Mythos oder Heilige Schrift? Das große Drachen-Rätsel

In der Bibel gibt es viele großartige Texte, die von unschätzbarem Wert sind für unser Gottesbild, unser Menschenbild und unsere Jesusnachfolge. Manche dieser Texte können wir genauso nehmen, wie sie aufgeschrieben wurden. Andere sind poetisch oder haben eher Gleichnis- oder mythologischen Charakter. Es geht bei der Bibel weniger um die Frage, welche Texte historisch oder naturwissenschaftlich wahr sind, sondern vielmehr um die Frage, welche großen Wahrheiten die unterschiedlichen Texte und Gattungen uns erzählen wollen.

Im folgenden zitiere ich vier unterschiedliche Texte, die sich mit Drachen und Ungeheuern beschäftigen. Gerne dürft ihr mitraten, welcher Text woher stammt:

Teil 1: Das Quiz – Wer beschreibt welchen Drachen?

Vier Texte, vier unbezwingbare Ungeheuer, vier Jahrtausende Literaturgeschichte. Welcher Text stammt aus der Bibel, welcher aus moderner Fantasy und welche aus antiken Mythen?

Textauszug I

„Aus seinem Schlund und seinen Nüstern stieg weißer Rauch empor, und tief in seiner Brust grollte ein schwelendes Feuer. Seine Flanken und sein langer Leib waren mit einem Panzer überzogen, hart wie gehärteter Stahl und glänzend wie Diamanten. Er sprach voller Stolz: ‚Mein Panzer ist wie zehnfache Schilde, meine Zähne sind Schwerter, meine Klauen Speere, der Schlag meines Schwanzes ein Gewitter, meine Schwingen ein Wirbelsturm und mein Atem der Tod!‘ Keine Klinge vermochte seine Schuppen zu ritzen, und Pfeile zerschellten an seiner Brust wie vertrocknetes Schilf.“

Textauszug II

„Wer ist in der Lage, ihm den Panzer auszuziehen, wer wagt es, ihm zwischen die Zähne zu greifen? Wer kann das Tor seines Mauls aufbrechen, das von seinen fürchterlichen Zähnen bewacht wird? Schau dir seinen Schuppenpanzer an: wie eine Reihe von Schilden, fest miteinander verbunden! Eine Schuppenplatte sitzt neben der anderen, kein Lufthauch geht zwischen ihnen hindurch. Aus seinen Nüstern quillt der Rauch wie aus einem Kessel über dem Feuer. Sein Atemstoß setzt Kohlen in Brand, eine Flamme schießt aus seinem Rachen hervor. Jeder Schwerthieb gegen ihn bleibt ohne Wirkung; Speer, Pfeil und Lanze prallen ab. Waffen aus Eisen fürchtet er nicht mehr als einen Strohhalm, und Bronze ist für ihn wie morsches Holz. Er kann nur lachen, wenn die Speere auf ihn sausen.“

Textauszug III

„Aus seinen feurigen Augen sprüht lodernde Glut, sein Leib schwillt von giftigem Brodem, und eine dreifache Zunge schnellt hervor zwischen drei Reihen furchtbarer Zähne. Als der Held einen gewaltigen Felsblock schleuderte, der sonst Festungstürme zerschmettert, blieb das Ungeheuer unversehrt: Seine Schuppen wie ein eiserner Brustharnisch und seine harte Haut wehrten den Streich mühelos ab. Auch der Speer prallte am Rücken zersplittert ab wie an einer Felswand, während aus dem Rachen sengender Dampf die Luft verpestete.“

Textauszug IV

„Sie schuf riesige Schlangen und Drachen mit spitzen Zähnen und unbarmherzigen Fängen. Anstelle von Blut füllte sie sengende giftige Flammen in ihre Leiber. Furchtbare Ungeheuer bekleidete sie mit blendendem Schreckensglanz und krönte sie mit unnahbarer, göttergleicher Majestät, sodass jeder, der sie nur erblickt, vor Entsetzen vergeht. Wer ihnen auch entgegentritt, weicht vor Furcht zurück; ihr gewaltiger Leib bäumt sich auf und kein menschlicher oder göttlicher Angriff vermag ihre Brust zu beugen.“

Die möglichen Quellen:

  • Römische Antike: Ovid
  • Bibel: Altes Testament
  • J. R. R. Tolkien: Der Hobbit
  • Babylonischer Schöpfungsmythos: Enūma eliš

Die Auflösung findet sich im kommenden Blogartikel.