. Das ist so. Da kannst du mal staunen. Ja, wie kann man das erklären?
Also richtig tief erklären kann es wahrscheinlich niemand. Aber es gibt im Neuen Testament schon die entscheidenden Hinweise, warum bei solchen Voraussetzungen eine solche Wirkung möglich geworden ist.
Und das ist der Name Jesus Christus. Ich will einfach so die Basics (nennen): Jeder weiß ja: Jesus Christus. Ihr wisst aber jetzt schon, das ist latinisiert, das ist entjudaisiert. Man hat Jesus entjudaisiert – Jesus Christus, der könnte auch in China geboren worden sein. Auch im Apostolischen Glaubensbekenntnis steht nicht mehr drin, dass Jesus ein Jude war. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis kommt das Wort Israel nicht vor.
Also der Name Jesus Christus ist ein hebräischer, orientalischer Name, Jeschua Meshiach.
Jetzt – Jeschua ist ein Allerweltsname, war damals einer der häufigsten Vornamen.
Auch übrigens Joshua. Joshua ist auch Jeschua. Joshua und Jeschua ist bloß so eine leicht andere Aussprache. Also Josua heißt auch Jesus. Jeschua war damals einer der häufigsten Vornamen.
Auch Yakov, Jakobus, war auch einer der häufigsten Vornamen. So wie im 19.
Jahrhundert in Deutschland Peter und Hans. Das waren die zwei häufigsten Vornamen.
Also so ein Allerweltsname, der hat schon auch eine Bedeutung, aber die hört man gar nicht mehr, weil das ist halt Jeschua. Das heißt, wenn man es wörtlich übersetzt „Gott ist meine Rettung“. Aber das war so ein Allerweltsname, man denkt da nicht so jetzt tief drüber nach. Muss man auch nicht.
Also Jeschua. Und jetzt, was heißt Meshiach? Meshiach heißt Messias, wörtlich übersetzt „der Gesalbte“. Und das führt uns auch auf eine ganz tiefe Spur. Gesalbt wurden im alten Israel vor allem Könige, manchmal auch Propheten, manchmal auch Priester, egal, am wichtigsten ist die Salbung der Könige. Und ab einer gewissen Zeit hofften die Israeliten, dass mal ein großer König kommen wird, der König, der Gesalbte.
Eigentlich ist jeder König, jeder Davidite, ein Gesalbter. Aber mit dem Aufkommen, mit dem Entstehen der messianischen Hoffnung, so im dritten, zweiten Jahrhundert vor Christus, entsteht eine ausdrücklich messianische Hoffnung im Judentum. Und jetzt hofft man auf den Gesalbten und das heißt Meshiach, also Messias.
Jetzt bei den Christen war das so, dass dieser Name Jesus Christus – ein Schüler heute in Ludwigsburg, ein Sechstklässler, Achtklässler, wenn ich sage Jesus Christus, dann hört er das so wie Siegfried Zimmer oder Martin Benz. Also Jesus ist der Vorname und Christus ist der Nachname, so wie Pontius Pilatus.
Nein, das stimmt aber nicht. Im Orient gibt es gar keinen Nachnamen. Das gibt es gar nicht. Christus ist kein Name, sondern ein Titel: „der Gesalbte“. Und Jesus Christus heißt eigentlich, Jesus ist der Christus. Das ist damit gemeint. Das ist eigentlich eine Glaubensaussage. Wir Christen glauben, dass Jesus der Gesalbte ist.
Und was meinen wir Christen damit? Das ist auch wieder völlig neu. Wir Christen glauben, dass Jesus der Messias ist. Das meint ja das Wort Christus. Wir glauben auch, dass Jesus der Messias Israels ist. Das glauben wir auch.
Aber wir haben ein ganz neuen Messias-Glauben, den es im Judentum so nicht gibt. Denn wenn wir sagen Jesus Christus, meinen wir, Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Das meinen wir mit Christus. Das ist der Gesalbte. Durch den Kreuzestod (und dadurch), dass Gott den Gekreuzigten, den Toten, von den Toten auferweckt hat, und dass der Auferweckte sich gemeldet hat, das drücken wir mit dem Wort Christus aus. Juden nicht.
Also, Christus heißt zwar Meshiach, aber wir haben nicht einfach den jüdischen Messias-Glauben, sondern wir haben einen christlichen Messias-Glauben. Und der hängt an der Auferweckung.
Also „Jesus Christus“ heißt eigentlich „Ich glaube, dass Jesus als Gekreuzigter von Gott von den Toten auferweckt worden ist und so als Messias offenbart worden ist.“ Das heißt, das Geheimnis, wie aus diesen Voraussetzungen die Wirkung entstehen kann, hängt sehr tief an der Auferweckung.
Denn (die Bezeichnung, der Name) „Jesus Christus“ ehrt diesen jungen Mann aus Nazareth, als den, den Gott von den Toten auferweckt hat und ihm damit recht gegeben hat. Also das Geheimnis hängt darin, dass Gott einen Gekreuzigten, ausgerechnet einen Gekreuzigten, als ersten so vom Tode befreit hat, dass er dem Tod überhaupt nicht mehr unterliegt.
Und das war Movecast für heute, vielen Dank fürs Dabeisein. Natürlich muss ich an dieser Stelle ganz kurz ergänzen, dass ich natürlich der Auffassung bin, dass Jesus verheiratet war, im Gegensatz zu dem, was der Siegfried Zimmer hier gesagt hat, und zwar gehe ich davon aus, dass Jesus verwitwet war. Mehr dazu in Movecast 15, da tu ich das ganz genau erklären, wie ich zu dieser Überzeugung komme, und ich habe übrigens mit Siegfried Zimmer damals hinterher darüber gesprochen, und ihm waren einige der Dinge, die ich da in diesem Movecast 15 erwähne, nicht bekannt, sodass er hinterher auch bestätigt hat, dass unter den Aspekten er es auch durchaus für möglich hält, und für sogar wahrscheinlich hält, dass Jesus verheiratet bzw. verwitwet war. Wer da also mehr dazu erfahren will, kann gern mal in Movecast 15 reinhören.
Wenn ihr Movecast gerne finanziell unterstützen möchtet – da freue ich mich darüber -, auch dazu findet ihr alle Informationen darüber auf meiner Webseite movecast.de. Movecast lebt allein von Spenden, und insofern freue ich mich, wenn ihr da einen Beitrag leisten könnt. Schaut doch immer wieder mal auf meiner Webseite vorbei für neue Ideen, neue Veranstaltungen. Im Raum Lörrach starte ich ab Herbst eine Art bible study – ich habe noch keinen Namen dafür -, wo es darum geht, die Inhalte aus meinen Büchern noch mal kurz zusammenzufassen und dann die Runde zu öffnen für ganz viel Gespräch, für ganz viel Fragen, für ganz viel Diskussion. Da starte ich etwas in Staffeln, in verschiedenen Episoden im Raum Lörrach, da gibt’s dann z.B. eine erste Staffel zum Thema Bibelverständnis, und dann gibt’s da vielleicht 5 Abende dazu, wo man eben ganz viel darüber diskutieren kann, fragen kann, Verständnisfragen stellen kann – das wird dann also eine Veranstaltung von Movecast vor Ort sein. Schaut mal auf der Webseite vorbei, da erfahrt ihr alles Weitere in den kommenden Wochen. Ich würde mich freuen, den Einen oder Anderen da zu sehen.
Macht´s gut, be blessed, byebye.