Movecast Mini (MM) 214: Josua und Jesus – Hätte Jesus die Kanaaniter vernichtet?

Jesus und der alttestamentliche Josua tragen exakt denselben Namen. Beide nennen sich auf hebräisch Josua oder auf griechisch Jesus. Auf geniale Art und Weise stellt der Evangelist Matthäus eine Parallele zwischen diesen beiden Männern her und zeigt auf, wie anders das Reich Gottes bei Jesus funktioniert im Vergleich zu Josua. Wo der eine die Königsherrschaft Gottes mit Gewalt, Mord und Blutvergießen durchsetzt, verwirklich der andere das Reich Gottes durch Güte, Leben und Heilung.

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Transkript:

Und heute geht’s mir um die Verbindung zwischen Josua und Jesus. Es gibt ja ein alttestamentliches Buch, das nennt sich Josua, kommt direkt nach den fünf Büchern Mose. Und dieses Buch ist nun wirklich sehr problematisch, denn es ist ein ungeheuer gewalttätiges Buch. In dem Buch geht es um die Eroberung des Landes Kanaan, die Eroberung der Kanaaniter durch die israelische Armee unter der Führung des Josua, der gleichzeitig Nachfolger von Mose war. Und dieses Buch ist wirklich eines der gewalttätigsten Bücher in der ganzen Bibel. Möchte euch nur zwei Abschnitte vorlesen. Josua 6 Vers 20. Da heißt es, da stießen sie in die Hörner und das Volk begann mit einem gewaltigen Kriegsgeschrei. In diesem Moment brach die ganze Mauer in sich zusammen, da stürmten die Israeliten von allen Seiten in die Stadt und eroberten sie. Mit dem scharfen Schwert in der Hand vollstreckten sie den Bann an allem, was in der Stadt lebte, an Männern und Frauen, alten und Jungen, Rindern, Schafen und Eseln. Besonders grausam wird es dann auch in Kapitel 10. Dort heißt es dann: „Alles lebende darin wurde mit dem Schwert getötet … und sie erschlugen alles lebendige darin mit dem Schwert … und sie vollstreckten wie in Lachisch an allem Lebendigen den Bann … sie vollstreckten den Bann und vernichteten alles Leben darin … Keiner entging dem Gericht Gottes … an allem von Streck der den Bann, wie es Jahwe Israels Gott befohlen hatte.“  Das ist so eine Zusammenfassung des Kapitel 10.

Also ungeheuer gewalttätig. Mord und Totschlag, alle werden ausgerottet mit Stumpf und Stiel, egal ob jung, ob alt, ob Mann, ob Frau, ob Kind, ob Säugling, ob Rind oder ob Schaf. Viele Christen verstören diese Texte, nicht nur heute, sondern schon in der Kirchengeschichte. Ein Origenes und andere Kirchenväter haben das Buch Josua allegorisch ausgelegt, also gar nicht historisch, sondern als Übertragung für dem Kampf gegen die Sünde oder den Kampf gegen Mächte, aber nicht als wirklichen Kampf, weil die schon damals gedacht haben, boah, das ist aber sehr blutrünstig und widerspricht in so vielem der Offenbarung Gottes durch Jesus.

Und nun finde ich es ganz spannend, dass es einen neuen Josua gibt. Nämlich Jesus. Ihr müsst euch bewusst machen, dass Jesus und Josua den genau gleichen Namen tragen. Bloß ist Josua hebräisch und Jesus ist griechisch, denn das Neue Testament wurde in Griechisch geschrieben und das Alte Testament in Hebräisch. Aber von seinen Zeitgenossen wurde Jesus nicht Jesus genannt, sondern Jehoschua, genauso wie der Jehoschua im Alten Testament. Und wenn man sich die Septuaginta anschaut, also die griechische Übersetzung des Alten Testaments, dann steht dort jedes Mal, wo Josua steht, im griechischen Jesus, der ganz normale gleiche griechische Ausdruck für Jesus wie im Neuen Testament. Also Jesus im Alten und Jesus im Neuen Testament. Josua und Jesus ist genau derselbe Name. Im Hebräischen heißen beide Josua, Jehoschua und im griechischen heißen beide Jesus.

Und diese Namensgebung, die ist kein Zufall, sondern es heißt explizit im Matthäus Evangelium und im Lukas Evangelium, dass Josef und Maria ihren Sohn Jesus nennen sollen. Das ist nicht ihre Idee, Gott will das so. Indem Gott jetzt selbst durch Jesus auf diese Welt kommt, wird ganz vieles gerettet, geheilt, wiederhergestellt, aber auch klargestellt. Und ich glaube eine der wichtigen Aufgaben Jesu ist eine Klarstellung in Bezug auf Josua und diese Gewalttätigkeit. Bei Josua begegnen die Kanaaniter der Königsherrschaft Gottes, dem Reich Gottes und das führt zu ihrer Vernichtung. Sie werden getötet, umgebracht und ausgerottet. Das große Sterben beginnt, wenn Kanaaniter dem Reich Gottes begegnen. Das ist der Narrativ bei Josua.
Und nun macht Matthäus mit seinem Evangelium etwas total Spannendes. Ich glaube er setzt ganz bewusst diesem Josua, diesem alttestamentlichen Jesus, den neutestamentlichen Jesus entgegen. Und das macht er folgendermaßen. Ich habe es schon erwähnt, am Anfang des Evangeliums wird explizit genannt, dass Maria und Josef ihren Sohn Jesus nennen sollen.
Im griechischen Alten Testament, der sogenannten Septuaginta, kommt der Begriff Jesus 172-mal im Josua Buch vor. Also 172-mal findet man in der griechischen Version des Josua Buches den Namen Jesus.
Matthäus benutzt den Namen Jesus ebenfalls 172-mal in seinem Evangelium. Also beide Male im Matthäus Evangelium und im Josua Buch kommt das Wort Jesus 172-mal vor. Für mich ist das kein Zufall.
Und nun schildert Matthäus in Kapitel 15 die Begegnung mit einer Frau aus Syrophönizien. Im Markus Evangelium wird sie eine syrophönizische Frau genannt und sie wird explizit als Griechin bezeichnet. „Mar 7:26 Die Frau war eine Griechin und stammte aus dieser Gegend, dem syrischen Phönizien. Sie bat ihn, den Dämon aus ihrer Tochter auszutreiben.“
Matthäus sagt eine Frau aus dem Gebiet von Sidon und Tyrus. Ich lese einmal die Verse aus Matthäus vor. „Jesus brach von dort auf und zog sich in die Gegend von Tyrus und Sidon zurück. Da kam eine Frau auf ihn zu und rief: „Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir, meine Tochter wird von einem bösen Geist furchtbar gequält.“ Es war eine Kanaaniterin aus jener Gegend.“

Matthäus nennt sie eine Kanaaniterin. Es war in Wirklichkeit eine Syrophönizische Frau. Diese beiden Städte, Tyrus und Sidon, waren heidnische Städte im Norden von Israel und Kanaaniter gab es zur damaligen Zeit gar nicht mehr. Es gab kein Land Kanaan mehr. Es gab kein Gebiet, das man Kanaan nannte. Das ist ein Begriff, der hier völlig fehl am Platz ist. Diese Frau ist Syrophönizisch, nicht Kanaanitisch, aber Matthäus nennt sie ganz bewusst eine Kanaanitische Frau. Damit will er eine Assoziation auslösen zu den alten Zeiten der Kanaaniter.
Das wäre so, als wenn ich heute von Norwegern rede, nenne sie aber Wikinger, oder wenn ich von Babylonien spreche, wenn ich eigentlich jemand aus dem Irak meine. Das macht man, wenn man eine Assoziation auslösen soll. Die Iraker waren mal Babylonier und die Norweger waren mal Wikinger früher und die Sippe dieser Frau war früher mal ein Teil der Kanaaniter, die es jetzt gar nicht mehr gibt, aber damit stellt er eine Verbindung zum Josua Buch her, denn dort ging es um die Eroberung Kanaans. Dort kam es zur Begegnung zwischen Kanaanitern und Israeliten. Die gab es zur Zeit von Mose ja noch nicht. Beim Mose sind sie noch gar nicht ins verheißene Land. Da gab es noch keine Berührung mit Kanaanitern, aber bei Josua kam es zur Begegnung zwischen einem Josua und Kanaanitern. Und jetzt schildert Matthäus diese Geschichte so, dass es wieder zur Begegnung kommt zwischen einem Josua, nämlich Jesus, und einer Kanaaniterin. Bei der Begegnung zwischen Josua und den Kanaanitern erfolgte Sterben, Totschlag und Mord. Bei der Begegnung zwischen Jesus und dieser Kanaanitischen Frau kommt es zu Heilung und zu Leben. Denn Jesus heilt das Kind dieser Kanaanitischen Frau. Wenn die Begegnung mit dem Reich Gottes im Alten Testament zu Tod und Sterben geführt hat, so führt die Begegnung mit dem Reich Gottes bei Jesus zu Leben und Heilung.

Einer der Gründe, warum die Kanaaniter ausgerottet werden sollten, war deren Götzendienst, deren Verbindung mit anderen Göttern. Und Matthäus erzählt die Geschichte ebenfalls so. Die Tochter dieser Frau ist von Dämonen, von bösen Geistern besessen. Im Neuen Testament sind Dämonen ein direkter Hinweis auf andere Götter und Götzen. So steht z.B. in 1. Korinther 10 ab Vers 19: „Will ich damit sagen, dass ein Götzenopfer oder ein Götzenbild irgendeine Bedeutung hat? Nein, aber was sie opfern, das opfern diese Leute Dämonen und nicht Gott. Ich will aber nicht, dass ihr in Kontakt mit Dämonen kommt“, sagt Paulus.
Diese Frau hat eine Tochter, die dämonisch besessen ist. Sie ist im direkten Kontakt mit anderen Göttern, mit diesen Götzen. Und wegen genau diesen Götzen sollten Kanaaniter umgebracht und ausgerottet werden. Jesus begegnet hier wieder einer Kanaaniterin, obwohl es eigentlich gar keine ist, und die hat ein Kind, das dämonisch besessen ist, also eine direkte Verbindung zu den Götzen hat. Ich könnte sagen, die Frau ist genau der Prototyp dessen, was Josua begegnet ist. Kanaaniter, die mit Dämonen, also mit Götzen in Verbindung stehen. Aber die Reaktion ist eine vollkommen andere. Hier wird nicht getötet und ausgerottet, sondern Jesus heilt dieses Kind und stellt es wieder her.

Und damit macht Gott deutlich, der Weg Jesu ist ein komplett anderer Weg als der Weg des Josua. In Jesus offenbart sich, wie Gott wirklich tickt und handelt, wie Gott mit Kanaanitern wirklich umgeht. Wenn wir den göttlichen Umgang mit den Kanaanitern erkennen wollen, dann schauen wir auf den Jesus des Neuen Testaments und nicht auf den Jesus des Alten Testaments. Nicht im Buch Josua offenbart sich der Geist Gottes, sondern im Matthäus Evangelium, in der dortigen Schilderung des Jesus. Wer Jesus sieht, der sieht den Vater. Wer den Jesus im Alten Testament, nämlich Josua sieht, der sieht den Vater nicht. Und diese Unterscheidung ist wichtig und die hat Matthäus für uns getroffen, indem Gott bewusst dieses Kind Jesus nennen lässt, indem der Name Jesus 172-mal vorkommt, indem bei der Geschichte diese Frau als Kanaaniterin bezeichnet wird, deren Kind besessen ist von Dämonen. All das Hinweis auf das alte Kanaan und die dortigen Menschen, aber ein völlig anderer Umgang mit ihnen und ein völlig anderes Ereignis, wenn sie dem Reich Gottes in Jesus begegnen. Diese eine Geschichte mit der Kanaanitischen Frau versöhnt mich mit dem ganzen Josua Buch, weil ich weiß, wie Gott wirklich tickt und was wirklich das Reich Gottes bedeutet.

 

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