Wer Kindern Ärgernis bereitet soll mit einem Mühlstein um den Hals ersäuft werden und wenn eine Hand sündigt wird sie abgehakt? In dieser Episode von Movecast erklärt Martin Benz, dass viele Aussagen Jesu bewusst übertrieben sind und nicht wörtlich genommen werden sollten. Er beleuchtet die Bedeutung hyperbolischer Sprache und die Dramaturgie in Jesu Reden, um die Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit seiner Botschaften zu verdeutlichen. Die Übertreibungen stellen nicht den Charakter Jesu in Frage , sondern sollen vielmehr die Wichtigkeit der Inhalte unterstreichen.
Takeaways
Movecast und Lovecast finanzieren sich ausschließlich von Spenden. Wenn du Movecast unterstützen möchtest, findest du alle Informationen hier: https://movecast.de/spenden-givio/. Vielen Dank!
Das Transskript zur Folge findet sich auf www.movecast.de unter der jeweiligen Episode.
GEMA-freie Musik von www.frametraxx.de
Cinematic by Makaih Beats is licensed under a Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International License.
https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de
Transskript zu MC 190:
Willkommen zu Movecast, dem Podcast, der etwas bewegen möchte. Mein Name ist Martin Benz, und jetzt geht’s los.
Gleich zu Beginn zwei Informationen: Zum einen habe ich einen neuen Podcast gestartet mit dem Namen Lovecast. Bei Lovecast geht es ums Thema Beziehungen, Liebe, Sexualität. Es wird um Themen gehen wie Erziehung oder auch Scheidung, Versöhnung. Dieses ganze Themenfeld decke ich ab, und dieser Lovecast erscheint auf dem gleichen Feed wie Movecast. Also dort, wo ihr bisher Movecast angehört hat, dort erscheint jetzt zwischendurch immer wieder ein Lovecast. Der beginnt mit der Zählung bei 1, jetzt ist gerade diese Woche Lovecast 1 erschienen, und Lovecast wird wahrscheinlich nicht so oft erscheinen wie Movecast, etwas unregelmäßiger, aber ihr findet das auf dem gleichen Feed. Zusätzlich findet ihr das Ganze auch im Internet auf meiner Seite movecast.de, oder es gibt einen eigenen Link für Lovecast; wenn ihr auf lovecast.info geht, dann landet ihr direkt bei den Podcasts auf meiner Webseite, wo ihr die auch anhören könnt oder die Shownotes lesen könnt.
Ansonsten bin ich nach wie vor dankbar für all eure Unterstützung. Ich bin jetzt seit etwas mehr als einem Jahr selbstständig als Theologe, als Podcaster und als Autor, und eine ganze Reihe Leute hat sich verpflichtet, mich das erste Jahr zu unterstützen. Dieses Jahr ist nun zu Ende. Insofern haben einige jetzt diese Unterstützung eingestellt oder haben ihre monatlichen Beiträge reduziert. Insofern bin ich nach wie vor dankbar, wenn sich dankbare Hörer von Movecast oder auch Leute, die mein Buch lesen und davon profitieren und deren Glaube sich dadurch weiterentwickeln durfte, wenn die diese Arbeit finanziell unterstützen. Man kann das tun. Auf meiner Webseite gibt es alle Informationen dazu, die Kontoangaben – am hilfreichsten ist natürlich, wenn jemand einen Dauerauftrag einrichtet und sagt, ich unterstütze dich für eine gewisse Zeit monatlich mit diesem oder jenem Betrag. Das sichert diese Arbeit, das sichert mein Einkommen. Herzlichen Dank für alle, die da einen Beitrag leisten, das schon lange tun, das weiterhin tun und danke allen, die da neu dazu kommen. Das als Informationen, und jetzt legen wir los mit der heutigen Episode.
Heute geht es wieder um den scheinbar unfreundlichen Jesus. Da gibt es bereits zwei Episoden, Movecast 179 und 183, und jetzt also eine weitere zu diesem Themenfeld. Ich möchte heute der Frage nachgehen, wie wir mit Aussagen Jesu umgehen, die ziemlich radikal oder vehement wirken. Und wie können wir mit denen umgehen, wenn wir auf die stoßen? Ich kann da gar nicht alle erwähnen, aber ein paar davon. Es gibt auch nicht ganz so viele davon. Also Jesus tut nicht andauernd rumrennen und brutal harte und radikale Dinge sagen. Aber dort, wo wir drauf stoßen, möchte ich gerne Hilfe liefern, diese Stellen einzuordnen.
Ich fange mal an und lese euch ein paar vor, damit ihr wisst, von was ich rede. Jesus sagt zum Beispiel in Matthäus 18, Vers 6 „ … wer aber einen von diesen gering Geachteten, die an mich glauben, zu Fall bringt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins tiefe Meer geworfen würde.“ Oder in Lukas 14, Vers 26 sagt Jesus: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht seinen Vater und die Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern hasst, dazu aber auch seine eigene Seele, der kann nicht mein Jünger sein.“ Oder in Matthäus 11, ab Vers 23, sagt Jesus: „Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhoben bist, du wirst bis zur Hölle hinabgeworfen werden. Denn wenn zu Sodom die Taten geschehen wären, die bei dir geschehen sind, es stünde noch heutzutage. Doch ich sage euch, es wird dem Lande Sodom erträglicher gehen am Tage des Gerichts als dir.“ Und eine weitere, letzte, sehr bekannte Stelle, Matthäus 5, ab Vers 29: „Wenn du aber durch dein rechtes Auge verführt wirst, dann reiß es aus und wirf es weg. Es ist besser für dich, du verlierst eines deiner Glieder, als dass du mit unversehrtem Körper in die Hölle kommst. Und wenn dich deine rechte Hand zur Sünde verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg. Es ist besser für dich, du verlierst eines deiner Glieder, als dass du mit unversehrtem Körper in die Hölle kommst.“
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, meint das Jesus wirklich so? Sagt er wirklich völlig undifferenziert, wenn jemand einem gering Geachteten Ärgernis bereitet, den zu Fall bringt, dann soll man diesem Menschen einen Mühlstein um den Hals hängen und ihn ins tiefe Meer werfen – also ersäufen. Das ist nicht differenziert, das ist nicht irgendwie nuanciert, sondern da gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit: Mit einem Mühlstein um den Hals ersäufst du elendig, wenn du ins Meer geworfen wirst!
Und will Jesus wirklich, dass seine Jünger die Menschen um sich herum hassen – Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern? Sollen wir als Jünger Jesu wirklich andere Menschen hassen? Und meint Jesus wirklich, dass Kapernaum bis in die tiefsten Tiefen der Hölle hinabgeworfen wird und dass das Land Sodom sogar besser ist als Kapernaum zur Zeit von Jesus?
Was wir hier vorfinden, ist sogenannte hyperbolische Sprache. Das sind Sprachbilder. Es geht um Übertreibung, um eine gewisse polemische Sprache, die wir hier vorfinden. Und es ist jetzt wichtig, dass wir hyperbolische Sprache, Übertreibung oder polemische rhetorische Sprache nicht abwerten als „ungöttlich“ oder „dann kann es nicht inspiriert sein“. Nein, Jesus bedient sich der Übertreibung, um bestimmte Punkte deutlich zu machen, Sachen auf den Punkt zu bringen. Hyperbolische Sprache vermittelt dem, was man sagen will, eine gewisse Dringlichkeit, eine Wichtigkeit, eine hohe Bedeutung. Man fokussiert sich ganz stark auf den Punkt, den man hier machen möchte. Jesus hat eine gewisse Dramaturgie in seinen Reden. Er sagt gewisse Sätze oder erzählt Geschichten, die eine gewisse Dramaturgie haben. Da wird etwas dramatisch, höchst deutlich, ja sogar radikal ausgedrückt. Aber es geht nicht darum, das, was Jesus hier sagt, wörtlich so zu nehmen, sondern es geht darum, die Ernsthaftigkeit, die Dringlichkeit hinter diesen Worten zu erkennen. Am allerdeutlichsten merkt man das bei der Stelle, die ich vorhin vorgelesen habe, von „Hand abschlagen“ und „Auge ausreißen“. Da redet Jesus davon, dass einen ja die rechte Hand oder das rechte Auge zur Sünde verführt. Und da merkt man schon, das ist ja völlig absurd. Man sündigt ja nicht einfach nur mit der rechten Hand, und die linke Hand weiß nichts davon. Ich sehe ja nicht begehrlich mit dem rechten Auge auf irgendetwas, und das linke Auge kriegt nichts davon mit. Das ist ja organisch gar nicht möglich. Es sind immer beide Augen, die etwas sehen. Und wenn ich sündige, dann sind normalerweise beide Hände involviert. Es gibt ja nicht eine Hand, mit der ich sündige, und die andere halte ich immer hinterm Rücken, und die sündigt nicht. Also ich kann ja gar nicht sagen, war das mit der rechten oder mit linken Hand.
Natürlich, wenn ich sündige, wenn ich etwas Böses tue, wenn ich jemanden schlage oder wenn ich etwas raube oder stehle, dann mache ich das normalerweise mit beiden Händen und habe mir nicht eine Hand auf den Rücken gebunden, um zu sagen: „Halt, also meine linke Hand, die ist aber ganz unschuldig“. Es geht also nicht darum, dass Jesus hier wörtlich verstanden werden darf, als würde es etwas bringen, sich tatsächlich die rechte Hand abzuschlagen oder das rechte Auge auszureißen, dann hätte man das Problem mit der Verführung gelöst. Sondern Jesus erzählt das mit dem Abschlagen und dem Ausreißen so, dass man merkt, es ist hier also ganz, ganz ernst, das ist dringend, das ist drängend, es ist wichtig, dass wir dem Kampf gegen die Sünde etwas entgegenstellen, dass wir uns nicht überall verführen lassen. Wir müssen das ernst nehmen. Verführung ist ein großes Problem. Dagegen müssen wir vorgehen, dagegen müssen wir in den Kampf ziehen. Wir dürfen uns nicht zur Sünde verführen lassen. Aber es geht natürlich überhaupt nicht darum, dass wir uns tatsächlich die eine Hand abschlagen sollen oder das eine Auge ausreißen sollen. Das ist hyperbolische Sprache, das ist Übertreibung, das ist die Sache auf die Spitze getrieben. Aber wenn Jesus das so erzählt, dann ergibt es eben eine gewisse Dramaturgie. Diese Übertreibung, die malt uns mit voller Wucht vor Augen, wie ernst und konsequent unser Vorgehen gegen das sein muss, was uns zur Sünde verleitet. Bei Übertreibungen oder hyperbolischer Sprache, da werden keine Nuancen erwähnt, da wird nicht abgestuft oder differenziert. Hier würde jede Differenzierung den Punkt, den Jesus machen möchte, abschwächen. Es geht also nicht darum, dass jemand wirklich einen Mühlstein um den Hals bekommt oder jemand wirklich seine Hand abschlagen muss oder jemand wirklich seine Eltern hassen muss, um ein Jünger Jesu zu sein. Sondern diese polemische, übertriebene Sprache erzeugt eine Wucht, eine Schwere, ein Gewicht, eine Dringlichkeit. Die Hörer sollen getroffen werden, überführt werden, betroffen sein. Und das hat seine absolute Berechtigung. Wer einfach nur prosaisch daherredet, der wird es vielleicht verpassen, Menschen wirklich ins Herz zu treffen, sie zu bewegen, sie zu motivieren, sie zu schockieren. Aber das macht man mit hyperbolischer Sprache. Dort schockiert man Menschen oder macht Menschen betroffen oder erzeugt eine Reaktion oder Emotionen bei den Menschen. Jesus will bei seinen Zuhörern etwas auslösen. Er will nicht einfach neutral, ausgewogen, so kühl dahersprechen. Nein, er möchte begeistern oder eben auch schockieren, er möchte betroffen machen durch seine Worte. Und wir machen das bis heute. Ein Prediger macht das, Autoren machen das, Redner machen das. Wir machen das, wenn wir drastische Bilder gebrauchen oder wenn wir durch ein drastisches Bild veranschaulichen, was wir wirklich meinen und um was es uns geht, oder wenn ein Film eine Storyline so aufbaut, dass wir am Ende als Zuschauer emotional voll erwischt werden, voll mitgenommen werden oder voll abgeholt werden.
Letztlich geht es hier um biblische oder jesuanische Dramaturgie, um einen Punkt zu machen, der uns emotional oder in unserem Gewissen oder tief in unserem Herzen voll erwischt und uns dadurch befähigt, wichtige Lebensentscheidungen oder Umkehrentscheidungen zu treffen. Aber es wäre falsch, diese Stelle wörtlich zu nehmen und darin einen unfreundlichen Jesus zu entdecken. Ein Thema, bei dem Jesus immer wieder starke Emotionen hervorrief und einen klaren Punkt setzen wollte, war das Thema Reichtum. Aber auch hier bedient sich Jesus hyperbolischer Sprache, Übertreibung. Er kann z.B. sagen (Lukasevangelium): „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingeht“. Und zu einem reichen jungen Mann hat Jesus gesagt: „Eins fehlt dir noch, verkaufe alles, was du hast, und gib den Erlös den Armen, dann wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach“. Dieser junge Mann fragte danach, wie er das ewige Leben bekommt, und das war die Antwort Jesu: „Verkaufe alles, was du hast, und folge mir nach“. Und das hat Emotionen ausgelöst: Der junge Mann ging traurig weg, weil er so viel Besitz hatte. Wenn wir das genauso nehmen, wie es dasteht, dann ist es unmöglich, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr eingeht, und die Jünger reagieren ja auch emotional darauf und sagen: „Wer kann dann gerettet werden?“. Also das löst Emotionen aus, aber das ist hyperbolisch gemeint , genau wie der Satz, alles zu verkaufen. Also ich wüsste jetzt keinen Christen in meinem Umfeld, dessen Bekehrung so ablief, dass er alles verkauft hat, was er hat und dann besitzlos blieb und alles den Armen gegeben hat. Also da kenne ich niemanden, der das so gemacht hat. Also offensichtlich hat Jesus selber das nicht so gemacht, denn wir lesen an anderer Stelle, dass Jesus eine Kasse hatte – Judas hat die Kasse verwaltet, also Jesus hatte Geld dabei, sie mussten ja auch Mahlzeiten kaufen, Unterkünfte bezahlen usw. Also Jesus war nicht völlig besitzlos, d.h. diese Sätze sagt er und meint es nicht wörtlich, „jeder Christ muss besitzlos sein“, oder „es ist unmöglich, dass ein Reicher ins Himmelreich kommt“, das ist drastisch ausgedrückt, dramatisch ausgedrückt, das löst Emotionen aus. Aber am Ende will Jesus diesen einen Punkt machen: Reichtum und das Himmelreich, das ist eine große Konkurrenz. Man kann nicht beidem dienen. Es wird schwierig sein, Nachfolger Jesu zu sein, sich für das Reich Gottes einzusetzen und sich gleichzeitig um Wohlstand und Reichtum zu kümmern. Diese beiden Dinge gehen nicht zusammen, und an anderen Stellen macht er dann deutlich die Gefahren von Reichtum, was der Reichtum mit unserem Charakter macht, mit unserem Herzen macht, mit unserer Seele macht. Also hier möchte Jesus einen ganz klaren Punkt machen: Reichtum ist höchst gefährlich und höchst problematisch. Aber das ist nicht wörtlich gemeint, das ist übertrieben, hyperbolisch gemeint.
Diese hyperbolische Sprache, diese übertriebenen Bilder, die sagen nichts über den Charakter Jesu aus, als wäre er radikal, rücksichtslos oder gefühllos, sondern sie sagen etwas aus über die Dringlichkeit der Inhalte, die Jesus hier vermittelt. Und wir finden diese hyperbolische Sprache in ganz vielen antiken Texten. Ja, wir finden sie bis heute in Büchern oder bei großen Autoren. Das ist überhaupt nichts Ungewöhnliches. Das wertet die Texte nicht auf – nein, es ist ein wichtiges Stilmittel für diese Texte, um tatsächlich ihren Punkt zu machen. Und gerade im Judentum war das üblich, dass man durch diese hyperbolische Sprache einer Sache, einer Aussage, einem Inhalt besonderes Gewicht verliehen hat, besondere Bedeutung verliehen hat. Jesus war also nicht der einzige Rabbiner oder der einzige Gelehrte, der sich dieses Stilmittels bedient hat. Das haben viele Rabbiner vor ihm und nach ihm genauso getan. Wir finden viele solcher hyperbolischen Sätze im Talmud. Ich möchte euch ein paar als Beispiel vorlesen. Da heißt es zum Beispiel im Talmud in Barachot 32b: Rabbi Elieser sagte, seit dem Tag, an dem der Tempel zerstört wurde, wurde der Geschmack von Brot wie Sand. Ja, heißt das jetzt wirklich, dass seit 70 nach Christus, als der Tempel zerstört wurde, Brot plötzlich nach Sand schmeckt? Nein, das ist natürlich nicht wörtlich so gemeint, so ist es nicht wirklich. Diese hyperbolische Aussage drückt die tiefe Trauer und den Verlust aus, die die Zerstörung des Tempels für das jüdische Volk bedeutete. Der Vergleich mit Sand verdeutlicht, dass selbst die grundlegendsten Dinge im Leben ihren Geschmack und ihre Freude verloren haben. So wichtig ist der Tempel für uns. Ohne den Tempel hat das ganze Leben seine Freude, seinen Geschmack und seine Bedeutung verloren.
Oder es heißt in Sota 11b, auch ein Teil des Talmuds: Rabbi Elieser sagte, wer die Thora öffentlich lernt, ist wie einer, der 1000 Opfer darbringt. Ist das öffentliche Thora-Studium wirklich wie 1000 Opfer? Nein, diese Übertreibung unterstreicht den hohen Wert des öffentlichen Thora-Studiums. Es wird mit einem enormen Opfer verglichen, um seine Bedeutung hervorzuheben. Also eine klare Übertreibung: 1000 Opfer, wenn man öffentlich die Thora lernt. Dieser Vergleich, der übertrieben ist, soll aber deutlich machen, wie wichtig das Thora-Studium ist.
Oder so eine Aussage, die könnte jetzt auch von Jesus sein, die klingt ganz nach ihm: Da heißt es in Chagiga 9b, Talmud, wenn jemand die Worte der Thora vergisst, ist es, als hätte er sich selbst lebendig begraben. Also diese drastische übertriebene Aussage unterstreicht die enorme Bedeutung des Thora-Studiums und die Erinnerung an das Gelernte. Das Vergessen der Thora wird mit dem Tod gleichgesetzt, um seine Schwere zu verdeutlichen.
Oder in Sanhedrin 97a steht, wer einen Gelehrten beleidigt, ist schlimmer, als wenn er die Sonne beleidigt hätte. Auch das natürlich eine ungeheure Übertreibung, einen Gelehrten mit der Sonne zu vergleichen. Aber die Beleidigung eines Gelehrten mit der der Sonne zu vergleichen, macht deutlich, welche Ehrfurcht und Respekt man vor Gelehrten haben sollte. Es ist also eine Übertreibung, die auf den Punkt bringt, wie viel Respekt der Gelehrte im Judentum verdient hat.
Und ein letztes: In Taanit 24b heißt es, Rabbi Jochanan sagte, Jerusalems Luft macht weise. Ja, macht die Luft von Jerusalem weise? Ist da irgendetwas Besonderes in der Luft? Hat es da irgendwelche Stoffe in der Atmosphäre, die weise machen? Nein, auch das eine übertriebene, eine übersteigerte Aussage, die deutlich machen soll, dass in Jerusalem eine ganz besondere Atmosphäre herrscht und dass sie eine ganz besonders positive Wirkung auf die intellektuellen Fähigkeiten hat. Diese Hyperbel verdeutlicht die Bedeutung Jerusalems als Zentrum jüdischen Lebens und Lernens.
Also ihr merkt, Hyperbeln und Übertreibungen sind im Talmud weit verbreitet. Sie dienen dazu, komplexe Konzepte zu veranschaulichen, moralische Lehren zu betonen und emotionale Reaktionen hervorzurufen. Wenn wir also in Zukunft im Neuen Testament solche Aussagen Jesu lesen, wie ich sie am Anfang vorgelesen habe, dann bitte nicht wörtlich nehmen. Nicht dahinter etwas charakterlich
Komisches bei Jesus sehen, den unfreundlichen Jesus identifizieren, sondern sich bewusst machen: Das ist hyperbolische Sprache, das sind Hyperbeln, Übertreibungen, durch die Jesus einen wichtigen Punkt machen möchte oder bei seinen Zuhörern emotionale Reaktionen hervorrufen möchte.
Jetzt könnte natürlich jemand sagen: „Ja, du machst dir es einfach. Überall wo dir etwas nicht passt, führst du das Argument der Hyperbel oder der Übertreibung ins Feld, und schon sind wir die Stelle los.“ Das ist natürlich Quatsch. Das Gegenteil ist der Fall! Ich möchte mich nicht der Dringlichkeit oder dem Anliegen dieser Aussagen entziehen. Ich möchte weiterhin daran festhalten, zum Beispiel einen ernsten Kampf gegen die Sünde zu führen oder den Kleinen, den Geringsten, kein Ärgernis zu bereiten oder sonst alles zu beherzigen, was Jesus in diesen Stellen aussagen will.
Dass Jesus die Übertreibung wählt, macht ja gerade deutlich, wie dringend diese Themen sind und wie wichtig diese Inhalte sind. Es wäre also völlig falsch, diese Inhalte irgendwie jetzt zur Seite zu schieben. Mir hilft das Ganze jetzt nur zu verstehen, warum Jesus hier so scheinbar unfreundlich oder intensiv rüberkommt. Ich möchte verstehen, warum er diese Sprachbilder oder diese Wucht gebraucht. Aber ich möchte keine Rückschlüsse auf seinen Charakter ziehen durch seine Dramaturgie, sondern vielmehr einen Rückschluss auf die Dringlichkeit der Inhalte ziehen. Diese Stellen machen für mich Jesus nicht zu einem unfreundlichen Jesus, sondern sie zeigen mir, dass Jesus hier ganz bewusst Polemik und Dramatik einsetzt, um entscheidende Inhalte seines Denkens und seiner Werte deutlich zu machen.
Und dieses Prinzip, das kann man jetzt für ganz viele Stellen durchbuchstabieren, wo wir auf radikale, einseitige oder übertriebene Aussagen Jesu stoßen. Wir ziehen keinen Rückschluss auf seinen Charakter. Wir nehmen die Sachen nicht wörtlich, aber wir nehmen die Intention dieser Aussage ernst. Wenn Jesus von der Hölle spricht, dann geht es nicht wirklich um die Hölle, sondern die Dringlichkeit oder die Ernsthaftigkeit der Sünde, die hier gerade begangen wird.
Und wenn Jesus von Abschlagen, Abschneiden oder so oder Rauswerfen und Zähneklappern redet, dann meint er das nicht wörtlich, dass da jemand rausgeschmissen wird, dass etwas abgehackt wird, dass da Zähneklappern ist, sondern das sind Hyperbeln, übertriebene Aussagen, um einen Punkt rüberzubringen, nämlich wie ernst, wie dringend und wie wichtig diese Aussage ist, die ich hier gerade mache. Wir streichen also nichts an der Dringlichkeit des Inhalts weg, aber wir nehmen etwas von der Massivität oder von diesem Bild weg, das hier übertrieben oder extrem rüberkommt.
Und das war Movecast für heute. Vielen Dank fürs Dabeisein. Wenn du weitere Fragen hast, dann kann man mich erreichen unter info@movecast.de. Neben Spenden kannst du Movecast auch dadurch unterstützen, dass du diesen Podcast weiter bekannt machst. Du kannst ihn an Freunde oder Bekannte weiterleiten oder die einzelnen Episoden auf den sozialen Medien teilen. Das würde mich sehr freuen.
Gerne mache ich dich auch auf meine Bücher aufmerksam, die im Neukirchner Verlag erschienen sind. Mein erstes Buch lautet „Wenn der Glaube nicht mehr passt, ein Umzugshelfer“ und mein neuestes Buch heißt „Wenn der Glaube keine Kraft hat, ein Aufbauhelfer“. Ansonsten war es das für heute, vielen Dank fürs Zuhören und ich freue mich, wenn du auch das nächste Mal wieder dabei bist. Macht’s gut, bye bye, seid gesegnet.
In der Geschichte der syrophönizischen Frau, die Heilung für ihre Tochter erbittet, reagiert Jesus zunächst abweisend. Ich versuche aufzuzeigen, was hinter seiner Reaktion steckt und warum diese Geschichte am Ende eine geniale und wegweisende Geschichte der Barmherzigkeit ist.
Bibelstellen:
Markus 7,24-30
Matthäus 15,21-28
Movecast finanziert sich ausschließlich von Spenden. Wenn du Movecast unterstützen möchtest, findest du alle Informationen hier: https://movecast.de/spenden-givio/. Vielen Dank!
Transskript:
h möchte hier und da immer wieder mal einen Podcast machen zu einer ganz konkreten Bibelstelle, die eben so ein bisschen was Unverständliches an sich hat. Oder eben wo wir den Eindruck haben, da reagiert Jesus unfreundlich und nicht so, wie wir es vielleicht erwarten würden. Können wir irgendwie Licht auf diese Stellen werfen? Und da gibt es eine Geschichte, die wird zweimal im neuen Testament erzählt. Einmal im Matthäusevangelium und einmal im Markusevangelium. Und das ist die Heilung der Tochter von der syrophönizischen Frau. Und ich lese euch beide Texte mal vor, denn sie unterscheiden sich ein wenig. Und dann gucken wir uns an, wie wir darin Jesus verstehen müssen.
Zunächst einmal der Text aus dem Markusevangelium. Dort steht er in Kapitel 7,24-30:
Mar 7:24 Jesus brach von dort auf und ging in die Gegend von Tyrus . Weil er nicht wollte, dass jemand von seiner Anwesenheit erfuhr, zog er sich in ein Haus zurück. Doch es ließ sich nicht verbergen, dass er da war. Mar 7:25 Schon hatte eine Frau von ihm gehört, deren kleine Tochter von einem bösen Geist besessen war. Sie kam und warf sich Jesus zu Füßen. Mar 7:26 Die Frau war eine Griechin und stammte aus dieser Gegend, dem syrischen Phönizien . Sie bat ihn, den Dämon aus ihrer Tochter auszutreiben. Mar 7:27 Aber Jesus wehrte ab: „Zuerst müssen die Kinder satt werden. Es ist nicht recht, ihnen das Brot wegzunehmen und es den Haushunden hinzuwerfen.“ Mar 7:28 „Das ist wahr, Herr“, erwiderte sie, „aber die Hündchen unter dem Tisch fressen doch auch die Brotkrumen, die die Kinder fallen lassen.“ Mar 7:29 „Richtig“, sagte Jesus zu ihr. „Und wegen dieser Antwort kannst du getrost nach Hause gehen. Der Dämon hat deine Tochter verlassen.“ Mar 7:30 Als die Frau nach Hause kam, lag das Mädchen ruhig im Bett und der Dämon war fort. (NEÜ)
So weit die Geschichte aus Markus. In Matthäus steht es in Kapitel 15, Verse 21 bis 28. Auch das lese ich jetzt mal vor:
Mat 15:21 Jesus brach von dort auf und zog sich in die Gegend von Tyrus und Sidon zurück. Mat 15:22 Da kam eine kanaanäische Frau aus dem Gebiet und rief: „Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Meine Tochter wird von einem bösen Geist furchtbar gequält.“ Mat 15:23 Aber Jesus gab ihr keine Antwort. Schließlich drängten ihn seine Jünger: „Fertige sie doch ab, denn sie schreit dauernd hinter uns her!“ Mat 15:24 Er entgegnete: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ Mat 15:25 Da kam die Frau näher und warf sich vor Jesus nieder. „Herr“, sagte sie, „hilf mir!“ Mat 15:26 Er entgegnete: „Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Haushunden vorzuwerfen.“ Mat 15:27 „Das ist wahr, Herr“, erwiderte sie, „aber die Hündchen unter dem Tisch dürfen doch die Brotkrumen fressen, die ihre Herren fallen lassen.“ Mat 15:28 Da sagte Jesus zu ihr: „Frau, dein Vertrauen ist groß! Was du willst, soll geschehen!“ Von diesem Augenblick an war ihre Tochter gesund. (NEÜ)
Bevor ich darauf eingehe, warum Jesus so reagiert, wie er reagiert hat, erst noch ein paar historische Einordnungen von diesen Textstellen. Kurz was zum Norden Israels: nördlich von Galiläa lagen die beiden Küstenstädte Tyrus und Sidon. Das waren phönizische Städte.
Die Phönizier, das ist eine ganz, ganz alte Kultur. Schon David im Alten Testament hatte es mit den Phöniziern zu tun, also mit den Tyrern und den Sidonitern. Man sagt, sie haben das Alphabet erfunden. Also eine ganz bedeutende Kulturepoche kommt von den Phöniziern her.
Und diese Städte sind also Jahrtausende alt. Und jetzt, zur Zeit der Römer, waren sie natürlich erobert von den Römern, gehörten zum römischen Reich, waren aber zwei ganz bedeutende Handelsstädte. Aber eben, es waren heidnische Städte. Da gab es vielleicht auch eine kleine jüdische Gemeinde, das mag sein, aber wenn man von den Tyrern oder den Sidonitern, von Tyrus und Sidon sprach, dann meinte man explizit Heiden damit. Die waren sprichwörtlich. Jesus konnte mal sagen: „Weh dir, Chorazin, wehe dir Bethsaida, wenn in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die unter euch geschehen sind, sie hätten längst ihre Einstellung geändert, einen Trauersack angezogen und sich Asche auf den Kopf gestreut.“ (Mt.11,21f)
Also hier steht ganz klar Tyrus und Sidon als Gegensatz zu Chorazin und Bethsaida, zwei jüdischen Städten. Und als Jesus in Nazareth von seiner eigenen Bevölkerung abgelehnt wurde, kann er sagen, hier passiert etwas ähnliches wie zurzeit von Elia und Elisa. Elia wurde zu keiner einzigen Witwe geschickt in Israel, um sie zu versorgen. Es heißt in Lukas 4: „…trotzdem wurde Elia zu keiner von ihnen geschickt, sondern zu einer Witwe in Serapta, im Gebiet von Sidon.“ (Lk.4,25f) Also auch hier will Jesus ausdrücken: ihr Juden, ihr verpasst es immer wieder, was Gott tun möchte, und am Ende erlebt ihr nicht das, was Gott für euch hat, sondern es erleben Heiden.
Diese Frau ist solch eine Heidin, die jetzt Jesus aufsucht. Jesus befindet sich in der Gegend von Tyrus und Sidon. Man weiß nicht genau, hat er die Grenze von Galiläa überschritten, ist er im Grenzgebiet, ist er noch in Galiläa? Auf alle Fälle kommt diese Frau zu ihm und erbittet eine Heilung. Sie hat den Eindruck, ihre Tochter ist von einem Dämon besessen und Jesus ist der Einzige, der sie heilen kann. Offensichtlich hat die Frau zum einen mitbekommen, dass Jesus heilende Kräfte hat und dass man von ihm wirklich übernatürliche Dinge erwarten darf. Zum anderen hat sie mitbekommen, dass einige in ihm den Messias sehen.
Der klassische Messiastitel war Sohn Davids. Und sie kommt jetzt zu Jesus und greift das auf, was sie wohl mitbekommen hat, worauf sie selber vertrauen möchte: Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit meiner Tochter. Also sie spricht ihn messianisch an, mit der Hoffnung, wenn du der Messias bist, ich vertraue darauf, dann kannst du meine Tochter heilen. Und nun erlebt diese Frau aber, dass Jesus nicht auf sie eingeht. Ja, dass er sogar ablehnend, abweisend reagiert und ihre Tochter nicht heilen möchte. Die Frau gibt jedoch nicht auf. Sie bleibt dran. Sie schreit ganz verzweifelt Jesus hinterher.
Und die Jünger, denen wird das peinlich, dass da eine Frau hinter ihnen her schreit und denken, dass man das relativ schnell beenden sollte und sagen: „…dann fertige sie doch ab, denn sie schreit dauernd hinter uns her.“ Und dieses Wort »fertige sie ab«, das kann man zweifach übersetzen. Es kann wirklich heißen »abfertigen, Mensch jetzt ist aber Schluss, hör sofort auf.« Es kann aber auch heißen „befreie sie von ihrem Anliegen“. Also heile diese Tochter damit wir sie dann los sind. Also man merkt, die Jünger sind nicht motiviert von Barmherzigkeit im Sinne von „tu doch jetzt bitte der Frau was Gutes“, sondern eher „oh, das ist ja echt peinlich, das ist unangenehm, mach, dass es schnell vorbei ist“. Also das ist eher die Motivation, die man bei den Jüngern hier spürt. Und nun ist die Frage, warum reagiert Jesus ablehnend?
Nun, das hat für mich vor allem zwei Gründe. Wir müssen uns die Situation von Jesus vorstellen. Jesus kommt gerade aus ganz herausfordernden Auseinandersetzungen mit den Pharisäern und Schriftgelehrten. Er hat ganz starke Streitgespräche mit ihnen gehabt und sie machen ihm große Vorwürfe und einige hätten am liebsten, dass er umgebracht wird, dass er verhaftet wird oder dass ihm der Garaus gemacht wird.
Also eine ganz bedrohliche Situation, aus der Jesus jetzt herausgehen möchte. Der möchte nicht, dass es jetzt hier zum Eklat, zur großen Explosion kommt. Und deswegen heißt es im Markusevangelium: „er brach von dort (also aus dieser ganz schwierigen Situation im Raum Kapernaum) auf und ging in die Gegend von Tyrus. Weil er nicht wollte, dass jemand von seiner Anwesenheit erfuhr, zog er sich in ein Haus zurück.“
Also Jesus braucht ein Stück weit Ruhe. Der ist sehr herausgefordert. Die große Gefahr besteht, dass hier etwas eskaliert. Und er zieht sich in eine Gegend zurück, wo natürlich dünner besiedelt war von Juden, wo vielleicht schon gar keine Juden mehr waren, weil es eben im Ausland lag, in heidnischem Gebiet war. Und er dachte, da habe ich jetzt erstmal meine Ruhe vor diesen ganzen Auseinandersetzungen.
Ich glaube, Jesus war geschlaucht, er war ausgelaugt. Er war bis zum letzten herausgefordert. Und auch Jesus braucht mal Ruhe. Jesus braucht mal einen Rückzugsort. Wir kennen das auch aus Johannes vier, wo er mit seinen Jüngern in Samaria ist und dann seine Jüngern losschickt, was zu essen zu organisieren. Und er sagt: ich muss hier ausruhen. Ich brauche einfach einen Moment Ruhe.
Und hier haben wir eine ganz ähnliche Situation. Jesus scheint Ruhe zu brauchen. Er möchte sich zurückziehen, er möchte sich vielleicht sammeln. Er möchte der Gefahr gerade mal aus dem Weg gehen, nicht mehr in Erscheinung treten.
Deswegen heißt es auch, er wollte keine Aufmerksamkeit erregen, dass er einfach mal einen Moment aus dem aus dem Blickfeld ist, aus dem Schussfeld ist. Und die Auseinandersetzung, die er gerade mit den Pharisäern und Schriftgelehrten hatte, die drehte sich gerade ums Thema Heilung. Weil er eben einen Menschen am Sabbat geheilt hatte, der nicht in Lebensgefahr war. Und sie sagen: du hättest ihn doch am Sabbat heilen können. Jeden Tag kann man sich heilen lassen! Bitte nicht am Sabbat. Und Jesus heilt ihn eben trotzdem am Sabbat. Und so kommt es echt zum Eklat und er nimmt sich zurück und hat wahrscheinlich jetzt gerade kein Interesse an weiteren Heilungen, weil er sich sagt: „Augenblick mal, genau wegen dem Thema bin ich jetzt so in der Bredouille und werde ich so angegangen und verfolgt. Ich muss mich jetzt ein bisschen aus dem Schussfeld nehmen, möglichst nicht auffallen, Wenigstens für eine gewisse Zeit. Und genau hier hinein kommt jetzt auch noch eine problematische Person, nämlich eine Heidin, wo es auch nochmal eine ganz andere Dimension hat. Wenn hiert jetzt auch noch Heiden kommen und er sich mit Heiden einlässt und denen den Segen Gottes bringt. Und so kommt es wohl, dass Jesus erstmal gar nicht reagiert, sondern einfach schweigt. Es heißt dann in Matthäus: „Jesus gab ihr keine Antwort.“
Jetzt könnte man erst mal fragen: ist das legitim? Darf Jesus erschöpft sein? Darf Jesus den Wunsch haben, mal keine Aufmerksamkeit zu erregen, sich mal zurückzuziehen, mal für sich sein zu dürfen. Ist das legitim? Oder muss der Gott gewordene Mensch Jesus sozusagen 24/7 zur Verfügung stehen, eigentlich gar keinen Schlaf brauchen, keinen Hunger haben dürfen, niemals erschöpft sein? Das macht ja auch gerade das Menschsein Jesu aus, dass auch er mal Angst hat. Denkt an Garten Gethsemane. Da hat Jesus so Angst, dass ihm die Schweißperlen wie Blut von der Stirn tropfen. Dieser Jesus hatte echte Emotionen. Der hatte Angst. Der kann erschöpft sein, der kann überfordert sein. Der brauche jetzt mal Ruhe. Also auch das ist bei Jesus da. Und er reagiert deswegen erstmal passiv. Er antwortet dieser Frau nicht. Er denkt: oh nein, das geht jetzt nicht.
Für mich ist das nicht wirklich ein Ausdruck von unfreundlich sein, sondern erstmal von einem echten Bedürfnis, zu dem Jesus hier auch steht: ich brauche Ruhe und ich möchte keine Aufmerksamkeit erregen! Jetzt lässt die Frau aber nicht locker und sie schreit hinterher und dann kommt sie ganz nah. Und jetzt kommt die zweite Reaktion von Jesus, nämlich er sagt: „ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“
Das ist eine ganz spannende Aussage. Jesus hat offensichtlich eine klare Mission. Zunächst einmal geht es um die Juden und um Israel. Um das Thema Heiden, Heidenmission, den Segen Abrahams zu den Heiden bringen – das wird erst später geschehen. Das kündigt Jesus schon mal im sogenannten Missionsbefehl an, geht ihn in alle Welt, vollzieht sich dann an Pfingsten und dann vor allem durch Paulus, der zu den Heiden gesendet wird.
Aber hier an dieser Stelle sagt Jesus, ich muss mich ja fokussieren. Ich kann ja nicht alles, ich kann ja mich nicht in die ganze Welt schicken lassen, sondern ich gehe jetzt einfach mal nur zum Volk Israel. Das Volk, das Gott erstmal am nächsten ist, das Volk, das mit Gott bereits in einem Bund steht. Und deswegen kann Jesus sagen, meine Mission ist, nur zu Israel zu gehen. Das ist sozusagen ein klarer Sendungsauftrag. Das ist das klare Gebot Gottes. Und als Jesus dann mal die 12 Apostel aussendet, noch zu seinen Lebzeiten, heißt in Matthäus 10,5: »Diese Zwölf sandte Jesus mit folgendem Auftrag aus: „Meidet die Orte, wo Nichtjuden wohnen, und geht auch nicht in die Städte der Samaritaner, Sie sollten nur in jüdische Städte gehen, nur auf dem Gebiet von Galiläa und Judäa.«
Und als die Frau das nicht einsehen will, wofür ich ganz viel Verständnis habe, sie hat den Eindruck ihre Tochter, die kratzt, gleich ab, da muss was geschehen, liefert Jesus nochmal eine weitere Erklärung oder verschärft das Ganze dann noch mal oder erklärt das Ganze nochmal. Und da sagt er dann in Markus 7,7: zuerst müssen die Kinder satt werden. Es ist nicht recht, ihnen das Brot wegzunehmen und es den Haushunden vorzuwerfen.
Also Jesus macht deutlich: logisch, die Kinder, – das ist das Volk Israel und die Haushunde, die Hündchen – das sind sozusagen die Nicht-Israeliten, die Heiden. Und er sagt jetzt, zuerst geht es mal um Israel. Erst empfangen sie diesen Segen, den ich mitbringe, der mit mir anbricht, dieses neue Reich Gottes. Und erst dann kommen sozusagen die anderen dran und zwar nicht irgendwelche, sondern die sind schon ganz nah, die sind die Haushunde. Und es ist ganz wichtig, dass man den Satz versteht.
Es gibt zwei Worte für Hunde. Es gibt das ganz normale Wort Hund und damit sind die Hunde, die streunenden Hunde gemeint. Die Hunde, die durch die Straßen rennen, die niemand gehören und die vielleicht mal von jemand gefüttert werden, die sich sonst irgendwo Futter aus dem Müll oder sonst irgendwo holen. Das sind die Hunde, die sind auch nicht domestiziert.
Und dann gibt es das Verkleinerungswort Hündchen und damit meinte man wirklich Haushunde. Hunde, die zum Teil domestiziert wurden, die in einem Haushalt aufgenommen wurden, die kleinere Hunde waren und die man auch ganz bewusst gefüttert hat. Aber erst hat das Essen die Menschen satt machen müssen und dann wurden erst die Haushunde satt gemacht. Es ist also nicht das klassische Wort Hund, das von Juden dann gebraucht wurde als Synonym für Heiden, für Gottlose.
Also das gibt es, dass das Wort Hund gebraucht wird im Talmud. Immer wieder gibt es Stellen, wo Hund synonym gebraucht wird mit den Heiden, den Verlorenen, den Gottlosen. Aber Jesus gebraucht nicht das Wort Hund, sondern Hündchen. Er sagt also nicht, du bist so eine gottlose, eine ganz schlimme Sünderin, mit dir will ich nichts zu tun haben, sondern er bleibt ganz in diesem Bild drin. Da gibt es einen Haushalt und da sind erst die Kinder dran und dann sind die Haushunde dran. Ihr könnt auch sagen: erst muss dein Kind satt werden und dann kann die Katze noch was bekommen. Wenn was übrigbleibt, dann kommt noch der Hund dran. Aber das Kind ist jetzt erstmal wichtiger als das Hündchen.
Und nun passiert was ganz Spannendes. Die Frau sagt, das stimmt, das ist wahr, erwiderte sie. Aber die Hühnchen unter dem Tisch fressen doch auch die Brotkrumen, die die Kinder fallen lassen. Damit will sie sagen, vielleicht ist ein klein bisschen was übrig. Natürlich sollen erst die Israeliten drankommen, aber vielleicht darf da was vom Tisch fallen. Mir reichen schon die Brotkrumen. Ganz wenig reicht mir. Du bist der Messias, da reicht auch eine Brotkrume, um meine Tochter zu heilen.
Und damit offenbart diese Frau ungeheuren Glauben. Also eine Brotkrume des Messias reicht aus, um ihre Tochter gesund zu machen. Ich brauche gar nichts essen. Das Essen kannst du ruhig den Juden geben. Eine Brotkrume reicht mir. Und dann kann Jesus sagen: wegen dieser Antwort kannst du getrost nach Hause gehen. So sagt es Markus. Und in Matthäus wird es dann noch konkreter formuliert: „Dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen.“
Ist Jesus hier also unfreundlich? Nun nochmal zwei Dinge dazu. Ich finde es legitim, dass Jesus sich zurückziehen will und keine Aufmerksamkeit erregen will und deswegen jetzt auch nicht offen ist, diese Frau zu heilen.
Und dann geschieht etwas zweites. Ich finde geniales. Ist euch bewusst, dass Jesus formuliert, dass er einen klaren Auftrag hat? Das Gebot Gottes, der Auftrag Gottes an sein Leben ist, nur zu den verlorenen Schafen, also des Hauses Israel zu gehen, also zu den Juden. Gott hat zu ihm gesprochen, Gott hat ihm was Klares gesagt. Das gilt, das ist das Korrekte, das ist das Richtige, das ist das Gebotene. Und jetzt begegnet Jesus einer Frau, die ungeheuer mitleidserregend ist, die verzweifelt ist, die sich nicht abwimmeln lässt, deren Not so groß ist, dass ihr ganz egal ist, ob man sie abweist oder nicht. Die Not ist so groß, sie setzt sich so für ihre leidende Tochter ein. Da ist eine Mutter, die kann nicht mehr, die will nicht einen Tag länger akzeptieren, ihre Tochter so leiden zu sehen. Und wisst ihr, was jetzt passiert? Barmherzigkeit siegt über Korrektheit.
Jesus darf eigentlich nicht den Heiden dienen und er macht es trotzdem. Ich könnte sagen, er übertritt seinen eigenen Sendungsauftrag. Die Barmherzigkeit rühmt sich wieder das Gericht im Sinne von „das Richtige“. Das Richtige wäre gewesen, diese Frau nicht zu heilen. Aber wisst ihr, was das letzte Wort hat? Love wins. Die Liebe hat das letzte Wort. Man, kapieren wir gerade, was hier passiert in dieser Geschichte?
Ich schreibe das auch in meinem neuen Buch, dieses Lebensmotto: erst korrekt dann gnädig, erst gehorsam, erst die Gebote erfüllen, erst muss es für Gott richtig sein. Und dann als zweites kommt die Liebe. Wir opfern immer wieder die Liebe auf dem Altar der Korrektheit und der Gerechtigkeit.
Das Richtige, das Gerechte wäre gewesen, nur zu den Juden zu gehen und die Heiden sind jetzt einfach nicht dran. Sorry, Pech gehabt. Ihr müsst geduldig sein. Aber Jesus lässt sich von Mitleid, von Erbarmen bewegen, etwas zu tun, was er eigentlich nicht tun darf.
Und ich erlebe so oft Christen, die sagen, hier hat die Barmherzigkeit leider keine Chance. Das Erbarmen kann nicht zum Zug kommen, denn ich muss gerecht sein. Die Gerechtigkeit kommt zuerst. Und ich sage, da gibt es gar keinen Gegensatz. Gerechtigkeit drückt sich gerade in der Liebe aus. Immer wieder kann Jesus sagen: Gott will keine Opfer, er will Erbarmen, er will Barmherzigkeit. Und das ist so eine Geschichte, die genau das zeigt. Das Richtige, das Korrekte, das Gerechte wäre gewesen, nicht zu den Heiden zu gehen. Und Jesus macht es am Ende trotzdem.
Es ist also keine Geschichte der Unfreundlichkeit Jesu, sondern es zeigt sich mal wieder die große Barmherzigkeit Jesu an der Geschichte. Und eben genau deswegen kann Jakobus sagen, ich sage es noch mal in diesen Vers, Jakobus 2,13: „denn das Gericht wird erbarmungslos mit dem Verfahren, der kein Erbarmen gezeigt hat. Barmherzigkeit aber ist dem Gericht überlegen.“
Es ist also keine Geschichte der Unfreundlichkeit Jesus, sondern eine Geschichte, die seine Menschlichkeit zeigt. Auch Jesus hat Angst. Auch Jesus bringt sich in Sicherheit. Auch Jesus muss sich zurückziehen, erstens. Und zweitens ist es eine Geschichte, wie Barmherzigkeit das letzte Wort hat und dem Gericht und dem Korrekten überlegen ist. Eine wunderbare Geschichte.
Ja, und damit sind wir am Ende dieses kurzen Podcasts. So eine kleine Bibelerklärung. Ich hoffe, das hat euch inspiriert. Wenn ihr Movecast gut findet, wenn es euch inspiriert, dann gebt mir doch ein Like auf den sozialen Medien oder einen Daumen hoch auf YouTube und teilt es mit euren Freunden. Und wenn ihr noch einen Schritt weiter gehen wollt, Movecast lebt allein von Spenden. Das ist ein spendenbasiertes Projekt. Dann dürft ihr gerne auf meine Webseite gehen, Movecast.de und movecast finanziell unterstützen, entweder einmalig oder regelmäßig. Davon finanziere ich momentan mein Leben und ich bin sehr dankbar für alle, die das bereits tun oder schon mal getan haben. Herzlichen Dank dafür.
Ansonsten wünsche ich euch Gottes Segen, eine wunderbare Zeit, Gottes Frieden, Gottes Erbarmen. Bis bald. Macht’s gut. Bye.
GEMA-freie Musik von www.frametraxx.de
Cinematic by Makaih Beats is licensed under a Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International License.
https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de
In dieser Episode von Movecast beschäftige ich mich mit den scheinbar unfreundlichen und lieblosen Aussagen oder Handlungen Jesu. Für mich ist Jesus der vollkommene Ausdruck von Gottes Charakter. Wer Jesus sieht, der sieht den Vater! Darum ist es umso wichtiger, sich mit diesen teils verstörenden Aspekten von Jesu Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Ich schildere fünf Argumente oder Perspektiven, wie wir damit umgehen können.
Movecast finanziert sich ausschließlich von Spenden. Wenn du Movecast unterstützen möchtest, findest du alle Informationen unter: https://movecast.de/spenden-givio/. Vielen Dank!
Heute spreche ich über den unfreundlichen Jesus.
Immer wieder bekomme ich Zuschriften oder Anfragen, was ist denn mit gewissen Bibelstellen, in denen Jesus nicht so freundlich war, in denen er von Gericht spricht, von der Hölle spricht, wo er Menschen abweist oder wo er scharfe Worte spricht, wo er mit den Pharisäern im Konflikt ist oder auch dann die Bilder aus der Offenbarung und so weiter.
Also was mache ich denn mit den Teilen in der Bibel, im Neuen Testament, in den Evangelien, wo Jesus eher nicht so liebevoll, nicht so freundlich, nicht so sympathisch rüberkommt.
Was machen wir denn damit? Und ich greife diese Frage sehr gerne auf, denn sie ist auch für mich grundlegend.
Denn der Dreh- und Angelpunkt meiner persönlichen Theologie ist Jesus Christus. Wahrscheinlich die wichtigste theologische Entdeckung war für mich, dass ich durch Jesus wirklich Gott erkenne. Mein Gottesbild ist zutiefst und komplett von Jesus Christus bestimmt. Jesus hat einmal gesagt, wer mich sieht, der sieht den Vater. In Jesus wohnt die gesamte Fülle Gottes leibhaftig und im Hebräerbrief steht, dass Jesus der vollkommene Abdruck oder Ausdruck von Gottes Charakter ist. Gott ist nie anders als er sich in Jesus Christus geoffenbart hat. Es gibt Gott nicht in mehreren Versionen, sondern Gott ist immer wie Christus.
Ich habe also nicht irgendein Gottesbild, das vom Zorn oder von der Gerechtigkeit im Alten Testament geprägt ist oder von irgendwelchen Rachengedanken oder ich habe kein sadistisches Gottesbild, sondern mein Gottesbild ist zutiefst von Jesus Christus und seinem Charakter geprägt.
Und dann ist aber umso entscheidender die Frage, was mache ich denn jetzt, wenn ich da auf Textstellen stoße in den Evangelien, wo Jesus irgendwie nicht so freundlich ist.
Und da sagen manche, ja ja, der Jesus hat auch harte Seiten an sich von wegen…. Also auch Jesus ist zornig und auch Jesus kann harte Worte sprechen. Auch Jesus redet über das Gericht und über die Hölle.
Und damit wollen sie sozusagen sagen Ja, du hast ein einseitiges Gottesbild. Ja, Gott ist schon wie Jesus. Aber den Jesus, den du verkündigst, das Jesusbild, das du malst, das ist viel zu einseitig. So liebevoll war Jesus dann doch wieder nicht. Der hat auch eine andere Seite.
Und genau deswegen möchte ich mich in diesem Podcast und eventuell auch noch in weiteren Episoden mit Jesus und dieser eher unfreundlichen, also scheinbar unfreundlichen Seite von Jesus auseinandersetzen.
Also was meine ich mit unfreundlichem Jesus? An was denke ich da? Das sind zum Beispiel solche Geschichten, wenn Jesus zu seiner Mutter bei der Hochzeit zu Kana sagt: »Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Zeit ist noch nicht gekommen.« Das wirkt er ziemlich unfreundlich seiner Mutter gegenüber.
Oder es sind Texte wie die Tempelreinigung, wo Jesus die Tische der Händler umschmeißt im Tempel. Oder es sind Textstellen, wenn Jesus mit der syrophönizischen Frau zusammentrifft, die ihm um eine Heilung bittet. Und Jesus dann zu ihr sagt, es ist nicht recht, dass man den Kindern das Brot wegnimmt und es vor die Hunde wirft. Also da bezeichnet er diese Frau oder ihr Volk als Hunde. Das wirkt ja nicht besonders nett und freundlich.
Oder wir haben die intensive Auseinandersetzung in Matthäus 23 zwischen Jesus und den Pharisäern, wo er von Schlangenbrot redet, wo er von Heuchlern redet und nicht gerade die schönsten Bezeichnungen für die Pharisäer auf Lager hat. Er redet von den Menschen als ehebrecherisches Geschlecht.
Er droht der Stadt Jerusalem das Gericht an.
Wie gehen wir also mit diesen Texten um? Wie können wir sie einordnen?
Ich glaube grundsätzlich, dass Jesus überhaupt nicht unfreundlich ist, sondern all diese Geschichten ändern nichts an meiner grundsätzlichen Aussage oder Haltung, an meinem grundsätzlichen Glauben, dass Jesus Liebe pur ist und dass es keine liebevollere Variante von Jesus hätte geben können zur damaligen Zeit.
Und damit sind wir schon bei meinem ersten Ansatz, wie ich versuche, das zu erklären. Irgendwann entscheidet Gott, sich durch die Menschwerdung zu vereindeutigen und in diese Welt hineinzukommen, das Reich Gottes anbrechen zu lassen und sich zu offenbaren in seinem Charakter, in der Form von Jesus Christus. Und nun ist es so, zu irgendeiner Zeit vollzieht Gott diese Menschwerdung. Und es geschieht nun im Jahre Null, sozusagen zu Beginn unserer Zeitrechnung, zu der Zeit von Herodes, in einer antiken orientalischen Kultur, vor der Aufklärung, vor dem Mittelalter, in der Antike, nicht in der Neuzeit, aber auch nicht vor 5000 Jahren, nicht zur Zeit der Neandertaler oder irgendwann.
Er macht es zu irgendeiner Zeit. Und nun wird Jesus auch zunächst einmal Kind seiner Zeit, Kind seiner Kultur. Wenn Gott Mensch wird und auf diese Welt kommt, kommt er immer in eine bestimmte Kultur hinein und wird damit auch zum Kind, zum Teilhaber dieser Kultur. Jesus wird also Teil der jüdischen Kultur im ersten Jahrhundert. Er wird Teil einer bestimmten Epoche der Weltgeschichte. Er wird Teil von einem bestimmten Stand der Zivilisation, die damals in der Welt herrschte oder mindestens in diesem Teil der Welt herrschte.
Und Jesus fällt jetzt nicht andauernd aus seiner kulturellen Rolle und ändert auf Schritt und Tritt die kulturellen Gepflogenheiten, sondern Jesus ist erstmal Teil dieser Gepflogenheiten.
Jesus liegt weiterhin beim Essen zu Tisch und zimmert als Zimmermann keinen Stuhl, bloß weil man in späterer Zeit auf Stühlen sitzt. Nein, Jesus kommt in eine Zeit, wo man nicht auf Stühlen sitzt. Und dann sitzt er eben auch nicht auf Stühlen, sondern liegt zu Tisch. Wäre Jesus 1500 Jahre später geboren worden, dann würde er nicht zu Tische liegen, sondern er würde zu Tische sitzen.
Und Jesus bedient sich der Sprache des ersten Jahrhunderts, der Vokabeln, auch da der sprachlichen Gepflogenheiten, der Sprachbilder, die zur damaligen Zeit vorherrschten und nicht die Sprachbilder oder die Vokabeln oder die Art zu sprechen, wie man es 2000 Jahre später tut im 21. Jahrhundert. Jesus ist also bewusst Kind seiner Zeit.
Würde er sich die ganze Zeit gegen die Kultur stellen, nicht kulturkonform verhalten, dann wäre Jesus wahrscheinlich wesentlich früher gestorben, gekreuzigt worden oder man hätte überhaupt nicht auf ihn gehört, weil er nicht anschlussfähig gewesen wäre. Man hätte keinen Zugang zu ihm gefunden, wenn er außerhalb der Kultur gestanden hätte. Und insofern ist Jesu Verhalten auch von der Kultur und von der damaligen Zeit geprägt.
Für mich gibt es einen himmlischen Jesus. Wenn ich Jesus im Himmel begegnen werde, dann wird das die liebevollste Version Gottes sein, die nur denkbar ist. Es wird nichts Liebevolleres gehen als das, was ich im Himmel mit Jesus antreffen werde. Der himmlische Jesus ist die liebevollste Variante Gottes, die es nur geben kann, die nur denkbar ist. In den Evangelien begegnen wir aber einem Jesus, der sich in der Welt des ersten Jahrhunderts befindet. Und nun würde ich sagen, wenn Jesus in die Welt des ersten Jahrhunderts kommt, dann wird er dort die liebevollste Version eines Gottes im ersten Jahrhundert sein, die nur denkbar ist. Das ist nicht die gleiche Version, die wir in Reinform im Himmel oder in der Ewigkeit antreffen werden. Aber ich würde sagen, Jesus war im ersten Jahrhundert die liebevollste Version von Gott oder von einem Menschen, die man sich denken konnte.
Und wenn Jesus im 21. Jahrhundert geboren wäre, wäre er wiederum die liebevollste Version Gottes gewesen. Dann hätte sich Jesus an Gandhi oder an Mutter Teresa messen müssen, aber er wäre immer die liebevollste Version eines Menschen gewesen, die zu der Zeit nur denkbar ist. Aber es ist auch klar, dass die liebevollste Version Jesu im 21. Jahrhundert anders aussieht, wie die liebevollste Version Jesu im 1. Jahrhundert. Und beides sieht nochmal anders aus wie die liebevollste Version Jesu, die er tatsächlich hat. Nämlich im Himmel, Jesus in Reinform. Der himmlische Jesus ist Liebe in Reinform.
Aber der Jesus im 21. Jahrhundert, der Jesus im 15. Jahrhundert, der Jesus im 1. Jahrhundert ist immer die liebevollste Variante eines Menschen, die es zur damaligen Zeit hätte geben können. Das ist also mal eine erste Erklärung.
Etwas zweites, auf das wir achten müssen:
Obwohl Jesus Kind seiner Zeit ist, entdecke ich bei ihm, dass er auch ganz oft an der Veränderung der damaligen Kultur arbeitet und zwar immer in Richtung Liebe. Und in dieser Überwindung der Kultur in Richtung Liebe geht Jesus ganz oft ans Maximum. Jesus ist als Mensch gewordener Gott Teil einer bestimmten gesellschaftlichen Hierarchie, eines bestimmten Menschenbildes und eines gewissen Rollenverständnisses. Und er ist Teil einer Kultur, die einen ganz bestimmten Blick auf Frauen hat, auf Kinder hat, auf Heiden hat, auf Bedienstete hat und so weiter. Und Jesus ist jetzt einerseits Teil dieser Kultur, Teil dieses Denkens, Teil dieses Rollenverständnisses. Aber Jesus versucht hier und dort immer wieder diese Kultur aufzubrechen, einen Schritt weiter zu gehen.
Versteht ihr, Jesus vollzieht keine Gleichberechtigung der Frau, wie wir sie seit den letzten Jahrhunderten kennen, oder seit dem letzten Jahrhundert. Aber er geht ans Maximum. Er macht Frauen zu seinen Jüngeren. Er macht Frauen zu den wichtigsten Zeuginnen der Auferstehung. Obwohl Frauen als Zeuginnen gar nicht zugelassen wurden. Also Jesus kann es nicht im ersten Jahrhundert die Gleichberechtigung der Frau vollkommen vollziehen.
Das ist undenkbar. Das wäre ein zu starker Sprung aus der Kultur heraus. Nicht nachvollziehbar. Nicht anschlussfähig. Aber er macht Schritte bis ans Maximum, soweit wie er nur gehen kann, um gewisse Dinge zu verändern.
Und da verändert er was in Bezug auf Sklaven, in Bezug auf die Haltung zu den Heiden, in Bezug auf das Menschenbild, auf die Haltung Kindern gegenüber und eben auf die Haltung Frauen gegenüber und so weiter. Und manchmal geht er dabei so weit, dass er den Zorn der Kultur oder den Zorn der Herrschenden, der Beherrscher der Kultur auf sich zieht. Er zieht den Zorn derer auf sich, die versuchen, das Establishment zu erhalten, die Hierarchien so zu erhalten, wie sie sind. Deren Zorn zieht er auf sich, weil er ans Maximum geht. Und für diese Schritte, die er geht, wird er am Schluss auch hingerichtet.
Jesus ist zum einen Teil seiner Kultur und gibt sich ganz hinein in die kulturellen Gepflogenheiten. Zum anderen ist er in vielem einen Schritt voraus. Und in diesem einen Schritt voraus sein, in seiner Nächstenliebe, in seiner Empathie, in seiner Zuwendung, in seinem Erbarmen und so weiter, ist er uns ein ganz großes Vorbild. Sei ein Schritt voraus und du wirst zum Vorbild.
Und in manchem ist Jesus drei Schritte voraus. Und er bricht die Kultur auf. Und er stört die Kultur empfindlich. Und wegen diesen drei Schritten voraus sein, wird er am Schluss zum Märtyrer. Aber es ist zu viel verlangt, dass Jesus in allem einen oder drei Schritte voraus ist.
In manchem ist er einfach auch Teil seiner Zeit und möchte nicht für unnötige Aufregung sorgen.
Also das erste war, Jesus ist die liebevollste Variante Gottes, die zu der Zeit möglich ist.
Zweitens, Jesus versucht immer wieder die Kultur zu überwinden und wird dadurch zum Vorbild, aber eben auch zum Märtyrer.
Und zum dritten müssen wir uns bewusst machen, dass die Zeit des ersten Jahrhunderts in der Antike völlig anders geartet war als unsere Welt im 21. Jahrhundert, die wir so gut kennen und die uns so vertraut ist. Die Zeit des ersten Jahrhunderts ist eine Zeit vor der Aufklärung. Es ist ein anderer Stand der Zivilisation. Versteht ihr, damals gab es noch keine Gentlemen. Das ist eine Erfindung des 18. Jahrhunderts. Die damalige Zeit war rauer, direkter, blutiger, lang nicht so weichgespült wie unsere Gesellschaft heute. Die Dinge, die da streng oder rabiat wirken, sind einfach Ausdruck ihrer Zeit, der damaligen Rohheit.
Wir setzen gern unsere Maßstäbe an Höflichkeit, Respekt oder modernen Umgangsformen an die Bibel an. Die Menschen damals, die sind ganz anders miteinander umgegangen, die haben anders gesprochen. Das war eine Welt, wo der Tod allgegenwärtig war, die Todesstrafe allgegenwärtig war. Da war man überall mit Tod, mit Gewalt, mit Krieg, mit Terror, mit Rebellion, mit Seuchen konfrontiert. Das hat die Menschen rauer und roher gemacht. Damals waren Diktatoren und Folter an der Tagesordnung.
Zudem war die Sprache in der Antike nicht so gespickt mit Adjektiven und Adverbien. Wir haben heute eine Sprache mit ganz vielen Adverbien. Also Worte, die Verben genauer beschreiben, die sie verstärken oder abmildern. In der Bibel haben wir viel weniger Adverbien. Das ist eine viel klarere, direktere Sprache, viel weniger blumig, viel weniger wie heute, wo wir mit ganz vielen Nuancen arbeiten. Wir müssen uns überlegen, oh, kann ich das so sagen? Oh, verletzt das jemanden? Wir haben also ganz viele Nuancen in unserer Sprache. Das kennt das Altertum nicht. Da ist die Sprache roher, direkter. Da wird nicht so viel nuanciert, da wird nicht so viel überlegt, oh, wie muss ich es jetzt sagen für diesen oder für jenen Fall, für diesen oder für jenen Menschen. Und vieles, was da so roh und rau rüberkommt, hat zum Teil auch mit der Übersetzung zu tun. Es klingt anders, wenn Luther die Bibel übersetzt, ein Mensch aus dem 16. Jahrhundert, oder wenn wir heute die Hoffnung für alle oder die Basisbibel haben. Ich mache euch mal ein Beispiel aus Johannes 2, Vers 4.
In der Lutherbibel heißt es: „Jesus spricht zu ihr, Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?
Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“
Ja, das ist Luther. Da hat man über, wenn man da mit Frauen gesprochen hat, hat man da Weib gesagt. Und Weib ist heute natürlich ganz negativ belegt. Oh, Jesus redet aber unfriedlich. Er redet von Weib, von Weibern und so weiter. Aber das ist Luther, der das griechische Wort an dieser Stelle übersetzt.
Nehmen wir eine moderne Übersetzung, zum Beispiel Neue Genfer Übersetzung heißt es da: „Ist es deine Sache, liebe Frau, mir zu sagen, was ich zu tun habe. Meine Zeit ist noch nicht gekommen.“ Klingt gleich anders. Das hat was mit Übersetzung zu tun.
Also Jesus ist vor 2000 Jahren Teil einer Kultur, Teil einer Gesellschaft, die viel rauer, direkter, roher, gewalttätiger funktioniert, als unsere Welt, die eine andere Vorstellung von Respekt, von Höflichkeit, von Achtung und von Wertschätzung hat, wie wir das heute kennen. Ich glaube, Jesus versucht im ersten Jahrhundert die liebevollste Variante zu sein, die man sein konnte. Aber das ist vielleicht immer noch nicht so, wie wir uns das wünschen würden 2000 Jahre später, wo wir gesellschaftlich und kulturell eben an einem völlig anderen Punkt stehen.
Es gehört auch zur damaligen Zeit, dass man drastische Handlungen vollzogen hat, dass man in der Sprache übertrieben hat, dass man drastisch ausgemalte Bilder und Vergleiche verwendet hat, um auf bestimmte Dinge hinzuweisen. Die Welt war dualistisch gedacht, das Böse wurde personifiziert durch Teufel und Dämonen.
Und der vierte Punkt: Jesus ist, auch wenn er die Liebe ist, kein Softie, kein Weichling, der alles durchgehen lässt, der sich nicht kritisch äußert zu Dingen, der Missstände nicht sieht und anspricht, der nicht auch ankündigen kann, dass er als Gott, als Gottes Sohn sagt, das wir einmal gerichtet werden: das geht nicht, das hat zu viele Kollateralschäden, das ist falsch, das ist eben nicht liebevoll.
Also das wäre ja die gleiche Logik wie wenn Eltern nur dann lieb sind, wenn sie bei ihren Kindern alles durchgehen lassen, wenn sie nie schimpfen, wenn sie nie kritisieren, wenn sie zu allem Ja und Amen sagen. Also was ist denn das für eine Überlegung?
Natürlich ist Jesus Menschen auf den Schlips getreten, hat sie vor den Kopf gestoßen, hat sie herausgefordert. Wenn einer das Recht hat, Gericht auszusprechen, Verurteilung auszusprechen, dann war es Jesus. Jesus ist derjenige, der am Schluss das Urteil fällt. Das ermächtigt uns aber noch lange nicht, dass auch wir Gericht vollziehen dürfen. Das ist für uns kein Freibrief. Wenn Jesus verurteilt hat, dürfen wir das auch machen. Nein, das ist nur sein Vorrecht, nicht unser Vorrecht. Aber Jesus, der darf Missstände anprangern. Er darf sagen, was nicht geht und was nicht sein darf und was nicht dem Reich Gottes und den Werten des Himmels entspricht. Ich bin froh, dass er das beim Namen nennt und nicht so als Softy sagt: alles ist okay, everything goes. Das würde gar nicht passen. So ein Jesus will ich gar nicht. Er ist die Liebe. Aber die besteht auch darin, dass er das Lieblose entlarvt.
Und zu guter Letzt, fünfter und letztes Argument, das ich in diesem Podcast bringen will, ist: es ist immer auch eine Frage der Perspektive.
Die harten Gerichtsworte Jesu, die verurteilenden Worten Jesu, die sind gute Botschaft für all diejenigen, die am Ende der Nahrungskette stehen. Also für die Unterdrückten, für die Armen, für die Ausgestoßenen sind die Gerichtsworte Jesu eine Wohltat, denn jetzt wird mit denen abgerechnet, die sie unterdrücken, die sie bedrücken. Die Gerichtsworte sind nur dann besonders hart, wenn ich selbst vom Gericht betroffen bin. Für die andere Seite, für die Opfer, sind diese Worte wirklich eine Wohltat, sind sie Evangelium, sind sie eine gute Botschaft. Wenn Jesus sagt: „wehe euch Reichen“, dann denken wir, oh wie redet denn Jesus über die Reichen, das ist aber echt hart. Aber für die Armen, für die Unterdrückten, die ausgebeutet werden – damit ein paar wenige reich werden – ist das eine frohe Botschaft.
Endlich sagt es mal einer, dass die Reichen so viel Leid verursachen. Endlich hat jemand mal einen Blick für uns Arme, für uns Opfer, die schuften, die sich abrackern, die hier die Tagelöhner und Sklaven der Reichen sind. Also es kommt immer auf die Perspektive an.
Und aus der westlichen, modernen Perspektive klingt so manche Äußerung von Jesu echt hart und lieblos. Aber aus der Perspektive des Unterdrückten, des Elenden, sind es Worte ewigen Lebens.
Okay, fassen wir das Ganze nochmal zusammen:
Ich habe fünf Aspekte genannt, wie man mit dem scheinbar unfreundlichen Jesus umgehen kann.
1. Das erste Argument ist: für mich ist Jesus die Liebe in Reinform. Der Jesus, der himmlische Jesus, ist die Liebe, wie sie nicht größer gedacht werden kann. Sobald Jesus eintritt in eine menschliche Kultur, in dem Gott Mensch wird, wird er auch Teil dieser Kultur. Und ich würde nun sagen, Jesus ist die liebevollste Variante, die möglich ist für Gott als Mensch in dieser Kultur.
2. Jesus versucht das Lieblose oder das Schwierige, das Unmenschliche in dieser Kultur auch immer wieder zu überwinden. In ganz vielem geht er einen Schritt weiter als die Kultur und wird zum großen Vorbild. In manchem geht er drei Schritte weiter als die Kultur und geht ans Maximum dessen, was möglich ist und ist dadurch auch in der Gefahr von Menschen, den Zorn der Menschen auf sich zu ziehen und am Ende zum Märtyrer zu werden, wie das dann auch geschehen ist.
3. Zum Dritten gibt es einen großen historischen Graben zwischen unserer Gesellschaft, unserer Kultur, unserer Zeit und der damaligen Zeit. Die Welt damals war rauer, die war roher, die war gewalttätiger. Damals gab es noch nicht den Gentleman und so weiter. Es sind also ganz andere gesellschaftliche Normen und Gepflogenheiten und in die müssen wir uns erst hereinfinden, Die befremden uns manchmal, weil wir so eine große Distanz haben, aber das macht die Zeit nicht liebloser.
Also versteht ihr, vor 100 Jahren hätte es niemand als problematisch empfunden, wenn Kinder in der Schule von den Lehrern geschlagen werden. Das gehörte mit zu ihrer Pädagogik, zu ihrer Ausbildung. Für die Zeit vor 100 Jahren vollkommen normal, da hat niemand gesagt, was bist du für ein Tyrann du Lehrer, also was bist du für ein Sadist, das geht ja gar nicht. Zur damaligen Zeit war das vollkommen okay, für niemanden verstörend, wenn das geschehen ist. Heutzutage ist es für alle verstörend, wenn ein Lehrer noch Kinder schlagen oder züchtigen würde.
Also da merken wir, die Zeit vor 2000 Jahren hat für uns viel Verstörendes an sich. Aber wenn Jesus Teil dieser damaligen Kultur ist, dann ist eben auch so manches an seinem Verhalten ein wenig verstörend für uns. Das liegt aber nicht am Wesen Jesu, sondern an der damaligen Zeit.
4. Der vierte Punkt ist, dass Jesus sehr wohl das Recht hat, Dinge auch beim Namen zu nennen, Missstände zu benennen, Dinge zu verurteilen, Dinge zu tadeln, Menschen herauszufordern, die eben der Liebe oder den Werten des Himmels widersprechen. Da hat Jesus sehr wohl das Recht. Ich will nicht, dass Jesus ein Softe ist, der alles durchgehen lässt, sondern dass er Dinge, die Missstände sind, auch benennt.
5. Und zu guter Letzt: Die scheinbar unfreundliche Seite Jesu, wo er Dinge kritisiert, wo er harte Worte spricht, wo er Gerichtsworte ausspricht, die sind eine wirklich gute Botschaft, ein Evangelium, eine Wohltat für all diejenigen, die Opfer dieser Missstände geworden sind.
Es ist eine erleichternde, eine befreiende Botschaft, wenn da endlich einer kommt, der die Missstände, unter denen wir alle leiden, die Ausgegrenzten, – die Armen, die Tagelöhner, die Sklaven -, wenn die einer beim Namen nennt. Insofern hat die unfreundliche Seite Jesu auch etwas Befreiendes und etwas sehr Freundliches denen gegenüber, die Opfer der damaligen Zeit sind.
Ich hoffe, das gibt euch ein paar Argumente an die Hand, für euch klarzukommen mit diesen unfreundlichen Aspekten, denen wir da begegnen.
GEMA-freie Musik von www.frametraxx.de
Cinematic by Makaih Beats is licensed under a Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International License.
https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de